Be­dürf­tig­keit der Groß­mut­ter weckt In­ter­es­se für den Pfle­ge­be­ruf

As­sis­ten­ten­aus­bil­dung mit ho­hem Pra­xi­s­an­teil „ide­al für Quer­ein­stei­ger“

Meppener Tagespost - - NACHBARSCH­AFT - Von Gerd Scha­de

Hän­de­rin­gend sucht die Pfle­ge­bran­che nach Ar­beits­kräf­ten. Mög­lich­kei­ten zum Weg in den Be­ruf bie­tet das A+W-Bil­dungs­zen­trum mit Stand­or­ten in Pa­pen­burg, Sö­gel und Meppen. In Theo­rie und Pra­xis wer­den dort Pfle­ge­as­sis­ten­ten aus­ge­bil­det. Ei­ne Stipp­vi­si­te.

„Mach aus Dir, was in Dir steckt!“Mit die­sem Spruch wirbt das Bil­dungs­zen­trum für sei­ne An­ge­bo­te. Im Klas­sen­zim­mer bei A+W in Pa­pen­burg steht ein Pfle­ge­bett, da­ne­ben ein Roll­stuhl. Mar­cia Staats muss kräf­tig zu­pa­cken, um ih­re Mit­schü­le­rin Bir­git Pe­ters aus dem Bett in den Roll­stuhl zu hie­ven. Die Sze­ne sym­bo­li­siert nur ei­nen klei­nen Aus­schnitt aus dem Pfle­ge­all­tag, of­fen­bart aber auf ei­nen Blick die Her­aus­for­de­run­gen für Pfle­ge­kräf­te. Ma­ri­an­ne Mi­gu­ra, die den Kurs lei­tet, ver­weist auf den ho­hen Pra­xi­s­an­teil der Aus

bil­dung mit an­schlie­ßend ho­her Ver­mitt­lungs­quo­te, bei­spiels­wei­se in ei­ner Pfle­ge­ein­rich­tung, ei­ner Be­hin­der­ten­ein­rich­tung oder in ei­nen Am­bu­lan­ten Pfle­ge­dienst. „Ide­al für Quer­ein­stei­ger“, sagt sie.

Da­zu zählt auch Mar­cia Staats. Die ge­bür­ti­ge Lee­ra­ne­rin hat über vie­le Um­we­ge den Weg in die Pfle­ge­as­sis­tenz ge­fun­den. „Ich woll­te nie ar­beits­los sein“, sagt die 39-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Sie hat Bau­zeich­ne­rin ge­lernt, war zwi­schen­zeit­lich im So­zia­len Kauf­haus der Kol­ping­werk­stät­ten tä­tig und hat So­zi­al­päd­ago­gik stu­diert. Die Toch­ter ei­nes Gha­na­ers und ei­ner Deut­schen hat nach ei­ge­nem Be­kun­den aber auch am Fließ­band ge­ar­bei­tet, Toi­let­ten ge­schrubbt und als Spiel­hal­len­auf­sicht ge­ar­bei­tet.

Die ho­he Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ih­rer Groß­mut­ter ha­be ihr In­ter­es­se für den Pfle­ge­be­reich ge­weckt, sagt Staats. Seit Sep­tem­ber lässt sie sich bei A+W zur Pfle­ge­as­sis­ten­tin aus­bil­den. Der Kur­sus um­fasst elf Mo­na­te und ist in drei Mo­du­le un­ter­teilt. Fünf Mo­na­te wer­den grund­pfle­ge­ri­sche Tä­tig­kei­ten ge­lehrt, in je­weils drei­en geht es um Be­treu­ung und Be­schäf­ti­gung so­wie um de­le­gier­ba­re Be­hand­lungs­pfle­ge, al­so bei­spiels­wei­se dar­um, wie auf ärzt­li­che An­wei­sung In­su­lin in­ji­ziert wird. „Es geht al­so um mehr als nur zu ler­nen, wie man je­man­den wäscht oder aus dem Bett trans­fe­riert“, er­klärt Ma­ri­an­ne Mi­gu­ra.

Prak­ti­kum läuft par­al­lel

Die Kurs­lei­te­rin ver­weist über­dies auf ein par­al­lel lau­fen­des Prak­ti­kum, das sehr ver­mitt­lungs­ori­en­tiert und orts­nah an­ge­legt sei. Oft wür­den die Prak­ti­kan­ten von den je­wei­li­gen Ein­rich­tun­gen spä­ter auch über­nom­men.

Mar­cia Staats ist im Haus Vos­se­berg tä­tig, sie ist dort im Früh- und Spät­dienst ein­ge­setzt. „Es ge­fällt mir sehr gut“, sagt sie. Von den Be­woh­nern kom­me viel zu­rück – mal ein „Dan­ke“, mal ein Hän­de­druck. Staats kann sich sehr gut vor­stel­len, nach dem As­sis­ten­ten­kur­sus ei­ne Aus­bil­dung zur ex­ami­nier­ten Fach­kraft an­zu­stre­ben.

Da­für spie­len auch fi­nan­zi­el­le Aspek­te ei­ne Rol­le. Wie Mi­gu­ra er­klärt, kön­nen Pfle­ge­as­sis­ten­ten in Voll­zeit bis zu 1000 Eu­ro ver­die­nen. Klar ist: Sie müs­sen so­wohl psy­chisch als auch kör­per­lich be­last­bar sein. Klar ist auch: „Nicht je­der Mensch kann und soll­te in der Pfle­ge ar­bei­ten. Man muss es mö­gen“, be­tont Mi­gu­ra.

Die Schü­ler der As­sis­ten­ten­kur­se wer­den in der Re­gel vom Job­cen­ter der Agen­tur für Ar­beit ver­mit­telt. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen und Kon­takt: aw2000.de

Fo­to: gs

Aus dem Bett in den Stuhl: Mar­cia Staats (r.) übt den Trans­fer mit­hil­fe ih­rer Mit­schü­le­rin Bir­git Pe­ters.

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