Sü­ße Köst­lich­kei­ten und et­was Li­te­ra­tur

Au­to­rin liest aus „Brat­ap­fel am Meer“und ver­gnügt die Gau­men der Zu­hö­rer

Meppener Tagespost - - HASELÜNNE / SAMTGEMEIN­DE HERZLAKE - Von Da­ni­el Lös­ker

Ein Mann er­scheint, er ist spät dran. Gleich wird An­ne Barns le­sen. Er ist nicht al­lein ge­kom­men; sei­ne weib­li­che Be­glei­tung schiebt ihn freund­lich, aber be­stimmt zu ei­nem Stuhl in den vor­ders­ten Rei­hen. Da ist ge­ra­de noch Platz in der gut ge­füll­ten Ka­tho­li­schen Öf­fent­li­chen Bü­che­rei (KÖB) Ha­se­lün­ne. Die Män­ner­quo­te steigt um 100 Pro­zent.

An­ne Barns über­rascht dies nicht. Im Ge­gen­teil. Sie freut sich dar­über, dass im­mer­hin zwei Ver­tre­ter des männ­li­chen Ge­schlechts an­we­send sind. Nor­ma­ler­wei­se, sagt sie, ver­irrt sich in ih­re Le­sun­gen even­tu­ell mal ei­ner, der zu Hau­se nicht recht­zei­tig ei­ne Aus­re­de fin­den konn­te.

Kost­pro­ben

Als Barns be­ginnt… Oder soll man bes­ser sa­gen, Andrea Rus­so? Denn dies ist ihr ei­gent­li­cher Na­me und Barns nur ei­nes von meh­re­ren Pseud­ony­men. Al­so: Als die Schrift­stel­le­rin, die Andrea Rus­so heißt, aber als An­ne Barns schreibt, be­ginnt, ist die Er­war­tung groß. Weiß man doch, dass sie in ih­ren Bü­chern im­mer auch Re­zep­te ver­steckt und selbst ge­ba­cke­ne Kost­pro­ben dar­aus an ih­re Zu­hö­re­rin­nen und selbst­re­dend auch an die Zu­hö­rer ver­teilt. Kei­ner wird ent­täuscht. Mit ei­nem le­cke­ren Bon­bon geht’s los.

Zu die­sem Zeit­punkt hat noch nie­mand auch nur ein Wort aus dem Buch ver­nom­men. Barns, die mit ih­rer Toch­ter an­ge­reist ist, wel­che auch gleich als Köst­lich­kei­ten-Her­an­brin­ge­rin fun­gie­ren muss, er­zählt lie­ber erst ein­mal von der be­schwer­li­chen Fahrt, dem Stau auf der Au­to­bahn oder auch da­von, dass sie Hun­ger hät­te, weil ja nun kei­ne Zeit mehr ge­we­sen sei, et­was zu es­sen.

Und dann be­rich­tet die sym­pa­thi­sche Hes­sin da­von, was es heißt, Schrift­stel­le­rin zu sein, da­von le­ben zu wol­len und zu müs­sen. Sie hat es ge­schafft. Mit den „… am Meer“-Ro­ma­nen kam der Er­folg. Sie häng­te den Lehr­er­be­ruf an den Na­gel und stürz­te sich nun aus­schließ­lich auf das Ver­fas­sen von Ro­ma­nen und Ge­schich­ten. Dies sei auch der Grund für gleich meh­re­re Pseud­ony­me. Die Ver­la­ge wür­den ma­xi­mal ein Buch pro Jahr ver­le­gen. Da­von kön­ne sie aber nicht über­win­tern. Al­so schreibt sie als An­ne Barns, Clai­re Bo­na­my oder An­ne Töp­fer; Kin­der­bü­cher dann auch un­ter dem bür­ger­li­chen Na­men.

„Brat­ap­fel am Meer“ist ihr jüngs­ter Best­sel­ler. Es geht, wie wohl im­mer, um Frau­en und de­ren Be­zie­hun­gen zu – wie könn­te es an­ders sein – un­treu­en Män­nern. Die bes­te

Freun­din ist so selbst­ver­ständ­lich da­bei wie ein jun­ger, gut aus­se­hen­der Ver­tre­ter mit trau­ri­ger Ver­gan­gen­heit. Sei­ne Wun­den kann na­tür­lich nur die Prot­ago­nis­tin, ei­ne Kran­ken­schwes­ter mit über­pro­por­tio­nier­tem Hel­fer­syn­drom, hei­len. Da­zu geht es – noch ein Schuss Ro­man­tik mehr muss schon sein – auf ei­ne Nord­see­insel. Dies­mal ist es Juist.

Ein­fach auf­ge­baut

Barns er­zählt zu­meist in Haupt­sät­zen. Sim­pel auf­ge­bau­te Dia­lo­ge bil­den das Grund­ge­rüst. De­tail­lier­te Per­so­nen- oder Land­schafts­be­schrei­bun­gen sind ih­re Sa­che nicht. Das ist ein biss­chen scha­de. Denn so ist bei­spiels­wei­se die al­te Frau, wel­che zu Be­ginn des Ro­mans die Prot­ago­nis­tin auf die Rei­se schickt, „frü­her mal ei­ne schö­ne Frau ge­we­sen und ist es im­mer noch“. Das muss wohl rei­chen, zu­min­dest bei Barns.

Den­noch hört man ger­ne zu; hofft dar­auf, dass bald wie­der ei­ne Stel­le kommt, wo von Back­wa­ren die Re­de ist, und wird denn auch so­gleich mit Va­nil­le­kip­ferln be­lohnt. Nun strahlt auch der Mann, der an­fangs von sei­ner Frau zu sei­nem Glück ge­zwun­gen wer­den muss­te. Sü­ße Köst­lich­kei­ten sind eben im­mer will­kom­men. An­ne Barns sei Dank.

Fo­to: Da­ni­el Lös­ker

An­ne Barns ali­as Andrea Rus­so Ro­man „Brat­ap­fel am Meer“. liest ver­gnüg­lich aus ih­rem

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