Fal­sche Prio­ri­tä­ten bei bun­des­wei­ter Ki­ta-För­de­rung?

Mil­li­ar­den flie­ßen seit die­ser Wo­che an die Län­der: Bil­dungs­ex­per­ten kri­ti­sie­ren pau­scha­le Bei­trags­frei­heit

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Kurz vor Weih­nach­ten fließt das ers­te Geld aus dem so­ge­nann­ten Gu­te-Ki­ta­Ge­setz an die Län­der. Kon­kret be­deu­tet das: Die Län­der er­hal­ten ab jetzt ei­nen grö­ße­ren An­teil aus den Um­satz­steu­er­ein­nah­men des Staa­tes, ins­ge­samt 5,5 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2022. Über die ge­naue Ver­wen­dung der Ki­ta-Gel­der hat­te je­des Bun­des­land mit dem Bund ei­nen ei­ge­nen Ver­trag ge­schlos­sen.

Nach An­sicht der Bil­dungs­for­sche­rin Kat­ha­ri­na Spieß vom Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) wur­den da­bei al­ler­dings teil­wei­se fal­sche Prio­ri­tä­ten ge­setzt. Zahl­rei­che Bun­des­län­der ver­wen­de­ten die Mit­tel des Bun­des auch, um al­le Fa­mi­li­en von Ge­büh­ren zu ent­las­ten. „Ein sol­cher An­satz ist we­ni­ger sinn­voll“, sag­te Spieß. Sie ver­wies auf Um­fra­gen, wo­nach Fa­mi­li­en mit hö­he­ren Ein­kom­men teil­wei­se so­gar be­reit sei­en, noch mehr für ei­ne Ki­ta zu be­zah­len als bis­her. Die­se Res­sour­cen hät­ten in wei­te­re Qua­li­täts­maß­nah­men in­ves­tiert wer­den sol­len.

Die Bil­dungs­öko­no­min plä­dier­te da­für, statt in Ge­büh­ren­sen­kun­gen für al­le mehr in die Aus- und Wei­ter­bil­dung so­wie in die Be­zah­lung der Er­zie­he­rin­nen zu in­ves­tie­ren, denn die päd­ago­gi­schen Fach­kräf­te sei­en die zen­tra­len Ak­teu­re, um Qua­li­tät zu ge­währ­leis­ten. „Dies könn­te auch da­zu bei­tra­gen, dass sich mit­tel­fris­tig mehr Men­schen für die­sen wich­ti­gen Be­ruf ent­schei­den.“Zu­stim­mung da­für gab es von der FDP. Der Fa­mi­li­en­po­li­ti­ker der Li­be­ra­len, Mat­thi­as See­stern-Pau­ly, sag­te: „Die pau­scha­le Bei­trags­frei­heit geht zu­las­ten wirk­li­cher Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen und da­mit der Zu­kunfts­chan­cen un­se­rer Kin­der.“Die Bun­des­län­der konn­ten im Rah­men des Ki­ta-Ge­set­zes aus ver­schie­de­nen Be­rei­chen – so­ge­nann­ten Hand­lungs­fel­dern – aus­wäh­len, in de­nen sie ih­re Ein­rich­tun­gen mit­hil­fe der Bun­des­mit­tel stär­ker un­ter­stüt­zen wol­len.

Die SPD ver­tei­dig­te die Ge­büh­ren­sen­kun­gen grund­sätz­lich. „Je­des Kind in Deutsch­land soll un­ab­hän­gig vom Ein­kom­men der El­tern die bes­te Be­treu­ung be­kom­men“, sag­te die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Kat­ja Mast. Es sei auch ei­ne Fra­ge der Qua­li­tät, wenn der Zu­gang zur Ki­ta nicht vom Geld­beu­tel der El­tern ab­hän­ge.

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