Ach­ter­bahn­fahrt an der Bör­se?

Wel­che Ri­si­ken auf An­le­ger im nächs­ten Jahr zu­kom­men

Meppener Tagespost - - WIRTSCHAFT -

Nach dem star­ken Lauf an Eu­ro­pas Ak­ti­en­märk­ten 2019 ist die Luft für den Dax dün­ner ge­wor­den. Ei­ne Tal­fahrt wie 2018, als der Dax an­ge­sichts es­ka­lie­ren­der Span­nun­gen zwi­schen den USA und Chi­na in die Knie ging, hal­ten Ex­per­ten aber für un­wahr­schein­lich – trotz zahl­rei­cher Kon­junk­tur­ri­si­ken et­wa mit dem US-chi­ne­si­schen Han­dels­krieg und dem Br­ex­it. Die Mehr­heit sieht so­gar ab­neh­men­de Re­zes­si­ons­ri­si­ken. Zu­dem dürf­ten die No­ten­ban­ken im Zwei­fels­fall mit Bil­lig­geld pa­rat ste­hen, um der Wirt­schaft zu hel­fen. Im Jah­res­ver­lauf könn­ten aber Wol­ken über den Bör­sen auf­tau­chen: Ein gro­ßer Un­si­cher­heits­fak­tor ist die USPrä­si­dent­schafts­wahl.

Für den Dax pro­gnos­ti­zie­ren Ana­lys­ten erst ein­mal neue Höchst­stän­de. Mit­te De­zem­ber hat­te sich der Leit­in­dex bis auf we­ni­ger als 200 Punk­te an sein Re­kord­hoch von 13 596 Zäh­lern aus dem Ja­nu­ar 2018 her­an­ge­pirscht, be­vor ihn im ru­hi­gen vor­weih­nacht­li­chen Han­del ein we­nig die Kraft ver­ließ. Den Rück­set­zer nennt Ana­lyst Mar­tin Ut­schnei­der von der Pri­vat­bank Don­ner & Reu­schel ei­ne „ge­sun­de kurz­fris­ti­ge Kon­so­li­die­rung“. Der Auf­wärts­mo­dus blei­be un­be­rührt. Im Jah­res­ver­lauf hat der Dax schon sat­te 25 Pro­zent zu­ge­legt.

Den­noch rech­nen Ex­per­ten im Ver­gleich zum Bul­len­jahr 2020 mit eher ma­ge­ren Ge­win­nen. Ein Kurs­plus im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich hat kaum ei­ner auf dem Schirm. We­gen der vie­len

po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Un­si­cher­hei­ten könn­te es tur­bu­lent zu­ge­hen.

Denn die Haupt­ri­si­ken des al­ten Jah­res, der in­ter­na­tio­na­le Zoll­kon­flikt und der Br­ex­it, blei­ben. Der Teil­er­folg im US-chi­ne­si­schen Han­dels­streit und der kla­re Sieg der Kon­ser­va­ti­ven bei der bri­ti­schen Par­la­ments­wahl ha­ben die Sor­gen zwar ge­mil­dert. Die an­ste­hen­den Ver­hand­lun­gen dürf­ten aber

kom­pli­ziert wer­den. Und der Kampf um die glo­ba­le Vor­macht­stel­lung zwi­schen den USA und Chi­na bleibt be­ste­hen, wie Stra­te­ge Ta­lib Sheikh vom Ver­mö­gens­ver­wal­ter Ju­pi­ter er­klärt. Zu­dem geht der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Bo­ris John­son beim Br­ex­it ins Ri­si­ko. Er schließt ei­nen No-Deal-Aus­tritt am 31. Ja­nu­ar 2020 nicht aus. Und er will of­fen­bar ei­ne Ver­län­ge­rung der Über­gangs­pha­se

nach dem Br­ex­it aus­schlie­ßen.

Wei­te­re geo­po­li­ti­sche Un­wäg­bar­kei­ten ste­hen 2020 mit dem US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf an, der laut JPMor­gan Ver­brau­cher, Un­ter­neh­men und In­ves­to­ren in der welt­größ­ten Volks­wirt­schaft in die Pas­si­vi­tät zwin­gen könn­te. Ganz nach dem Mot­to: Erst ein­mal ab­war­ten, wer das Ren­nen im No­vem­ber macht.

In Deutsch­land wer­den über­dies vor­ge­zo­ge­ne Bun­des­tags­wah­len nicht aus­ge­schlos­sen, wäh­rend in Ita­li­en zwar nur Re­gio­nal­wah­len an­ste­hen – da­für aber gleich acht. Zu­dem gilt die eu­ro­pa­freund­li­che Ko­ali­ti­on in Rom als fra­gil.

Trotz der Ri­si­ken er­war­ten Volks­wir­te über­ein­stim­mend ei­ne Auf­hel­lung der Wirt­schafts­aus­sich­ten für die meis­ten In­dus­trie­län­der. Und soll­ten sich die Per­spek­ti­ven doch ein­trü­ben, dürf­ten die No­ten­ban­ken ak­tiv wer­den. So hält es der Chef­volks­wirt der VP Bank, Tho­mas Git­zel, für mög­lich, dass die US-No­ten­bank Fed der Wirt­schaft im neu­en Jahr mit Leit­zins­sen­kun­gen un­ter die Ar­me grei­fen muss. Zu­gleich hält die EZB an ih­rer ex­trem lo­cke­ren Geld­po­li­tik fest. Für Ak­ti­en­in­vest­ments sind dies trotz al­ler Ri­si­ken in Sum­me po­si­ti­ve Vor­aus­set­zun­gen.

Fo­to: dpa/Deut­sche Bör­se AG

Mit eher ma­ge­ren Ge­win­nen an der Bör­se rech­nen Ex­per­ten für 2020.

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