Ent­schei­dend ist die Wert­schät­zung

Meppener Tagespost - - KREIS EMSLAND -

Zu Weih­nach­ten ge­hört das Schen­ken und Be­schenkt­wer­den. Es ist bei uns in mei­ner in­di­schen Hei­mat Ke­ra­la kei­ne gro­ße Tra­di­ti­on, dass wir uns ge­gen­sei­tig be­schen­ken, wie ich es hier in Deutsch­land er­fah­ren ha­be. So­weit ich mich zu­rück­er­in­nern kann, be­kom­men wir, al­so die Kin­der in der Fa­mi­lie, zu Weih­nach­ten neue Klei­dung und das ge­schieht auch nicht al­le Jah­re wie­der. Schließ­lich dür­fen wir die­se neue Klei­dung mit gro­ßer Freu­de und Stolz das ers­te Mal zur Christ­met­te an­zie­hen. Das ist sehr auf­re­gend für Kin­der.

Über­all auf der Welt gilt: Nicht der Geld­wert ei­nes Ge­schen­kes ist ent­schei­dend, son­dern die Wert­schät­zung ge­gen­über dem an­de­ren. Was ei­ne Ga­be wert­voll und kost­bar macht, ist die Lie­be, mit der sie ge­ge­ben wird. In kaum ei­nem an­de­ren Le­bens­be­reich wie in der Fa­mi­lie er­fah­ren wir dies deut­li­cher, ob in Deutsch­land, in In­di­en oder wo auch im­mer in der Welt.

Die Hö­hen und Tie­fen un­se­res mensch­li­chen Da­seins wer­den gera­de in der Fa­mi­lie in­ten­siv und haut­nah er­lebt. Das ist auch die Kind­heits­er­fah­rung Je­su auf der Flucht von Beth­le­hem nach Ägyp­ten, auf dem Weg zu­rück nach Na­za­ret und in den ers­ten Le­bens­jah­ren in Na­za­ret mit sei­nen El­tern Ma­ria und Jo­sef.

Ge­bor­gen­heit und Fremd­heit, Ge­sund­heit und Krank­heit, Ver­trau­en und Angst, Lie­be und Hass, Streit und Ver­söh­nung wer­den in den Be­zie­hun­gen zu El­tern, Kin­dern, Ge­schwis­tern be­son­ders stark er­lebt. Die Fa­mi­lie ist der Lern­ort des Le­bens und zu­gleich Lern­ort des Glau­bens. Hier kön­nen so­zia­le Ver­ant­wor­tung und So­li­da­ri­tät wach­sen, hier wer­den die Grund­la­gen für das Le­ben ge­legt. An der Hand ih­rer El­tern er­fah­ren die Kin­der, dass sie dem Le­ben trau­en dür­fen. Das ist auch mei­ne ei­ge­ne Fa­mi­li­ener­fah­rung.

Die Lie­be ist un­se­re tiefs­te Sehn­sucht. Wo El­tern und Kin­der sich an­neh­men und für­ein­an­der ein­ste­hen, da ist Gott nicht fern. In die­ser Lie­be zu üben, da­zu sind wir auf­ge­for­dert. Das heißt Ge­duld ha­ben, ein­an­der an­neh­men, zu­hö­ren, Zeit ha­ben für an­de­re, ver­zei­hen, dank­bar sein und vie­les mehr. Vi­el­leicht sind das die wich­tigs­ten und wert­volls­ten Ge­schen­ke, die wir ma­chen kön­nen, nicht nur an Weih­nach­ten, son­dern im­mer, das gan­ze Jahr hin­durch, al­so je­den Tag. So auch im neu­en Jahr.

Fo­to: Kir­che

An­t­o­ny Kall­arak­kall, in Lin­gen. Pfar­rer

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