Bau­ern pro­tes­tie­ren ge­mein­sam

Deut­sche und hol­län­di­sche Bau­ern wol­len heu­te mit Trak­to­ren an die Gren­ze

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Mat­thi­as En­gel­ken Zahl­rei­che Be­rich­te zu den Bau­ern­pro­tes­ten auf noz.de

Die Pro­tes­te der Land­wir­te über­schrei­ten nun auch die Gren­ze. Am heu­ti­gen Mitt­woch sind in den ge­sam­ten Nie­der­lan­den De­mons­tra­tio­nen ge­plant. Auch vie­le Land­wir­te aus dem Ems­land und der Graf­schaft Bent­heim wer­den sich an der Ak­ti­on be­tei­li­gen.

Die Pro­tes­te der Bau­ern wer­den lau­ter und über­schrei­ten da­bei Gren­zen – zu­min­dest geo­gra­fisch ge­se­hen: An den für den heu­ti­gen Mitt­woch in den ge­sam­ten Nie­der­lan­den ge­plan­ten De­mons­tra­tio­nen wer­den auch vie­le Land­wir­te aus dem Ems­land und der Graf­schaft Bent­heim teil­neh­men.

Ein Te­le­fo­nat folgt dem nächs­ten, ei­ne Nach­richt jagt die an­de­re: Un­ter Dau­er­stress ste­hen meh­re­re jun­ge Land­wir­te aus der Re­gi­on. Sie ge­hö­ren der bun­des­wei­ten Be­we­gung „Land schafft Ver­bin­dung“an, or­ga­ni­sie­ren de­ren Ak­tio­nen für die Graf­schaft und das Ems­land.

So auch am Mitt­woch. Die nie­der­län­di­schen Kol­le­gen ent­lang der Gren­ze sol­len un­ter­stützt wer­den. Stephanie Frent­jen wird auch da­bei sein. Die Milch­vieh­hal­te­rin wohnt in Gil­de­haus in der Graf­schaft Bent­heim, ei­nen St­ein­wurf ent­fernt von der nie­der­län­di­schen Gren­ze. „Als wir von der er­neu­ten Pro­test­ak­ti­on der hol­län­di­schen Kol­le­gen ge­hört hat­ten, war gleich klar, dass auch wir ir­gend­wie un­ter­stüt­zen wol­len“, er­zählt die 30-Jäh­ri­ge.

Zu­nächst ha­be man Tre­cker im Grenz­be­reich auf­stel­len wol­len. „Doch das war uns zu we­nig“, meint die jun­ge Mut­ter. Wie sie dach­ten auch wei­te­re Mit­glie­der der Ver­bin­dung. Kurz­um wur­de der Kon­takt zu den nie­der­län­di­schen Land­wir­ten ge­sucht. Dort hat­te sich vor ei­ni­gen Wo­chen die Grup­pe „Far­mers De­fence Force“(FDF) ge­bil­det – fern­ab der bis­he­ri­gen Lob­by­ver­bän­de, so wie die deut­sche Be­we­gung eben­falls aus der Ba­sis ent­stan­den ist.

Schnell war der Kon­takt der hie­si­gen Land­wir­te zu den Be­rufs­kol­le­gen auf der an­de­ren Sei­te der Gren­ze ge­knüpft. Stephanie Frent­jen lern­te da­bei auch gleich ih­ren Feld­nach­barn Job Hut­ten­hu­is ken­nen. Der ist selbst Milch­vie­h­al­ter, wohnt in de Lut­te, ei­ner klei­nen Ort­schaft in der Ge­mein­de Los­ser in der nie­der­län­di­schen Pro­vinz Ove­r­i­js­sel, an­gren­zend eben an Frent­jens Ort Gil­de­haus.

„In den ers­ten Ge­sprä­chen wur­den so­fort Un­ter­schie­de deut­lich, aber noch mehr die Ge­mein­sam­kei­ten“, er­zählt Mar­kus Escher aus der Ge­mein­de Lan­gen im Ems­land.

So et­wa die ak­tu­el­le Po­li­tik der je­wei­li­gen Re­gie­run­gen und der EU, wie der Be­triebs­lei­ter ei­nes Acker­bau­be­trie­bes meint. „Wir Bau­ern for­dern, ge­hört zu wer­den, wenn es um Ge­set­zes­än­de­run­gen geht“, er­klärt der 32Jäh­ri­ge sein En­ga­ge­ment.

„Po­li­tik mit Ak­teu­ren“

So wie er for­dert auch Be­rufs­kol­le­ge Hut­ten­hu­is ei­ne Po­li­tik, die mit den Ak­teu­ren gestal­tet wird. „Der­zeit ha­ben wir das Ge­fühl, kaum Be­ach­tung zu fin­den.“Dies auch bei den Ver­brau­chern. Auch des­halb wol­len die Nie­der­län­der er­neut ein Zei­chen set­zen, mit ih­ren Tre­ckern, dem leuch­ten­dem Warn­blink­licht, und ver­kehrt her­un­ter hän­gen­den nie­der­län­di­schen Flag­ge als deut­li­cher

Kri­tik an der ei­ge­nen Re­gie­rung.

Wie ge­nau in­des die Ak­ti­on aus­se­hen wird, wis­sen so­wohl die deut­schen als auch die hol­län­di­schen Land­wir­te noch nicht. „Da müs­sen die Deut­schen noch von uns ler­nen, dort ist vor­her im­mer al­les ge­nau ge­plant“, meint Mat­t­hi­js Frie­linck. Der 19-jäh­ri­ge Hol­län­der ko­or­di­niert ei­nen Teil der hol­län­di­schen Ak­tio­nen.

Ge­nau­es weiß auch er nicht, nur ei­ne klei­ne Grup­pe und die nie­der­län­di­sche Po­li­zei wis­sen mehr. Frie­linck hin­ge­hen weiß nur so viel: „Wir sind al­le ein­ge­teilt in Grup­pen und fah­ren zu be­stimm­ten Sam­mel­punk­ten. So et­wa in de Lut­te. Dort be­kom­men wir nach ei­ner kur­zen Kund­ge­bung un­se­re Auf­ga­be

zu­ge­teilt“, er­zählt er.

Für Frent­jen und ih­re Mit­strei­ter ist das Neu­land. „Un­se­re Fahr­ten nach Bonn und Ber­lin wa­ren ge­nau­es­tens durch­de­kli­niert.“Wich­tig ist ihr, dass al­les le­gal ist im Rah­men der Ge­set­ze, und sie ver­weist da­bei auf di­ver­se Vi­de­os, die in so­zia­len Netz­wer­ken kur­sie­ren, wor­auf zu se­hen ist, wie nie­der­län­di­sche Land­wir­te ra­bi­at pro­tes­tie­ren. „Das leh­nen wir ab.“

Auch die Ge­dan­ken­spie­le der FDF, die Le­bens­mit­tel­ver­sor­gung in den Nie­der­lan­den kurz vor Weih­nach­ten zu blo­ckie­ren, sieht sie äu­ßerst kri­tisch, möch­te kei­ne ge­walt­sa­men Ak­tio­nen ge­gen­über Po­li­tik und Bür­gern er­le­ben. Viel­mehr set­zen sie und ih­re Mit­strei­ter auf Dia­log.

Frie­linck in­des wie­gelt ab: „Wir wol­len we­der Stra­ßen blo­ckie­ren noch Be­hör­den en­tern, son­dern le­dig­lich die Be­völ­ke­rung auf un­se­re Si­tua­ti­on auf­merk­sam ma­chen.“Für Frent­jen ein gu­tes Zei­chen. „Wir kön­nen hier un­se­re So­li­da­ri­tät mit den Kol­le­gen un­ter Be­weis stel­len und ge­mein­sam et­was be­we­gen“, ist sie über­zeugt.

Ent­lang der ge­sam­ten Gren­ze von der Küs­te bis ins west­fä­li­sche Bor­ken be­tei­li­gen sich deut­sche Land­wir­te. Al­le star­ten früh­mor­gens. Punkt fünf in der Nacht geht es für die Gil­de­hau­se­rin los. Mit da­bei ist auch ihr drei­jäh­ri­ger Sohn. Der freut sich schon rie­sig auf die Tour ins Nach­bar­land. Spä­ter dann wer­den er und sei­ne Mut­ter ab­ge­löst von Va­ter Mat­thi­as. „Der muss erst noch die Tie­re ver­sor­gen“, sagt Frent­jen.

Sie rech­net mit gut 30 Schlep­pern aus der Graf­schaft so­wie 60, die sich in Twist tref­fen. Eben­so tref­fen sich Bau­ern auf dem Hümm­ling, 130 über­fah­ren dann die Gren­ze in Rhe­de.

So hät­ten Land­wir­te aus Ost­fries­land, Oldenburg und Wilhelmsha­ven eben­so ihr Kom­men zu­ge­sagt. „Und das, ob­wohl auf den Hö­fen ge­ra­de viel zu tun ist. Da­bei pla­nen er und sei­ne Mit­strei­ter be­reits die nächs­ten Ak­tio­nen. So et­wa zur Grü­nen Wo­che. Und dann ist da ja auch noch Brüs­sel. „Viel­leicht ist un­se­re ge­mein­sa­me Ak­ti­on mit den Hol­län­dern ja nur ein Test­lauf “, sagt Escher und te­le­fo­niert schon wie­der.

Fo­to: En­gel­ken

Sie ko­or­di­nie­ren die Ak­ti­on: Mar­kus Escher (v. l.), Mat­t­hi­js Frie­li­enck, Ru­dolf Schlan­gen, Stephanie Frent­jen, Henning Ste­ge­mann, Job Hut­ten­hu­is und Mat­thi­as Ever­ing­hoff.

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