Land­wir­te blo­ckie­ren Au­to­bah­nen in den Nie­der­lan­den

Ems­län­di­sche Land­wir­te de­mons­trie­ren mit Nie­der­län­dern

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Fo­to: Mat­thi­as En­gel­ken

Die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen be­gon­ne­nen Bauernprot­este ha­ben sich ges­tern grenz­über­schrei­tend fort­ge­setzt: An Pro­tes­ten in den Nie­der­lan­den nah­men mehr als 500 deut­sche

Land­wir­te teil, un­ter ih­nen vie­le Ems­län­der, die ih­re Be­rufs­kol­le­gen un­ter an­de­rem beim Blo­ckie­ren von Au­to­bahn­zu­fahr­ten un­ter­stütz­ten. So hat­ten ei­ni­ge von ih­nen den Auf­trag er­hal­ten, ge­mein­sam mit nie­der­län­di­schen Bau­ern das Au­to­bahn­kreuz an der A37 und der N34 zwi­schen Em­men und Coe­vor­den zu blo­ckie­ren. Ver­kehrs­teil­neh­mer, die da­durch in den Stau ge­rie­ten, äu­ßer­ten nach An­ga­ben von teil­neh­men­den Land­wir­ten viel­fach Ver­ständ­nis für die Ak­tio­nen. Die nie­der­län­di­schen Land­wir­te bo­ten den war­ten­den Au­to- und Last­wa­gen­fah­rern Ge­trän­ke und Snacks an.

Weit mehr als 500 Land­wir­te aus Deutsch­land ha­ben am Mitt­woch an den Bau­ern­pro­tes­ten in den Nie­der­lan­den teil­ge­nom­men. Mit von der Par­tie wa­ren auch vie­le Ems­län­der, die ih­re Be­rufs­kol­le­gen un­ter an­de­rem da­bei un­ter­stütz­ten, Au­to­bahn­zu­fahr­ten zu blo­ckie­ren.

Be­reits um 4.30 Uhr hat­ten sich Land­wir­te vom Hümm­ling in Be­we­gung ge­setzt. In Rhe­de über­quer­ten sie die Gren­ze, wie Mi­t­or­ga­ni­sa­tor Ste­fan Lü­ken aus Lo­rup mit­teil­te. Spä­ter ging es mit et­wa 60 Schlep­pern ge­mein­sam mit den nie­der­län­di­schen Mit­strei­tern Rich­tung Eems­ha­ven. Die Deut­schen wa­ren im Rah­men der Be­we­gung „Land schafft Ver­bin­dung – Wir bit­ten zu Tisch“un­ter­wegs, die Nie­der­län­der hat­ten sich vor Wo­chen zur „Far­mers De­fence Force“(FDF) zu­sam­men­ge­schlos­sen. Bei­de Be­we­gun­gen eint, dass sie aus der Ba­sis ent­stan­den sind und kei­nem Lob­by­ver­band an­ge­hö­ren.

Die Land­wir­te for­dern, mehr Ge­hör in der Po­li­tik zu fin­den, und wün­schen sich mehr Wert­schät­zung für ih­re Ar­beit. Von mög­li­chen ra­bia­ten Me­tho­den, die die Nie­der­län­der bei ih­ren Pro­tes­ten ge­le­gent­lich an­wen­den, woll­ten sich die deut­schen Land­wir­te ei­gent­lich dis­tan­zie­ren, nah­men aber aus So­li­da­ri­tät, nach­dem ein nie­der­län­di­sches Ge­richt der FDF ei­ne De­mons­tra­ti­on un­ter­sagt hat­te, un­ter De­mons­tra­ti­ons­schirm­herr­schaft des Bau­ge­wer­bes aus den Nie­der­lan­den an ei­ni­gen Blo­cka­den teil.

Be­wusst­sein schär­fen

Land­wir­te aus Ha­ren und Twist et­wa hat­ten den Auf­trag er­hal­ten, ge­mein­sam mit den hol­län­di­schen Kol­le­gen das Au­to­bahn­kreuz an der A37 und der N34 zwi­schen Em­men und Coe­vor­den zu blo­ckie­ren. „Für uns kom­plet­tes Neu­land, denn wir ha­ben uns bis­her auf Fahr­ten nach Bonn, Oldenburg und Ber­lin be­schränkt, im­mer mit Ge­neh­mi­gung“, sagt Jan Kath­mann. Der Ha­re­ner sieht ei­ne sol­che Blo­cka­de des­halb durch­aus skep­tisch: „Wir sor­gen für Frust bei ei­ni­gen Bür­gern.“

Al­ler­dings ist er auch über­zeugt, dass so das Be­wusst­sein der Men­schen für die Pro­ble­me der Land­wir­te ge­schärft wird. Be­geis­tert ist Kath­mann nach ei­ge­nen An­ga­ben um­so mehr von der Re­ak­ti­on vie­ler Men­schen, die auf­grund der Ver­kehrs­be­hin­de­rung in den Stau ge­rie­ten. „Vie­le ha­ben Ver­ständ­nis ge­zeigt“, er­zählt der 22-Jäh­ri­ge. Ein Grund da­für: Die hol­län­di­schen Land­wir­te hat­ten, wohl wis­send, dass Blo­cka­den ent­ste­hen könn­ten, vor­ge­sorgt, und bo­ten den war­ten­den Au­to- und Last­wa­gen­fah­rern Heiß­ge­trän­ke und Snacks an.

Zu­dem wa­ren die Ab­sper­run­gen so kon­stru­iert, dass Ab­fahr­ten nach ei­nem kur­zen Plausch mög­lich wa­ren und al­le Fahr­zeu­ge über die Land­stra­ßen ih­re Fahr­ten fort­set­zen konn­ten, wie der Ems­län­der er­läu­tert.

„Vie­le Men­schen ka­men so mit uns ins Ge­spräch“, meint auch Ru­di Schlan­gen. Der Wes­ter­lo­her hat­te eben­falls an der Pro­test­ak­ti­on teil­ge­nom­men und zeig­te sich im An­schluss zu­frie­den mit dem Ver­lauf. Vor al­lem die Viel­zahl an Teil­neh­mern aus Deutsch­land hät­te ihn über­zeugt, wei­ter­hin Ak­tio­nen in der Be­we­gung „Land schafft Ver­bin­dung“in Deutsch­land zu pla­nen. „Die Men­schen nut­zen sol­che Ak­tio­nen, um mit uns zu spre­chen, wir kön­nen so auf un­se­re Sor­gen und Nö­te auf­merk­sam ma­chen.“Da­von ist auch Stephanie Frent­jen über­zeugt.

Die Graf­schaf­te­rin war mit ih­rem Tre­cker nach de Lut­ten di­rekt hin­ter die deutsch-nie­der­län­di­sche Gren­ze na­he Gil­de­haus ge­fah­ren und hat­te dort den Auf­trag er­hal­ten, ge­mein­sam mit vie­len Be­rufs­kol­le­gen die A1 in Hol­land zu blo­ckie­ren. „Wir wa­ren an­fangs skep­tisch, ob das gut ge­hen wür­de, doch als wir die ers­ten Re­ak­tio­nen der Leu­te er­leb­ten, wa­ren wir doch gu­ten Mu­tes, zu­min­dest zeit­wei­se die Blo­cka­de wei­ter­zu­füh­ren“, er­zählt sie.

Der­weil hat­ten vie­le Land­wir­te im Ems­land kur­zer­hand auch noch klei­ne­re Ak­tio­nen in vie­len Or­ten im Ems­land durch­ge­führt, hat­ten sich an viel fre­quen­tier­ten Ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten mit ih­ren Tre­ckern po­si­tio­niert und auch so für Auf­se­hen ge­sorgt, oh­ne da­bei Ver­brau­cher zu blo­ckie­ren. „Wir wol­len un­se­re Dia­log­be­reit­schaft un­ter Be­weis stel­len und un­se­re For­de­run­gen den Men­schen er­läu­tern“, er­klärt Mat­thi­as Ever­ing­hoff, Spre­cher der hie­si­gen Grup­pe „Land schafft Ver­bin­dung“.

Fo­to: En­gel­ken

Trak­tor­ko­lon­nen er­streck­ten sich ent­lang der Au­to­bahn: Rund 500 Land­wir­te aus Deutsch­land wa­ren am Mitt­woch mor­gen in die Nie­der­lan­de ge­reist und hat­ten sich an der Pro­test­ak­ti­on be­tei­ligt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.