Jahr­markt der Ei­tel­kei­ten

Ko­mö­die über die Ab­sur­di­tä­ten des Li­te­ra­tur­be­triebs

Meppener Tagespost - - FILM - Von Frank Jürgens

Ein Ro­man muss nicht un­be­dingt schlecht sein, um von Lek­to­ren und Ver­la­gen ab­ge­lehnt zu wer­den. So ha­ben sich einst bei­spiels­wei­se rund ein Dut­zend bri­ti­scher Ver­la­ge ge­wei­gert, „Har­ry Pot­ter“in ihr Pro­gramm auf­zu­neh­men. Bis die da­mals acht­jäh­ri­ge Toch­ter ei­nes Ver­lags­chefs nach dem Le­sen des ers­ten Ka­pi­tals ih­rem Va­ter den ent­schei­den­den Hin­weis gab, dass das Buch viel­leicht doch ganz gut sein könn­te.

Im Film „Der ge­hei­me Ro­man des Mon­sieur Pick“exis­tiert nun auf ei­ner Halb­in­sel in der fran­zö­si­schen Bre­ta­gne ei­ne gan­ze „Bi­b­lio­thek der ab­ge­lehn­ten Ma­nu­skrip­te“. Dort stößt die Lek­to­rin Daph­né Des­pe­ro (Ali­ce Isaaz) zwi­schen Ti­teln wie „Mas­tur­ba­ti­on und Su­shi“und „Ka­vi­ar für die Mu­ti­gen“auch auf „Die letz­ten Stun­den ei­ner gro­ßen Lie­be“. Ein Meis­ter­werk! Die Ver­öf­fent­li­chung wird ein Er­folg. Auch des­we­gen, weil sich der Au­tor als ver­stor­be­ner Piz­za­bä­cker Hen­ri Pick von der Halb­in­sel ent­puppt, von dem we­der Ehe­frau noch Toch­ter (Ca­mil­le Cot­tin) wuss­ten, dass er ein Fai­b­le für Li­te­ra­tur ge­habt ha­ben könn­te. Die Me­di­en, Kri­ti­ker und Le­ser sind ganz be­geis­tert von die­ser Ge­schich­te. Nur der Li­te­ra­tur­kri­ti­ker Jean-Mi­chel Rou­che (Fa­b­ri­ce Lu­ch­i­ni) hat sei­ne Zwei­fel und wit­tert Be­trug.

Die Ro­man­vor­la­ge zum Film stammt von Da­vid

Fo­en­ki­nos. Sein Best­sel­ler „Na­tha­lie küsst“ging al­lein in Frank­reich über ei­ne Mil­li­on Mal über die La­den­ti­sche – und wur­de schließ­lich so­gar vom Au­tor höchst­per­sön­lich ver­filmt. Hier ist es aber nun Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Ré­mi Be­zançon, der für die Ver­fil­mung von Fo­en­ki­nos’ Ro­man „Le mys­tè­re Hen­ri Pick“, so der Ori­gi­nal­ti­tel, ver­ant­wort­lich zeich­net. Das ge­lun­ge­ne Er­geb­nis ist ein au­gen­zwin­kern­der Blick auf die Ab­sur­di­tä­ten und Ei­tel­kei­ten des Li­te­ra­tur­be­trie­bes, er­zählt im Ge­wand ei­ner De­tek­tiv­ge­schich­te, in der der Li­te­ra­tur­kri­ti­ker zum Schnüff­ler wird und al­les dar­an­setzt, ei­nen ver­meint­li­chen Schwin­del auf­zu­de­cken. Äu­ßerst se­hens­wert!

„Der ge­hei­me Ro­man des Mon­sieur Pick“. F/B 2019. R.: Ré­mi Be­zançon. D.: Fa­b­ri­ce Lu­ci­ni, Ca­mil­le Cot­tin, Ali­ce Isaaz, Bas­ti­en Bouil­lon. 101 Mi­nu­ten.

Oh­ne Al­ters­be­schrän­kung.

Fo­to: Neue Vi­sio­nen Film­ver­leih

Die Wit­we (Jo­sia­ne Sto­lé­ru, l.) und die Toch­ter (Ca­mil­le Cot­tin) des to­ten Au­tors wer­den vom Kri­ti­ker Rou­che (Fa­b­ri­ce Lu­ch­i­ni) un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

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