Wahl­rechts­vor­schlag aus Uni­on ver­är­gert Op­po­si­ti­on

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Uni­ons­po­li­ti­ker hei­zen den Streit um ei­ne Re­form des Wahl­rechts für ei­nen klei­ne­ren Bun­des­tag neu an. 24 Par­la­men­ta­ri­er von CDU und CSU er­läu­ter­ten in ei­nem Brief an Uni­ons­frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus (CDU) die Idee, die an­de­re Frak­tio­nen schon im April als un­fair ab­ge­lehnt hat­ten.

Dem­nach wür­den in den 299 Wahl­krei­sen wei­ter­hin per Erst­stim­me Ab­ge­ord­ne­te di­rekt ins Par­la­ment ge­wählt. Wei­te­re 299 Ab­ge­ord­ne­te wür­den über die Zweit­stim­me nach Ver­hält­nis­wahl­recht er­mit­telt. Erst- und Zweit­stim­me wür­den da­mit gleich ge­wich­tet, und die vor­ge­se­he­ne Grö­ße des Bun­des­tags von 598 Ab­ge­ord­ne­ten wer­de er­reicht.

Der­zeit be­stimmt grund­sätz­lich die Zweit­stim­me die Zu­sam­men­set­zung des Bun­des­tags. Wer in ei­nem der 299 Wahl­krei­se di­rekt ge­wählt wird, hat aber ei­nen Sitz si­cher. Das führt zu vie­len so­ge­nann­ten Über­hang- und Aus­gleichs­man­da­ten. Das Par­la­ment war da­durch bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl auf die Re­kord­grö­ße von 709 Ab­ge­ord­ne­ten an­ge­wach­sen.

Die Uni­on aus CDU und CSU ge­winnt be­son­ders vie­le Di­rekt­man­da­te – bei der Bun­des­tags­wahl 2017 hat­te sie in den 299 Wahl­krei­sen 231 Di­rekt­man­da­te ge­holt. Sie wür­de des­halb von dem Vor­schlag der 24 Uni­ons­ab­ge­ord­ne­ten klar pro­fi­tie­ren.

Kri­tik kam von FDP und Grü­nen. FDP-Frak­ti­ons­chef Chris­ti­an Lind­ner sag­te der „Bild“-Zei­tung: „Die Uni­on will die Re­form des Wahl­rechts nut­zen, um sich ein­sei­tig Vor­tei­le zu ver­schaf­fen.“So wer­de der Wäh­ler­wil­le ver­zerrt. Ver­är­gert zeig­te sich auch die par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­re­rin der Grü­nen, Brit­ta Ha­ßel­mann. „Erst blo­ckiert die Uni­on mo­na­te­lang je­den Vor­schlag zur Wahl­rechts­re­form, und dann wird ein al­ter Hut als neu­er Vor­schlag prä­sen­tiert“, sag­te sie. „Ein­zi­ger Pro­fi­teur die­ses Gr­a­ben­wahl­sys­tems wä­re die Uni­on.“Wah­len ge­win­ne man durch Ver­trau­en und nicht da­durch, dass man sich ein neu­es Wahl­recht zum ei­ge­nen Vor­teil zim­me­re.

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