Maut­be­trei­ber wol­len 560 Mil­lio­nen Eu­ro

Bund droht teu­rer Rechts­streit mit Be­trei­bern / Scheu­er weist For­de­rung zu­rück

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Der FDP-Ver­kehrs­po­li­ti­ker Oli­ver Luk­sic hat die For­de­rung von 560 Mil­lio­nen Eu­ro der ge­kün­dig­ten Maut­be­trei­ber als „K.-o.-Schlag“für Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) be­zeich­net. Die Grü­nen er­neu­er­ten ih­re For­de­rung nach ei­nem Rück­tritt Scheu­ers.

We­gen der ge­schei­ter­ten Pkw-Maut droht dem Bund ein Rechts­streit um mehr als ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Eu­ro. Sechs Mo­na­te nach dem Stopp des CSU-Pres­ti­ge­pro­jekts vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) be­zif­fer­ten die ge­kün­dig­ten Maut-Be­trei­ber ih­re For­de­run­gen an den Bund auf 560 Mil­lio­nen Eu­ro. Die An­sprü­che soll­ten in meh­re­ren Schrit­ten gel­tend ge­macht wer­den, teil­ten die Un­ter­neh­men Kapsch und CTS Even­tim ges­tern mit. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) wies die For­de­run­gen er­neut ent­schie­den zu­rück. Da­mit wird ein Schieds­ver­fah­ren wahr­schein­lich, das meh­re­re Jah­re dau­ern könn­te.

Wie Kapsch mit­teil­te, sind bei­de Fir­men über­zeugt, dass ih­re für die Maut ge­grün­de­te Ge­mein­schafts­fir­ma Au­to­ti­cket für den vor­lie­gen­den Fall der Ver­trags­be­en­di­gung An­spruch auf ent­gan­ge­nen Ge­winn über die Ver­trags­lauf­zeit ha­be – vor­ge­se­hen wa­ren zwölf Jah­re. Wei­ter­hin se­he der Be­trei­ber­ver­trag ei­nen Aus­gleich von „Be­en­di­gungs­kos­ten“vor, zu de­nen auch Scha­den­er­satz­an­sprü­che von Un­ter­auf­trag­neh­mern ge­hör­ten.

Scheu­er sag­te, die For­de­run­gen der Be­trei­ber wür­den „mit al­ler Ent­schie­den­heit“zu­rück­ge­wie­sen. „Die Zah­len sind falsch und ent­beh­ren jeg­li­cher Grund­la­ge.“Er be­kräf­tig­te: „Die Be­trei­ber ha­ben kei­nen An­spruch auf Ent­schä­di­gung.“Sie hät­ten ver­trag­li­che Leis­tun­gen nicht er­füllt und nach der Kün­di­gung die Ver­trä­ge vor­sätz­lich und treu­wid­rig ver­letzt. Die­se sei­en da­her aus meh­re­ren trif­ti­gen Grün­den ge­kün­digt wor­den. In die­sem Fall sei die Ver­trags­la­ge „zu­guns­ten des Bun­des“. Er ha­be be­reits den Pro­zess für ein Schieds­ver­fah­ren ge­star­tet und die Fir­men zu Ge­sprä­chen auf­ge­for­dert.

Von der Op­po­si­ti­on kam mas­si­ve Kri­tik. Der FDP-Ver­kehrs­po­li­ti­ker Oli­ver Luk­sic be­zeich­ne­te die For­de­run­gen als „K.-o.-Schlag“für Scheu­er.

Er müs­se sich den For­de­run­gen jetzt stel­len, die Zeit der „Ablen­kungs­ma­nö­ver“sei vor­bei. Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Oli­ver Kri­scher sag­te, der Be­trag sei auf Grund­la­ge der Ver­trä­ge zu er­war­ten ge­we­sen. „Die Rech­nung geht auf Mi­nis­ter Scheu­er, weil er be­wusst und fahr­läs­sig die­se schlech­ten Ver­trags­kon­di­tio­nen zu­las­ten des Steu­er­zah­lers ein­ge­gan­gen ist.“

Der Lin­ke-Ab­ge­ord­ne­te Vic­tor Per­li sag­te: „Die For­de­run­gen be­stä­ti­gen die schlimms­ten Be­fürch­tun­gen.“Die­ser „Wahn­sinn“sei nur mög­lich, weil die Be­trei­ber sich auf Ge­winn­ga­ran­ti­en in den Ver­trä­gen be­ru­fen und auf ein in­trans­pa­ren­tes, pri­va­tes Schieds­ge­richt set­zen könn­ten.

Scheu­er steht un­ter Druck, weil der Bund die

Ver­trä­ge zur Er­he­bung und Kon­trol­le der Maut mit Kapsch und CTS Even­tim 2018 ge­schlos­sen hat­te – be­vor end­gül­ti­ge Rechts­si­cher­heit be­stand. Die Op­po­si­ti­on wirft ihm vor, Ver­trä­ge vor­ei­lig ab­ge­schlos­sen, Haus­halts­und Ver­ga­be­recht ge­bro­chen und Re­ge­lun­gen zum Scha­den­er­satz zu­las­ten des Steu­er­zah­lers ver­ein­bart zu ha­ben.

Zum wei­te­ren Vor­ge­hen er­klär­ten Kapsch und Even­tim, zu­nächst sol­le nun ein un­ab­hän­gi­ger „Stich­tags­prü­fer“die Er­mitt­lung des ent­gan­ge­nen Ge­winns über­prü­fen. Zur Klä­rung der An­sprü­che sei dann ein Ver­hand­lungs­ver­fah­ren mit dem Bund vor­ge­se­hen. Soll­te es schei­tern, sei für ei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung ein Schieds­ver­fah­ren vor­ge­se­hen.

Fo­to: dpa/Jens Bütt­ner

Ge­schei­tert: Die Pkw-Maut wur­de vom Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ge­kippt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.