Auf der Su­che nach dem Mas­sen­mör­der

Neue nor­we­gi­sche Nor­dic-Noir-Rei­he um Kom­mis­sar Wis­ting mit „Ma­trix“-Star Car­rie-Anne Moss

Meppener Tagespost - - MEDIEN / FERNSEHEN HEILIGABEN­D - Von Frank Jür­gens

Was macht ei­gent­lich Car­rie-Anne Moss? Vor zwan­zig Jah­ren wur­de die ka­na­di­sche Schau­spie­le­rin qua­si über Nacht welt­be­rühmt. An der Sei­te von Kea­nu Ree­ves und Lau­rence Fish­bur­ne spiel­te sie sich mit ih­rer Rol­le der Trini­ty in den „Ma­trix“-Fil­men ganz nach oben in Hol­ly­wood. Aber dann wur­de es all­mäh­lich ru­hi­ger um die Schau­spie­le­rin. Erst mit ih­rer tra­gen­den Ne­ben­rol­le der fie­sen An­wäl­tin Je­ri Ho­garth in der für Net­flix pro­du­zier­ten Mar­vel-Se­rie „Jes­si­ca Jo­nes“er­reich­te sie wie­der ein gro­ßes in­ter­na­tio­na­les Pu­bli­kum.

Da er­staunt es um­so mehr, dass Moss nun in der re­la­tiv klei­nen nor­we­gi­schen TV­Pro­duk­ti­on „Kom­mis­sar Wis­ting“mit­spielt – wenn auch nur in den ers­ten zwei von vier Epi­so­den. Aber die Dreh­buch­vor­la­ge von Ka­thri­ne Va­len Zei­ner, Tryg­ve Al­lis­ter Die­sen (auch Re­gie) und Anne El­ve­dal muss sie über­zeugt ha­ben. Nur so lässt es sich er­klä­ren, dass sie sich ge­mein­sam mit ih­rem Kol­le­gen Ri­chie Camp­bell von ih­rem son­ni­gen Wohn­sitz in Los An­ge­les zu den Dreh­ar­bei­ten in die win­ter­li­che Käl­te Nor­we­gens hat lo­cken las­sen.

In „Kom­mis­sar Wis­ting – Ei­si­ge Schat­ten“sind Moss und Camp­bell nun als FBIA­gen­ten zu se­hen, die der Po­li­zei um Kom­mis­sar Wil­li­am Wis­ting (Sven Nor­din) in der nor­we­gi­schen Pro­vinz­stadt Lar­vik zur Sei­te ste­hen, nach­dem dort ei­ne stark ver­wes­te Lei­che ge­fun­den wird. Fin­ger­ab­drü­cke auf ei­ner Bro­schü­re füh­ren zu ei­nem Mas­sen­mör­der, der in den

USA zahl­rei­che Frau­en auf dem Ge­wis­sen hat, dort aber seit 20 Jah­ren wie vom Erd­bo­den ver­schluckt zu sein scheint.

Bei den FBI-Agen­ten Mag­gie Grif­fin (Moss) und John Bent­ham (Camp­bell) schril­len na­tür­lich al­le Alarm­glo­cken. Seit Grif­fin vor 20 Jah­ren ein als „High­way-Kil­ler“be­kannt ge­wor­de­ner Se­ri­en­mör­der durch die Lap­pen ge­gan­gen ist, setzt sie al­les dar­an, ihn zu fas­sen. Nun hat sie in Nor­we­gen of­fen­bar die Ge­le­gen­heit da­zu. Wenn auch nur mit an­ge­zo­ge­ner Hand­brem­se. Denn sehr zu ih­rem Ver­druss sind der US-Ame­ri­ka­ne­rin Grif­fin in Nor­we­gen die et­was schieß­wü­ti­gen Hän­de ge­bun­den.

Auch wenn Moss’ Fi­gur der FBI-Agen­tin ein we­nig über­mäch­tig wirkt, ist die Hand­lung des Kri­mis na­tür­lich um Nord­ins Ti­tel­fi­gur Wis­ting ge­strickt. Und der tappt in der ers­ten Dop­pel­fol­ge „Ei­si­ge Schat­ten“nicht nur mäch­tig im Dun­keln. Son­dern lässt, oh­ne es zu ah­nen, auch noch sei­ne Toch­ter Li­ne (Thea Gre­en Lund­berg) in ei­ne bö­se Fal­le lau­fen. Da­mit die als Jour­na­lis­tin tä­ti­ge Li­ne ihm nicht in den hoch­bri­san­ten Fall hin­ein­pfuscht, öff­net der Va­ter ihr al­le Tü­ren zu ei­nem an­de­ren Fall, der be­reits als ab­ge­schlos­sen gilt. Was für ein Irr­tum!

Als Vor­la­ge für den ers­ten Fall die­ses stre­cken­wei­se et­was vor­her­seh­bar in­sze­nier­ten Nor­dic-Noir-Kri­mis dient der in Deutsch­land un­ter dem Ti­tel „Ei­si­ge Stil­le“er­schie­ne­ne fünf­te Band der Buch­rei­he „Wil­li­am Wis­ting“aus der Fe­der von Jørn Lier Horst. Dar­in geht es ne­ben der Su­che nach dem Mas­sen­mör­der um das über­ge­ord­ne­te The­ma Ein­sam­keit. Im Nach­bar­haus des Kom­mis­sars wer­den die sterb­li­chen Über­res­te ei­nes Man­nes ge­fun­den – meh­re­re Mo­na­te nach des­sen Tod. Nie­mand hat et­was be­merkt. Nie­mand hat ihn ver­misst.

Und auch der Kom­mis­sar er­scheint als ein­sa­me, ge­bro­che­ne Fi­gur. Trotz Kon­takt zu Toch­ter und Kol­le­gen hat Wis­ting sich seit dem Tod sei­ner ge­lieb­ten Frau, des­sen ge­naue Um­stän­de erst ein­mal im Un­kla­ren blei­ben, in­ner­lich zu­rück­ge­zo­gen. Im zwei­ten Zwei­tei­ler „Jagd­un­de“(1. und 5. Ja­nu­ar) wird er gar sus­pen­diert und muss auf ei­ge­ne Faust er­mit­teln.

Ro­man­au­tor Horst be­dient mit sei­ner „Wis­ting“Rei­he den glo­ba­len Trend zu lo­ka­len Hei­mat­kri­mis. Sel­ber ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen in der nor­we­gi­schen Pro­vinz Tele­mark, schlug der spä­te­re Au­tor zu­nächst ei­ne Lauf­bahn bei der Po­li­zei in Lar­vik ein und brach­te es dort bis zum lei­ten­den Er­mitt­ler. Mitt­ler­wei­le lebt und ar­bei­tet er als haupt­be­ruf­li­cher Au­tor und ver­kauft sei­ne lo­ka­len Kri­mis in al­le Welt, wo sie be­reits in 26 Spra­chen über­setzt wur­den.

Hol­ly­wood­star Moss hat sich nach den Dreh­ar­bei­ten zum ers­ten „Wis­ting“-Zwei­tei­ler – der in den skan­di­na­vi­schen Län­dern auf fünf Epi­so­den ver­teilt lief – wie­der nach Hol­ly­wood be­ge­ben. Dort fin­den nun un­ter an­de­rem die Vor­be­rei­tun­gen zur Pro­duk­ti­on ei­nes vier­ten „Ma­trix“-Films statt. Ne­ben Moss soll auch wie­der Kea­nu Ree­ves mit von der Par­tie sein.

Kom­mis­sar Wis­ting – Ei­si­ge Schat­ten (1+2), Das Ers­te, 26. und 29. De­zem­ber, je­weils 21.45 Uhr; Kom­mis­sar Wis­ting – Jagd­hun­de (1+2), Das Ers­te, 1. und 5. Ja­nu­ar, je­weils 21.45 Uhr.

Fo­to: ARD Degeto/Wis­ting Pro­duc­tion A/S

Ma­chen ei­nen schreck­li­chen Fund: Kom­mis­sar Wil­li­am Wis­ting (Sven Nor­din, 2.v. r.), FBI-Spe­cial-Agent Mag­gie Grif­fin (Car­rie-Anne Moss, 2. v. l.) und sei­ne Kol­le­gin Tor­unn (Kjer­sti San­dal, r.).

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