Lin­ge­ne­rin setzt sich für bos­ni­sche Stra­ßen­hun­de ein

Hun­de­asyl auf ei­ner Müll­hal­de

Meppener Tagespost - - NACHBARSCH­AFT - Von Chris­tia­ne Adam

Knut hat es gut ge­trof­fen: Er lebt seit Mai die­ses Jah­res bei Chris­tin Mross-Stöp­pel­mann und ih­rem Ehe­mann im Gau­er­bach in Lin­gen. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich, denn der an ei­nen Bob­tail er­in­nern­de Misch­lings­hund ist in Bos­ni­en ge­bo­ren.

Bi­hac heißt die Stadt, die et­was grö­ßer ist als Lin­gen, die je­doch mit ganz an­de­ren Pro­ble­men zu tun hat: „Man merkt, dass in dem Land vor gut 20 Jah­ren noch Krieg herrsch­te. Wirt­schaft­lich geht es dort noch nicht so vor­an“, weiß Chris­tin Mross von ih­ren vie­len Be­su­chen, die sie mitt­ler­wei­le dort ge­macht hat. Und wo es den Men­schen öko­no­misch nicht gut geht, blei­ben Haus­tie­re oft auf der Stre­cke, ein Phä­no­men, das vie­le ost- und süd­eu­ro­päi­sche Län­der be­trifft: Stra­ßen­hun­de prä­gen das Bild.

„Knuts Mut­ter ist ge­stor­ben, ge­nau wie al­le Ge­schwis­ter­wel­pen aus sei­nem Wurf. Er hat über­lebt im Hun­de­asyl“, er­zählt Mross. Sie hat den bos­ni­schen Lauf­hund, der der Misch­ling zu­min­dest in Tei­len sein dürf­te, von dort. Das Hun­de­asyl liegt in­mit­ten ei­ner rie­si­gen Müll­hal­de. „Stra­ßen­hun­de wer­den auf die­ser De­po­nie ent­sorgt“, sagt die Lin­ge­ne­rin trau­rig. Ein Ort der Hoff­nung in die­sem Elend ist das Hun­de­asyl. Mersad Be­sic und Dr. Sa­bi­na Gre­bo­vic küm­mern sich dort um die Tie­re. Sie päp­peln sie me­di­zi­nisch wie­der auf und ma­chen sie so­zi­al ver­träg­lich, wo­bei die meis­ten trotz ih­rer schlech­ten Er­fah­run­gen mit Men­schen sehr zu­trau­lich und an­schmieg­sam sind. Ein Blick auf Knut, der gern sehr nah am Ge­sche­hen ist, be­stä­tigt die­sen Ein­druck.

Mross hat sich ent­schlos­sen, dem Hun­de­asyl zu hel­fen. Sie hat die „Max Foun­da­ti­on“ge­grün­det. Max ist der Na­me ih­res vor­he­ri­gen Hun­des. Als die­ser vor et­wa ei­nem Jahr starb, soll­te sein Nach­fol­ger aus dem Tier­schutz kom­men. „Wir nah­men Kon­takt zur „Ar­che4dogs“aus Wes­ter­kap­peln auf“, be­rich­tet Mross wei­ter. Die „Ar­che4dogs“ist ein Ver­ein, der Hun­de aus dem Asyl in Bi­ha in gu­te Hän­de ver­mit­telt. Be­ein­druckt von de­ren En­ga­ge­ment, be­schloss Mross, selbst nach Bi­hac zu flie­gen und sich vor Ort ei­nen Ein­druck zu ver­schaf­fen. „Ehr­lich ge­sagt, ich hat­te ziem­lich Re­spekt vor die­ser ers­ten Rei­se, denn ich hat­te Angst, Schreck­li­ches zu se­hen zu be­kom­men“, er­in­nert sie sich.

Was sie vor­fand, lös­te ge­misch­te Ge­füh­le in ihr aus. Zum ei­nen sind da die Ein­drü­cke von der Müll­de­po­nie mit den her­ren­lo­sen Hun­den. Zum an­de­ren sind da zwei sehr en­ga­gier­te Men­schen im Hun­de­asyl. Dann ist da ein Land, das sich be­müht, über die Schä­den des Kriegs zu hin­weg­zu­kom­men. Und das al­les in ei­ner Um­ge­bung, die land­schaft­lich wun­der­schön sei, wie sie schwärmt. Die­se Kom­bi­na­ti­on birgt Pro­ble­me, bie­tet aber auch Hoff­nung.

„Ich möch­te dem Hun­de­asyl da­bei hel­fen, auf ei­ge­nen Bei­nen zu ste­hen, und des­halb ha­be ich die Max Foun­da­ti­on ge­grün­det“, er­zählt die Lin­ge­ne­rin, die lan­ge Zeit in Los Angeles ge­lebt hat. Sie wünscht sich, dass Be­sic und Dr. Gre­bo­vic fi­nan­zi­ell un­ab­hän­gig vom Ve­te­ri­när­amt ar­bei­ten kön­nen, da von dort nicht al­le Gel­der, die für die Hun­de vor­ge­se­hen sei­en, auch im Asyl an­kä­men, wie sie er­fah­ren hat.

Ver­ein be­steht seit Ju­li

Au­ßer­dem ge­he es der Max Foun­da­ti­on um Auf­klä­rung. Kastra­ti­on, Imp­fun­gen, art­ge­rech­ter Um­gang und ähn­li­che The­men sol­len in Work­shops

mit Leh­rern, Kin­der­gärt­ne­rin­nen und an­de­ren Mul­ti­pli­ka­to­ren er­ar­bei­tet wer­den. Ein Co­mic mit ei­nem Ti­tel­hel­den, der na­tür­lich Max hei­ßen wird, ist der­zeit in Bearbeitun­g. Der Bür­ger­meis­ter von Bi­hac sei sehr an den Ak­ti­vi­tä­ten der Max Foun­da­ti­on in­ter­es­siert, denn Tou­ris­mus neh­me an Be­deu­tung für die Stadt, die sehr na­he der kroa­ti­schen Gren­ze liegt, zu. Und Stra­ßen­hun­de wir­ken da eher ab­schre­ckend.

Apro­pos Schre­cken: „Ich möch­te Spen­den­gel­der nicht mit Schre­ckens­bil­dern ein­wer­ben, wie das manch­mal im Tier­schutz ge­schieht. Mir ist es lie­ber, wenn ich schö­ne Ge­schich­ten er­zäh­len kann, bei­spiels­wei­se von ei­nem Hund, der jetzt in Schles­wi­gHol­stein bei ei­nem Ehe­paar gut un­ter­ge­kom­men ist“, meint Mross.

Seit Ju­li be­steht ihr Ver­ein, der als ge­mein­nüt­zig an­er­kannt wor­den ist. Ih­re Initia­ti­ve kommt gut an. „Ist ’ne tol­le Sa­che, was sie da tut“, fin­det et­wa Uli Fürs­ten­berg. Der Fri­seur­meis­ter ver­kauft seit ei­ni­gen Jah­ren Christ­baum­schmuck in Form des Lin­ge­ner Rat­hau­ses. Drei die­ser An­hän­ger hat er zu­guns­ten der Max Foun­da­ti­on ver­äu­ßert.

Der Er­lös kommt eben­so den bos­ni­schen Hun­den zu­gu­te wie die Spen­den, die das Mo­de­haus Lö­ning für das Ver­pa­cken von Wa­ren in der Weih­nachts­zeit sam­melt. „Ich wür­de mich freu­en, wenn noch mehr Men­schen die Hun­de im Asyl in Bi­hac un­ter­stüt­zen! Ich sor­ge per­sön­lich da­für, dass das Geld eins zu eins dort an­kommt“, ver­spricht Mross.

In­for­ma­tio­nen dar­über gibt es un­ter www.max­foun­da­ti­on.de

Lie­be auf den ers­ten Blick: Chris­tin Mross mit Knut aus Bos­ni­en. Fotos (2): Chris­tia­ne Adam

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