Nicht zum Woh­le ih­rer Bür­ger

Meppener Tagespost - - DIALOG -

Zum In­ter­view mit Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn „Die Grü­nen sind un­ser Geg­ner“(Aus­ga­be vom 12. De­zem­ber).

„Herr Ha­beck und sein Nach­fol­ger Herr Al­brecht for­dern für Wind­ener­gie­an­la­gen in Schles­wig-Hol­stein kei­ne 1000 Me­ter Ab­stand zu al­len Sied­lun­gen! Herr Spahn soll­te sich mal die Mü­he ma­chen, in die Un­ter­la­gen der Lan­des­pla­nung zu schau­en! [...]

Dem­nach sind zu Ein­zel­häu­sern und Split­ter­sied­lun­gen 400 Me­ter und zu in der Bau­leit­pla­nung de­fi­nier­ten Sied­lungs­be­rei­chen 800 Me­ter Ab­stand an­ge­setzt. Nur bei neu­en und noch nicht be­bau­ten Wind­ener­gie­flä­chen wer­den 1000 Me­ter zu Sied­lungs­be­rei­chen an­ge­setzt. Wei­ter­hin müs­sen die Wind­ener­gie­an­la­gen die drei­fa­che Ge­samt­hö­he Ab­stand zu Ein­zel­häu­sern und Split­ter­sied­lun­gen be­zie­hungs­wei­se die fünf­fa­che Ge­samt­hö­he Ab­stand zu Sied­lungs­be­rei­chen ein­hal­ten.

Es kann bei gro­ßen An­la­gen al­so auch ein grö­ße­rer Ab­stand er­for­der­lich sein! Und das ist ei­ne ab­so­lut sinn­vol­le Lö­sung, die durch Be­trach­tung des Ein­zel­falls den Schutz der An­woh­ner mit dem er­for­der­li­chen Aus­bau der Wind­ener­gie­nut­zung ver­ei­nen kann. Der von der CDU an­ge­streb­te pau­scha­le An­satz von 1000 Me­tern zu je­der Klein­sied­lung da­ge­gen wird der Pro­ble­ma­tik nicht ge­recht!“

Bir­te Sei­del Osnabrück

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn.

„Die in dem In­ter­view von Bun­des­mi­nis­ter Jens Spahn so ge­lob­te Neu­re­ge­lung der Kran­ken­kas­sen­ab­ga­ben auf Be­triebs­ren­ten mit ei­ner mi­ni­ma­len Ent­las­tung (Frei­be­trag 150 Eu­ro) ist nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein. Ins­be­son­de­re sei­ne Aus­sa­ge ,ein star­kes Si­gnal an die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on‘ führt ab­so­lut in die fal­sche Rich­tung und gau­kelt un­se­ren jun­gen Ar­beit­neh­mern ei­nen an­geb­li­chen Vor­teil vor, der aber spä­ter (nach 30 Jah­ren) in der Aus­zah­lungs­pha­se in den al­ler­meis­ten Fäl­len zu ei­ner gro­ßen Be­nach­tei­li­gung führt.

Und, die­ser Ent­wurf kor­ri­giert auch nicht die be­ste­hen­de Un­ge­rech­tig­keit der Dop­pel­ver­bei­tra­gung bei den ak­tu­ell in Aus­zah­lung be­find­li­chen Ver­trä­gen. In der Sit­zung des Ge­sund­heits­aus­schus­ses

am 9. De­zem­ber 2019 ha­ben die Gut­ach­ter Dr. Al­brecht und Prof. Bie­back un­ter an­de­rem aus­ge­führt, dass die heu­ti­ge Re­ge­lung (seit 2004) ,auf ei­ner ver­fehl­ten In­ter­pre­ta­ti­on des Ur­teils des BVerfG‘ be­ruht. Die­ses Ur­teil hat­te sei­ner­zeit den Ge­setz­ge­ber nur da­zu auf­ge­for­dert, ,die Un­gleich­be­hand­lung von Pflicht­ver­si­cher­ten und frei­wil­lig Ver­si­cher­ten in der GKV‘ zu be­sei­ti­gen. Die 2004 von Rot-Grün ein­ge­führ­te und von CDU/CSU mit­ge­tra­ge­ne Neu­re­ge­lung geht aber weit dar­über hin­aus und führt zu zu­sätz­lich er­höh­ten Ab­ga­ben der Be­triebs­rent­ner und Di­rekt­ver­si­cher­ten.

Das Par­la­ment hat al­so sei­ner­zeit die Ge­le­gen­heit ge­nutzt, nicht nur die ge­for­der­te ,Gleich­be­hand­lung‘ her­zu­stel­len, son­dern auch gleich­zei­tig für al­le Be­triebs­rent­ner deut­lich er­höh­te Bei­trä­ge ein­zu­füh­ren. Nicht zum Woh­le ih­rer Bür­ger, son­dern die ehe­mals flei­ßi­gen und spar­sa­men Ar­beit­neh­mer wer­den im Ren­ten­al­ter ,nach­träg­lich dop­pelt‘ zur Kas­se ge­be­ten.

Die Ex­per­ten ha­ben aus­ge­führt, dass in der Über­gangs­pha­se bis 2030 bei vie­len Alt­ver­trä­gen (vor 2004 ab­ge­schlos­sen) ,der Zu­stand der Dop­pel­ver­bei­tra­gung‘ (Ab­ga­ben in der Ein­zah­lungs­pha­se und Ab­ga­ben in der Aus­zah­lungs­pha­se) wei­ter­hin, auch durch den neu­en Ge­setz­ent­wurf, ,be­ste­hen bleibt‘. Ins­be­son­de­re un­se­re jun­ge Ar­beit­neh­mer­ge­ne­ra­ti­on wird durch das Wer­ben von Bun­des­mi­nis­ter Spahn, ,es lohnt sich, fürs Al­ter vor­zu­sor­gen‘, sprich­wört­lich aufs Glatt­eis ge­führt.

Rei­ner Korth Gees­te

Leserbrief­e

Nach dem heu­ti­gen Ge­setz spart der Ar­beit­neh­mer (aber auch der Ar­beit­ge­ber) die So­zi­al­ab­ga­ben in der Ein­zah­lungs­pha­se, denn die mo­nat­li­che Bei­trags­zah­lung in die be­trieb­li­che Ren­tenoder Di­rekt­ver­si­che­rung wird ,vor Steu­er‘ vom Brut­to ab­ge­zo­gen. Aber, die zwei ent­schei­den­den Nach­tei­le sind:

1. In der Aus­zah­lungs­pha­se zahlt der Be­zug­s­emp­fän­ger al­lein zu 100 Pro­zent den Kran­ken­kas­sen- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trag (Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­an­teil, so­zu­sa­gen ei­ne ver­steck­te Ar­beit­ge­ber-Sub­ven­tio­nie­rung mit Lang­zeit­wir­kung).

2. Und für die­se vom Brut­to ab­ge­führ­ten Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge wer­den auch kei­ne Zah­lun­gen an die ge­setz­li­che Ren­ten­kas­se ge­leis­tet.

Heißt im Kl­ar­text: Der Ar­beit­neh­mer be­kommt we­ni­ger Ren­ten­punk­te an­ge­rech­net und da­mit spä­ter ei­ne ge­rin­ge­re staat­li­che Ren­te aus­ge­zahlt. […]

sind per­sön­li­che Mei­nungs­äu­ße­run­gen. Sie ge­ben nicht die An­sich­ten der Re­dak­ti­on wie­der. Ih­re Bei­trä­ge kön­nen Sie per E-Mail an leserbrief­[email protected] schi­cken. Oder an: Neue Os­na­brü­cker Zei­tung, Leserbrief­e, Brei­ter Gang 10–16, 49074 Osnabrück. Die Re­dak­ti­on be­hält sich Kür­zun­gen vor.

Fo­to: imago images/M. Po­pow

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