Ge­klau­te Ju­we­len: An­ony­me Of­fer­te

Kunst­mä­zen bie­tet Be­loh­nung

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Ein Pri­vat­de­tek­tiv sorgt nach dem Ein­bruch in Dres­dens Schatz­kam­mer Grü­nes Ge­wöl­be mit ei­nem un­ge­wöhn­li­chen An­ge­bot für Auf­se­hen. Ein an­ony­mer Mä­zen wol­le 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro für die ge­stoh­le­nen Ju­we­len zah­len, sagt der Pri­vat­de­tek­tiv.

Drei­ein­halb Wo­chen nach dem Ein­bruch in Dres­dens Schatz­kam­mer sorgt ein Pri­vat­de­tek­tiv aus Bad Schwartau für Ge­sprächs­stoff. Jo­sef Resch gab an, ein an­ony­mer Kunst­mä­zen wol­le den Tä­tern 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro zah­len, wenn sie die Beu­te aus dem Grü­nen Ge­wöl­be her­aus­gä­ben. Sein An­ge­bot ver­öf­fent­lich­te er un­ter an­de­rem in ei­nem Youtu­be-Vi­deo, in dem er ei­ne ho­he Bar­geld­sum­me auf ei­nem Schreib­tisch prä­sen­tiert.

Resch ha­be be­reits zwei Re­ak­tio­nen be­kom­men. „Aber das war dum­mes Zeug“, sagt er. Er war­tet wei­ter auf Hin­wei­se. Ak­ti­ve Er­mitt­lun­gen be­trei­be er aber nicht, sagt Resch. Dem an­ony­men Geld­ge­ber ge­he es aus­schließ­lich dar­um, ei­ne Zer­stö­rung der Beu­te zu ver­hin­dern und die Schmuck­stü­cke wie­der an ih­ren an­ge­stamm­ten Platz zu be­kom­men, hieß es.

Im Fal­le ei­nes Er­fol­ges wol­le der Mä­zen sei­ne Iden­ti­tät preis­ge­ben. Er wol­le bis da­hin an­onym blei­ben, da er Si­cher­heits­be­den­ken ha­be. Das Geld lie­ge der­zeit auf der Bank. „Da die Fir­ma Wif­ka als ein­zi­ge Platt­form in Eu­ro­pa so un­ge­wöhn­li­che Auf­trä­ge ent­ge­gen­nimmt, kam er zu mir“, er­klärt Resch in dem Vi­deo. Wif­ka heißt die Pri­vat­de­tek­tei, die Jo­sef Resch in Bad Schwartau be­treibt. Un­klar ist, wie se­ri­ös die Of­fer­te ist. Al­ler­dings ist Resch als Pri­vat­de­tek­tiv kein Un­be­kann­ter. Er ver­öf­fent­lich­te 2016 das Buch „Ge­fahr ist mein Be­ruf “, in dem er sei­ne Er­fah­run­gen als Pri­va­ter­mitt­ler „für al­le Ka­li­ber“auf­ge­schrie­ben ha­be.

Resch sagt über sich selbst, er ha­be 40 Jah­re Be­rufs­er­fah­rung und grei­fe bei sei­nen Re­cher­chen auch auf freie Mit­ar­bei­ter zu­rück. In Er­schei­nung ge­tre­ten ist Resch un­ter an­de­rem auch bei der Su­che nach dem Hed­ge­fonds­ma­na­ger Flo­ri­an

Homm, der nach Mil­lio­nen­ver­lus­ten sei­ner An­le­ger un­ter­ge­taucht war. Resch such­te 2012 mit ei­nem ähn­li­chen Vi­deo nach Homm, al­ler­dings noch mit ver­pi­xel­tem Ge­sicht. 2014 such­te er nach den Hin­ter­grün­den des Ab­stur­zes des Flu­ges MH17 der Ma­lay­sia Air­lines über der Ost­ukrai­ne. Da­mals sol­len un­be­kann­te Auf­trag­ge­ber 30 Mil­lio­nen Eu­ro aus­ge­lobt ha­ben.

Nach An­ga­ben des Dresd­ner Ober­staats­an­wal­tes Jür­gen Schmidt sind sol­che pri­va­ten Aus­lo­bun­gen ge­ne­rell nicht un­zu­läs­sig. Das An­ge­bot be­ein­träch­ti­ge die Er­mitt­lun­gen nicht, sag­te er auf An­fra­ge.

Zwei un­be­kann­te Tä­ter wa­ren am 25. No­vem­ber im Schutz der Dun­kel­heit über ei­nes der ver­git­ter­ten Fens­ter in das Grü­ne Ge­wöl­be ein­ge­drun­gen und hat­ten dann mit ei­ner Axt ei­ne Vi­tri­ne im Ju­we­lenzim­mer ein­ge­schla­gen. Nach kur­zer Zeit konn­ten sie mit Dia­man­ten und Bril­lan­ten von un­schätz­ba­rem Wert flüch­ten. Bis­her gibt es of­fen­bar noch kei­ne hei­ße Spur. Die Po­li­zei hat ei­ne Be­loh­nung von ei­ner hal­ben Mil­li­on Eu­ro aus­ge­setzt.

Nach An­ga­ben von Ex­per­ten las­sen sich Schmuck­stü­cke mit ei­nem solch ho­hen Be­kannt­heits­grad nicht auf dem Kunst­markt ver­äu­ßern. Das gilt auch für ein­zel­ne St­ei­ne. Denn die Ju­we­len aus dem 18. Jahr­hun­dert sind in ei­ner Wei­se ge­schlif­fen, wie das heu­te nicht mehr üb­lich ist.

Man­che glau­ben, dass es für den ge­ziel­ten Dieb­stahl ein­zel­ner Stü­cke ei­nen Auf­trag­ge­ber ge­ge­ben ha­be. Wenn die St­ei­ne her­aus­ge­bro­chen wur­den, aber mit den Fas­sun­gen zu­sam­men ab­ge­ge­ben wer­den, sei der Mä­zen trotz­dem be­reit zu zah­len, be­teu­ert Resch. Es ge­he dem Mä­zen dar­um, den un­schätz­ba­ren Kunst­wert wie­der nach Dres­den zu brin­gen.

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