PR-Pro­fi und „First Girl­fri­end“

Wel­chen An­teil hat Freun­din Car­rie Sy­monds am jüngs­ten Wah­l­er­folg von Bo­ris John­son?

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Ka­trin Pribyl

Als Bo­ris John­son nach sei­nem Sieg am ver­gan­ge­nen Frei­tag­mor­gen in die Dow­ning Street zu­rück­kehr­te und sich vor der be­rühm­ten schwar­zen Tür mit der Num­mer zehn noch ein­mal tri­um­phie­rend den kli­cken­den Ka­me­ras zu­wand­te, lä­chel­te und wink­te ne­ben ihm auch Car­rie Sy­monds. Der 55jäh­ri­ge Pre­mier­mi­nis­ter nahm die 31-Jäh­ri­ge bei der Hand, leg­te den Arm um sie. Und be­kräf­tig­te so ganz of­fi­zi­ell ih­ren Sta­tus als „First La­dy“– oder bes­ser ge­sagt „First Girl­fri­end“des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs.

Im Ju­li, nach­dem er den Vor­sitz der Kon­ser­va­ti­ven ge­won­nen und da­mit The­re­sa May als Re­gie­rungs­chef ab­ge­löst hat­te, zog er noch al­lei­ne in die Dow­ning Street ein. Le­bens­ge­fähr­tin Sy­monds schlüpf­te spä­ter un­be­merkt durch die Hin­ter­tür. Es ist das ers­te Mal, dass ein Pre­mier un­ver­hei­ra­tet mit Part­ne­rin in dem Re­gie­rungs­sitz re­si­diert. Dem­ent­spre­chend wild lau­fen in der Bou­le­vard­pres­se die Spe­ku­la­tio­nen um ei­ne bal­di­ge Hoch­zeit. Ver­ges­sen ist of­fen­bar der hef­ti­ge nächt­li­che Streit vor ei­ni­gen Mo­na­ten in Sy­monds Woh­nung, der die Nach­barn da­zu ver­an­lass­te, die Po­li­zei zu ru­fen.

Sy­monds hat Er­fah­rung mit Kam­pa­gnen. Ab 2018 ar­bei­te­te sie als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­che­fin der To­ry-Par­tei, bis sie nach dem Be­kannt­wer­den der Be­zie­hung zu John­son die­sen Pos­ten auf­ge­ben muss­te.

Dass John­son sei­nen le­bens­lan­gen Traum ver­wirk­li­chen und tat­säch­lich in die Dow­ning Street zie­hen konn­te, schie­ben zahl­rei­che Be­ob­ach­ter auf Car­rie Sy­monds.

Sie ist Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Pro­fi, galt als „PR-Gu­ru der To­ries“. So sei es ihr Ver­dienst, dass der Kon­ser­va­ti­ve, der sei­ne blon­de Mäh­ne zum Mar­ken­zei­chen ge­macht hat, seit ge­rau­mer Zeit ge­kämm­ter da­her­kommt, au­ßer­dem deut­lich ab­ge­nom­men hat. Noch auf­fal­len­der ist, dass John­son, be­rühmt für sei­ne zahl­lo­sen Pein­lich­kei­ten und Pro­vo­ka­tio­nen, sich in den letz­ten Mo­na­ten deut­lich we­ni­ger Aus­fäl­le ge­leis­tet hat als in der Ver­gan­gen­heit. Oder sie zu­min­dest bes­ser über­steht.

Ge­hört Sy­monds zum klei­nen Kreis der Ma­cher von John­son? Beim Wahl­kampf 2019 un­ter­stütz­te sie die Kon­ser­va­ti­ven nicht zum ers­ten Mal. Be­reits im Jahr 2012 war die Po­li­tik­be­ra­te­rin maß­geb­lich dar­an be­tei­ligt, dass John­son er­neut zum Bür­ger­meis­ter der Haupt­stadt London ge­wählt wur­de. Die Fe­mi­nis­tin Sy­monds, die im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne er­folg­rei­che Kam­pa­gne ge­gen die vor­zei­ti­ge Haft­ent­las­sung des ehe­ma­li­gen Ta­xi­fah­rers und Se­ri­en­ver­ge­wal­ti­gers John Wor­boys an­stieß, wur­de 2007 selbst Op­fer von Wor­boys.

Die Toch­ter des Mit­be­grün­ders der Zei­tung „The In­de­pen­dent“, Mat­t­hew Sy­monds, ar­bei­te­te als Be­ra­te­rin für die kon­ser­va­ti­ven Par­la­men­ta­ri­er Micha­el Go­ve und Sa­jid Ja­vid, be­vor sie zur Kom­mu­ni­ka­ti­ons­che­fin der To­ries be­ru­fen wur­de. Seit Herbst 2018 ist die über­zeug­te Um­welt- und Tier­schüt­ze­rin bei Bloom­berg für die PR ei­nes Oze­an-Schutz­pro­gramms ver­ant­wort­lich. Ob sie künf­tig ei­ne pro­mi­nen­te­re Rol­le als First La­dy ein­neh­men wird, ist noch un­klar. Zu­nächst kehrt sie erst ein­mal in ih­ren Job zu­rück.

Foto: dpa

Be­ob­ach­tern zu­fol­ge hat Car­rie Sy­monds (hier mit dem ge­mein­sa­men Hund Di­lyn) we­sent­li­chen An­teil an John­sons Er­folg.

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