Rich­tig Lust aufs Le­ben

Dahl­mei­er nimmt „auf Schal­ke“Ab­schied vom Bi­ath­lon

Meppener Tagespost - - SPORT - Von Ste­fa­nie Wahl

Als sie das letz­te Mal in den Tun­nel fährt, brei­ten sich die Ge­dan­ken in ih­rem Kopf aus: ein al­ler­letz­tes Schie­ßen. Das Be­wusst­sein der End­lich­keit. Nach Platz vier mit Phil­ipp Na­wrath hin­ter dem nor­we­gi­schen Sie­ger-Duo Mar­te Ols­bu Röi­se­land und Vet­le Chris­ti­an­sen bei der World Team Chal­len­ge packt Lau­ra Dahl­mei­er Ge­wehr und Ski weg. Der Rest ist Ge­nuss.

Ein Drei­vier­tel­jahr nach ih­rem Rück­tritt ver­ab­schie­det sich die Bi­ath­le­tin in der Vel­tins-Are­na auf Schal­ke. End­gül­tig. Sie hat Ab­stand ge­fun­den – und steht so­gar mit Freu­de im Mit­tel­punkt. Sie hat Schluss ge­macht mit ih­rem Sport, der ih­re gro­ße Lei­den­schaft ist und ihr doch auch reich­lich Lei­dens­mo­men­te be­schert hat.

„Was Schö­ne­res gibt es nicht, als das ge­büh­rend zu fei­ern“, sagt die Frau aus Gar­misch-Par­ten­kir­chen. 46 000 Fans sa­gen ihr Ser­vus. Der Ju­bel be­wegt sie. Doch Lau­ra Dahl­mei­er ist im Rei­nen mit sich, glück­lich ob ih­rer Ent­schei­dung. Come­back? Aus­ge­schlos­sen. Im Par­ty­bus geht es mit et­wa 70 Freun­den zu­rück nach Ober­bay­ern.

Sie fühlt sich frei. Un­ge­zwun­gen und leicht. Be­freit von dem Bal­last, stän­dig ho­he Er­war­tun­gen zu er­fül­len und ein Le­ben un­ter dem Mi­kro­skop zu füh­ren. Den Rum­mel um ih­re Per­son hat die 26-Jäh­ri­ge mit­un­ter re­gel­recht ge­hasst. Nun stu­diert die Dop­pelolym­pia­sie­ge­rin von Pyeong­chang Sport­wis­sen­schaf­ten an der TU München, macht den B-Trai­ner­schein, en­ga­giert sich so­zi­al und spor­telt noch im­mer. Mal bei der Berg­lauf-WM in Ar­gen­ti­ni­en, mal ra­deln oder ein­fach ei­ne Run­de lau­fen – nur eben wann, wie und wo sie mag. Oh­ne ei­nen aus­ge­klü­gel­ten Trai­nings­plan.

Sechs Jah­re tin­gelt Lau­ra Dahl­mei­er mit dem Bi­ath­lonWelt­cup, ge­winnt al­les, was ih­re Sport­art an Tro­phä­en zu bie­ten hat, be­sticht mit schnel­len Zei­ten, ho­her Treff­si­cher­heit und der Ga­be, sich völ­lig zu ver­aus­ga­ben. Die zier­li­che und auch ei­gen­wil­li­ge Ath­le­tin do­mi­niert, setzt Maß­stä­be, doch ihr Kör­per sen­det im­mer wie­der Si­gna­le. Krank­hei­ten wer­fen sie zu­rück – und zeh­ren mit der Zeit. Im Kran­ken­haus lie­gend, glaubt Lau­ra Dahl­mei­er 2018 nicht mehr da­ran, je­mals wie­der Leis­tungs­sport zu ma­chen. Sie kämpft sich zu­rück in die Welt­spit­ze, doch was spie­le­risch aus­sieht, for­dert.

Im März in Os­lo weiß Lau­ra Dahl­mei­er längst, dass dies ihr letz­tes Welt­cup­ren­nen ge­we­sen ist. In­zwi­schen spürt sie viel Dank­bar­keit, „dass es nicht nur bei den Groß­er­eig­nis­sen im­mer wie­der so ge­ni­al auf­ge­gan­gen ist“. Nun aber ist der Fo­kus nicht mehr nur auf die­ses ei­ne The­ma Bi­ath­lon ge­rich­tet. Sie sagt: „Ich möch­te ganz viel auf­sau­gen und of­fen sein fürs Le­ben. Das fin­de ich rich­tig span­nend.“

Fo­to: dpa

Gro­ßer Ab­schied: Lau­ra Dahl­mei­er.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.