Die Sa­che mit der Jog­ging­ho­se

Das sa­gen Schul­lei­ter aus der Re­gi­on zu ei­nem mög­li­chen Jog­ging­ho­sen-Ver­bot

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Ma­rie Bus­se

Ei­ne Pri­vat­schu­le in Han­no­ver hat ih­ren Schü­lern das Tra­gen von Jog­ging­ho­sen ver­bo­ten, weil die­se im Un­ter­richt nicht an­ge­mes­sen sei­en. Auch wenn so et­was in öf­fent­li­chen Schu­len nicht oh­ne Wei­te­res mög­lich ist – wie steht man in un­se­rer Re­gi­on da­zu?

Das ging Schul­lei­ter Jür­gen San­ders von der In­te­grier­ten Ge­samt­schu­le (IGS) Fürs­ten­au dann doch zu weit: Als ei­ni­ge Schü­ler sei­ner Schu­le bei ih­rer münd­li­chen Abitur­prü­fung in Jog­ging­ho­sen vor den Leh­rern stan­den, sprach San­ders nicht nur sie, son­dern auch ih­re El­tern auf die nach­läs­si­ge Klei­dung an. Auch heu­te fin­det er, dass zu ei­nem sol­chen Ter­min an­ge­mes­se­ne Klei­dung ge­hört.

Die Jog­ging­ho­se vom Schul­hof ver­ban­nen kann die IGS als staat­li­che Schu­le aber nicht. Ein Ver­bot wür­de un­ter an­de­rem in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht ein­grei­fen, das im Grund­ge­setz fest­ge­schrie­ben ist. An­ders sieht es bei Pri­vat­schu­len aus. In Han­no­ver war der Fall ei­nes pri­va­ten Gym­na­si­ums be­kannt ge­wor­den, an dem Schü­ler künf­tig kei­ne Jog­ging­ho­sen mehr tra­gen sol­len. Die Klei­dung sei „nicht an­ge­mes­sen“, ei­ni­ge Leh­rer emp­fin­den den Schlab­ber­look als Zur­schau­stel­lung des Des­in­ter­es­ses an der Schu­le.

Schul­lei­ter in der Re­gi­on se­hen das an­ders. „Nur weil ein Schü­ler im Un­ter­richt ei­ne Jog­ging­ho­se trägt, ver­hält er sich nicht an­ders oder ist un­auf­merk­sa­mer“, sagt Da­nie­la Boß­mey­er-Hoff­mann vom pri­va­ten Ur­su­laGym­na­si­um in Os­na­brück. An ih­rer Schu­le ge­be es kei­ne Ord­nung, die be­stimm­te Klei­dungs­stü­cke ver­bie­tet. „Wir ach­ten al­ler­dings dar­auf, dass die Schü­ler ge­ra­de

im Som­mer in an­ge­mes­se­ner Klei­dung er­schei­nen“sagt sie.

Am eben­falls pri­va­ten Gym­na­si­um Ma­ria­num in Meppen gibt es nur we­ni­ge Schü­ler, die im Schlab­ber­look zur Schu­le kom­men, be­tont Schul­lei­ter Her­man­nJo­sef Ra­ve. In Be­zug auf Klei­der­ord­nung ge­be es ei­nen Kon­sens, auf den sich Leh­rer, Schü­ler und El­tern ge­ei­nigt ha­ben. „Es darf kei­ne Klei­dung mit be­lei­di­gen­den Sym­bo­len oder Sprü­chen ge­tra­gen wer­den“, er­klärt Ra­ve.

Die­se Re­gel gilt auch an der Ober­schu­le Art­land in Qua­ken­brück. Die Kon­se­quen­zen ha­ben be­reits ei­ni­ge Schü­ler zu spü­ren be­kom­men. „Ein Schü­ler muss­te sei­nen Pull­over falsch her­um

an­zie­hen, weil der Auf­druck be­lei­di­gend war“, sagt Kon­rek­to­rin Ma­ri­on Klein und er­gänzt: „We­gen Jog­ging­ho­sen schi­cken wir aber nie­man­den nach Hau­se.“Deut­lich stren­ger sieht es bei frei­zü­gi­ger Klei­dung wie Hot­pants oder tief aus­ge­schnit­te­nen T-Shirts aus: Die Ober­schu­le Art­land hält Er­satz-TShirts zum Über­zie­hen be­reit.

Ein Des­in­ter­es­se an der Schu­le kann Heinz-Pe­ter Mei­din­ger vom Leh­rer­ver­band durch die Jog­ging­ho­se nicht er­ken­nen. „Ge­gen schlech­te Klei­dung ist nun mal kein Kraut ge­wach­sen“, be­tont er. Für Mar­lies Te­pe, Vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft, sind Klei­dungs­vor­schrif­ten

kein The­ma: „Den Klei­dungs­stil von Schü­le­rin­nen und Schü­lern hal­te ich für ein nach­ge­ord­ne­tes Pro­blem. Wenn man sich dar­über ver­stän­di­gen will, muss das im de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs ge­sche­hen, Lehr­kräf­te müs­sen zu­sam­men mit El­tern und Schü­lern ei­nen Kon­sens fin­den, sagt sie.

Für Mei­din­ger rei­hen sich Jog­ging­ho­sen in ei­ne lan­ge His­to­rie von mo­di­schen Trends, mit de­nen jun­ge Men­schen in die Schu­le ka­men. „Wir ha­ben in mei­ner Schul­zeit Leh­rer pro­vo­ziert, in­dem die gan­ze Klas­se mit Se­cond­hand-Uni­form­ja­cken der US-Ar­my in die Schu­le kam“, sagt der 65-Jäh­ri­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. In den 1960er-Jah­ren sei­en Jun­gen mit lan­gen Haa­ren ei­ne Pro­vo­ka­ti­on ge­we­sen. „Sie muss­ten im Sport­un­ter­richt ein Haar­netz tra­gen“, sagt er.

Über die Schu­le hin­aus ist ein Trend zu lo­cke­rer Klei­dung zu er­ken­nen. Im Bun­des­tag de­bat­tie­ren Ab­ge­ord­ne­te oh­ne Kra­wat­te. Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas zeigt sich läs­sig in Le­der­ja­cke und mit wei­ßen Snea­k­ern. In Be­ru­fen, die jah­re­lang ei­nen stren­gen Dress­code vor­aus­setz­ten, wer­den auch die Vor­schrif­ten lo­cke­rer. Bei der Spar­kas­se Os­na­brück müs­sen Män­ner seit En­de 2018 nicht mehr in je­dem Fall ei­ne Kra­wat­te tra­gen. „Vie­le un­se­rer Kun­den ha­ben uns da­zu er­mun­tert“, sagt Jo­han­nes Har­tig, Vor­sit­zen­der des Vor­stands der Spar­kas­se Os­na­brück.

Die Aus­zu­bil­den­den, die bei­spiels­wei­se bei der Spar­kas­se ar­bei­ten, tra­gen auch an der Be­rufs­schu­le die Klei­dung, die sie aus dem Ar­beits­all­tag ken­nen. Das hat Pe­ter Diek­mann, Schul­lei­ter der Be­rufs­schu­le in Meppen mit mehr als 4000 Schü­lern, be­ob­ach­tet. „Wir ha­ben kei­ne Pro­ble­me mit Jog­ging­ho­sen“, stellt Schul­lei­ter Pe­ter Diek­mann klar.

Auch an Ober­schu­le Art­land in Qua­ken­brück hat sich ge­zeigt, dass Schü­ler, die den Ab­schluss vor Au­gen ha­ben, we­ni­ger Jog­ging­ho­sen tra­gen. Ein Schü­ler ha­be bei­spiels­wei­se jah­re­lang Jog­ging­ho­sen ge­tra­gen. „Nach vie­len Ge­sprä­chen ist er in den letz­ten Schul­jah­ren auf an­de­re Ho­sen um­ge­stie­gen“, er­zählt Kon­rek­to­rin Ma­ri­on Klein.

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