Ma­thi­as Mog­ge

Sän­ger teilt in Ber­lin zum 25. Mal Gän­se­keu­le an Ob­dach­lo­se aus / Pro­mi­nen­te und Po­li­ti­ker hel­fen mit

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Co­rin­na Schwan­hold

Mog­ge, Ge­ne­ral­se­kre­tär der Welt­hun­ger­hil­fe. Im In­ter­view mit un­se­rer Zei­tung ver­weist auch er auf die be­son­de­re Spen­den­be­reit­schaft äl­te­rer Men­schen. „Die Ge­ne­ra­ti­on, die viel­leicht noch den Krieg mit­er­lebt und selbst Ent­beh­run­gen er­lit­ten hat, ist of­fen­bar so­li­da­ri­scher als die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen.“

Und nun? Mog­ge for­dert: „Wir müs­sen We­ge fin­den, auch jün­ge­re Men­schen an­zu­spre­chen, da­mit wir den Fa­mi­li­en in den Län­dern des Sü­dens ei­ne Per­spek­ti­ve ge­ben kön­nen.“

Max Mäl­zer vom deut­schen Spen­den­rat gibt al­ler­dings zu be­den­ken: „Dass es deut­lich we­ni­ger jun­ge als äl­te­re Spen­der gibt, war schon im­mer so. Jun­ge Leu­te ha­ben ein­fach we­ni­ger fi­nan­zi­el­len Spiel­raum, wenn sie et­wa gera­de ei­ne Fa­mi­lie ge­grün­det und ein Haus ge­kauft ha­ben.“Mit der Si­tua­ti­on am Ar­beits­platz hat das laut Mäl­zer we­ni­ger zu tun. „Denn es war sel­ten so ein­fach, ei­nen Job zu fin­den, wie heu­te. In­so­fern bin ich op­ti­mis­tisch, wenn ich an künf­ti­ge Spen­der den­ke.“

Wenn der Sän­ger und En­ter­tai­ner Frank Zan­der in Ber­lin zur Weih­nachts­fei­er lädt, las­sen sich sei­ne Gäs­te nicht lan­ge bit­ten. 3000 Men­schen ste­hen in ei­ner lan­gen Schlan­ge vor der Tür, man­che kom­men im Roll­stuhl oder mit Rol­la­tor. Bei vie­len ver­ra­ten die Ge­sich­ter, dass ihr Le­ben al­les an­de­re als ein­fach ist. Zan­ders Fest für Ob­dach­lo­se und Be­dürf­ti­ge hat in der Haupt­stadt längst Tra­di­ti­on – seit ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert gibt es die Ver­an­stal­tung jetzt.

En­gel ste­hen an der Tür Spa­lier, Weih­nachts­män­ner säu­men den Weg. Doch Schla­ger­star Zan­der („Der Ur-UrEn­kel von Fran­ken­stein“, „Ich trink auf dein Wohl, Ma­rie“) ist für vie­le Gäs­te ein Fix­punkt. Er schüt­telt je­dem die Hand. Es geht ihm um Re­spekt, Wür­de – und ei­nen Nach­mit­tag, an dem al­les an­ders ist.

Für Men­schen, die sonst kaum über die Run­den kom­men, bie­gen sich die Ti­sche un­ter der Last der Ge­schen­ke. Sie kön­nen sich vor­her kos­ten­los die Haa­re schnei­den las­sen. Schließ­lich sind die Ho­tel­ti­sche fest­lich ein­ge­deckt – für ein Weih­nachts­es­sen mit Gän­se­keu­le, Rot­kohl und Klö­ßen.

Ei­ne St­un­de ge­war­tet

„Oh­ne Frank Zan­der gä­be es heu­te noch kein Weih­nachts­fest, ein an­de­rer wür­de kei­nen Fin­ger krumm ma­chen“, ist ein 58-jäh­ri­ger Gast über­zeugt. Ei­ne St­un­de hat er an­ge­stan­den, um für das Ju­bi­lä­ums­fest ei­nes der be­gehr­ten Ein­lass­bänd­chen zu be­kom­men, das so­zia­le Ein­rich­tun­gen beim Nach­weis von Be­dürf­tig­keit ab­ge­ben. Für vie­le Gäs­te ist es das Fest des Jah­res – manch­mal das ein­zi­ge.

Ei­ne 44 Jah­re al­te Hartz-IVEmp­fän­ge­rin ist schon zum drit­ten Mal da­bei. „Man wird hier über­haupt nicht be­han­delt wie je­mand, der von un­ten kommt“, sagt sie. Ge­schen­ke sei­en ihr selbst nicht so wichtig. Sie nimmt lie­ber Fut­ter für ih­re Kat­ze mit. „Es ist wie Weih­nach­ten hier, weil man sonst al­lei­ne ist.“Sie freut sich auf die Büh­nen­show. „Die Kar­ten könn­te man sich ja sonst nie leis­ten.“Es singt un­ter an­de­ren Rein­hard Mey – und na­tür­lich der Gast­ge­ber selbst.

An ei­nem Ge­schenk­tisch ver­teilt ei­ne Frau aus dem Erz­ge­bir­ge So­cken, Müt­zen und Ja­cken, die Men­schen aus ganz Deutsch­land ex­tra für die­sen Tag ge­strickt ha­ben. Dann rei­hen sich Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (SPD), Ber­lins Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (SPD) so­wie die Po­li­ti­ker Gre­gor Gy­si (Lin­ke) und Re­na­te Kü­n­ast (Grü­ne) mit Schür­zen an der Durch­rei­che zur Kü­che ein.

Sie ser­vie­ren zu­sam­men mit an­de­ren Pro­mi­nen­ten wie Mo­de­ra­to­rin Car­men Ne­bel das Fest­mahl. Ei­ni­ge Gäs­te möch­ten nun Sel­fies mit Pro­mis. Der Mo­de­ra­tor spricht vom größ­ten Fa­mi­li­en­fest Eu­ro­pas.

Bot­schaft von Mer­kel

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat ei­ne Vi­deo­bot­schaft ge­schickt. Sie wür­digt die Zei­chen der Mit­mensch­lich­keit, durch die be­dürf­ti­ge Men­schen ih­ren grau­en All­tag ein we­nig ver­ges­sen könn­ten. Sol­che Initia­ti­ven mach­ten Weih­nach­ten zu dem Fest, das es sein sol­le: zu ei­nem Fest der Nächs­ten­lie­be.

Die Mer­kel-Bot­schaft stößt bei den Gäs­ten auf ein ge­teil­tes Echo – man­che bu­hen, man­che klat­schen. Am Don­ners­tag hat­te schon Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er Zan­ders En­ga­ge­ment in ei­nem per­sön­li­chen Brief ge­lobt.

Mög­lich macht das Ber­li­ner Fest ei­ne Viel­zahl von Spen­dern, dar­un­ter auch Fir­men und Su­per­märk­te. An Ge­schen­ken gibt es ne­ben Sü­ßem auch Kin­der­spiel­zeug, Hy­gie­ne­ar­ti­kel und Tier­fut­ter, da­zu wer­den Schlaf­sä­cke und war­me Ja­cken ver­teilt.

Für vie­le Gäs­te ist es ge­nau das, was sie brau­chen. „Zum Ju­bi­lä­um war die Spen­den­be­reit­schaft noch grö­ßer“, sag­te Mar­cus Zan­der, Sohn des Schla­ger­sän­gers, der das Fest je­des Jahr mit­hil­fe so­zia­ler Ein­rich­tun­gen or­ga­ni­siert. Was zu viel sei, be­kä­men die Ca­ri­tas und die Bahn­hofs­mis­si­on.

Fo­to: ima­go images/ Pho­to­press Mül­ler/dpa/Gre­gor Fi­scher

3000 Be­dürf­ti­ge sit­zen im Ber­li­ner Est­rel-Ho­tel an fest­lich ge­deck­ten Ti­schen und freu­en sich über Gän­se­keu­le mit Rot­kohl und Klö­ßen. Seit 25 Jah­ren or­ga­ni­siert Frank Zan­der (links, mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke) das Fest. Pro­mi­nen­te und Po­li­ti­ker ser­vie­ren: Rein­hard Mey mit Toch­ter Vic­to­ri­aLui­se (rechts), Ber­lins Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (un­ten rechts), Car­men Ne­bel (un­ten) und Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey.

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