El­tern haf­ten nicht im­mer für Kin­der

Wann der Nach­wuchs für sei­ne Fehl­trit­te zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den kann

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von An­net­te Jä­ger

Un­ter sie­ben Jah­ren sind Kin­der nicht de­likt­fä­hig und da­mit auch nicht haft­bar zu ma­chen. Auch die El­tern haf­ten nicht. Ein Zwölf­jäh­ri­ger kann aber durch­aus mit Scha­den­er­satz­for­de­run­gen kon­fron­tiert wer­den.

Lan­ge be­vor der Nach­wuchs 18 wird, sind Rechts­fra­gen re­le­vant: Aus­geh­zei­ten, Haf­tungs­fra­gen, Mit­spra­che­rech­te, Rei­se­be­stim­mun­gen – da­zu gibt es kla­re Re­ge­lun­gen. Nicht al­le El­tern ken­nen sie. Was Kin­der ab wann dür­fen – und müs­sen.

Haf­tung: „El­tern haf­ten für ih­re Kin­der“– die­ses Warn­schild „ist Blöd­sinn“, sagt Im­ke Schwerdtfe­ger, Fach­an­wäl­tin für Fa­mi­li­en­recht in Es­sen. El­tern haf­ten nicht zwangs­läu­fig für ih­re Kin­der. Un­ter sie­ben Jah­ren – im flie­ßen­den Stra­ßen­ver­kehr so­gar bis zu ei­nem Al­ter von zehn Jah­ren – sind Kin­der nicht de­likt­fä­hig und da­mit auch nicht haft­bar zu ma­chen. Auch die El­tern haf­ten nicht. „Au­ßer, sie ha­ben ih­re Auf­sichts­pflicht ver­letzt“, sagt Schwerdtfe­ger.

Auf­sichts­pflicht: Die Auf­sichts­pflicht zu er­fül­len heißt nicht, Kin­der rund um die Uhr zu über­wa­chen. „Je nach Ver­stan­des­rei­fe dür­fen die El­tern dem Kind zu­trau­en, al­lei­ne zu Hau­se zu blei­ben, drau­ßen zu spie­len, zu rei­sen oder abends spät nach Hau­se zu kom­men“, sagt Schwerdtfe­ger. El­tern be­we­gen sich auf dem schma­len Grat zwi­schen Be­auf­sich­ti­gung, Für­sor­ge und Er­zie­hung zur Selbst­stän­dig­keit. Soll­te das Kind ei­nen Scha­den an­rich­ten oder soll­te ihm et­was zu­sto­ßen, müs­sen El­tern sich je­doch er­klä­ren kön­nen. Wer sein Kind ein­deu­tig über­for­dert oder ihm zu viel zu­mu­tet für sein Al­ter, kann im Ernst­fall so­gar das Sor­ge­recht ver­lie­ren. „Das Ju­gend­amt kann ei­ne Kin­des­wohl­ge­fähr­dung über­prü­fen“, sagt Schwerdtfe­ger.

Kin­der haf­ten: Ab ei­nem Al­ter von sie­ben Jah­ren kön­nen

Kin­der für Schä­den haft­bar ge­macht wer­den. „Vor­aus­ge­setzt sie hat­ten die Er­kennt­nis­fä­hig­keit, dass ihr Han­deln nicht er­laubt ist und Schä­den ver­ur­sacht“, sagt Schwerdtfe­ger.

Ein Zwölf­jäh­ri­ger kann durch­aus für Van­da­lis­mus haft­bar ge­macht und mit Scha­den­er­satz­for­de­run­gen kon­fron­tiert wer­den. „30 Jah­re lang kann der Ge­schä­dig­te die Sum­me ein­for­dern, wenn sie ti­tu­liert ist, al­so ge­richt­lich fest­ge­stellt wur­de. Die El­tern sind nicht ge­zwun­gen zu be­zah­len.“

Aus­ge­hen: Im pri­va­ten Raum ent­schei­den die El­tern, was der Nach­wuchs darf und was nicht. Im öf­fent­li­chen Raum re­gelt das Ju­gend­schutz­ge­setz, ab wann Ju­gend­li­che Al­ko­hol und Ta­bak­wa­ren kon­su­mie­ren und wie lan­ge sie sich in Dis­ko­the­ken auf­hal­ten dür­fen. Dem­nach dür­fen sie ab 16 Jah­ren in Gast­stät­ten Wein und Bier kon­su­mie­ren. Rau­chen ist erst ab 18 Jah­ren er­laubt. Gast­stät­ten oder Tanz­ver­an­stal­tun­gen dür­fen sie un­ter 16 Jah­ren in der Re­gel nicht oh­ne Be­glei­tung be­su­chen.

Rei­se­voll­macht: Rei­sen die Kin­der mit nur ei­nem El­tern­teil oder mit Freun­den, ist es in ei­ni­gen Län­dern Pflicht, bei der Ein­rei­se ei­ne Rei­se­voll­macht vor­zu­le­gen. Aus der muss her­vor­ge­hen, dass die El­tern – oder der nicht mit­rei­sen­de El­tern­teil – mit der Rei­se ein­ver­stan­den sind. „Man­che Flug­ge­sell­schaf­ten ver­lan­gen in­zwi­schen auch auf eu­ro­päi­schen Flü­gen ob­li­ga­to­risch ei­ne Rei­se­voll­macht, wenn Kin­der mit nur ei­nem El­tern­teil ver­rei­sen“, sagt Schwerdtfe­ger. Vor al­lem auf Rei­sen in die USA soll­te man ei­ne sol­che Voll­macht mit sich füh­ren. Vor­dru­cke sind im In­ter­net zu fin­den.

Sor­ge­recht: Wenn El­tern sich tren­nen, ent­brennt oft ein Streit dar­über, bei wem die Kin­der woh­nen. Das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht ist ein wich­ti­ger Teil des Sor­ge­rechts. Vie­le glau­ben, dass Kin­der ab 14 Jah­ren ent­schei­den dür­fen, bei wem sie woh­nen. „Das steht so nicht im Ge­setz“, sagt die Fach­an­wäl­tin. Viel­mehr wer­den auch die Wün­sche jün­ge­rer Kin­der in die Ent­schei­dung des Fa­mi­li­en­rich­ters ein­be­zo­gen. „Wel­che Be­deu­tung ih­nen zu­kommt, hängt vom Rei­fe­grad des Kin­des ab.“

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Das Warn­schild „El­tern haf­ten für ih­re Kin­der“ist laut Fach­an­wäl­tin Schwerdtfe­ger „Blöd­sinn“. Fo­to: imago images/ Jörg Schü­ler

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