Ent­las­tung bei Be­triebs­ren­ten

Ren­te, Pfle­ge, Un­ter­halts­vor­schuss: Das gibt es Neu­es im Hin­blick auf Ein­kom­men und Ab­ga­ben

Meppener Tagespost - - MEDIEN / FERNSEHEN AM MITTWOCH - Von Mark Ot­ten

Wie in je­dem Jahr wer­den zum Jah­res­wech­sel die so­ge­nann­ten Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen an­ge­ho­ben, die Bei­trä­ge zur ge­setz­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rung re­geln. Das macht sich bei Kran­ken-, Pfle­ge und Ren­ten­ver­si­che­rung be­merk­bar. Ei­ne Über­sicht zu Ve­rän­de­run­gen bei Ein­nah­men und Aus­ga­ben.

Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung: Die bun­des­ein­heit­li­che Gren­ze in der Kran­ken­und Pfle­ge­ver­si­che­rung steigt um 150 Eu­ro von 4537,50 Eu­ro auf 4687,50 Eu­ro im Mo­nat. Für die­se 150 Eu­ro mehr an Ver­dienst fal­len nun noch Bei­trä­ge für die Kran­ken- und Pfle­ge­kas­se an. Erst das ge­sam­te Ein­kom­men ober­halb von 4687,50 Eu­ro bleibt bei­trags­frei. Der Höchst­be­trag des Ar­beit­neh­mer­an­teils zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung steigt da­durch von bis­her 331,24 Eu­ro auf dann 342,19 Eu­ro im Mo­nat.

Neue Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze: Sie wird von 60 750 Eu­ro auf 62 550 Eu­ro im Jahr er­höht – das ent­spricht ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ge­halt von 5212,50 Eu­ro. Nur wer als An­ge­stell­ter mehr ver­dient, kann in ei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln. Durch die An­he­bung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­wer­te steigt der ma­xi­ma­le Ar­beit­ge­ber­zu­schuss für pri­vat Ver­si­cher­te von mo­nat­lich 351,66 auf 367,97 Eu­ro.

Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung: Die mo­nat­li­che Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze West steigt ab Ja­nu­ar von 6700 Eu­ro auf 6900 Eu­ro – was ei­nem Jah­res­ge­halt von 82 800 Eu­ro ent­spricht –, im Os­ten von 6150 Eu­ro auf 6450 Eu­ro, oder 77400 Eu­ro pro Jahr. Bis zu die­sen Ein­kom­mens­gren­zen müs­sen Ar­beit­neh­mer Bei­trä­ge zur Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung be­zah­len. Bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung sol­len Ar­beit­ge­ber und Be­schäf­tig­te ab 1. Ja­nu­ar ent­las­tet wer­den. Die Bei­trä­ge sol­len um 0,1 Punk­te auf dann 2,4 Pro­zent sin­ken. Die­se Ab­ga­be tei­len sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer.

Kran­ken­kas­sen-Zu­satz­bei­trag: Al­le Kran­ken­kas­sen er­he­ben ne­ben dem all­ge­mei­nen Bei­trags­satz von 14,6 Pro­zent ei­nen Zu­satz­bei­trag, den sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer hälf­tig tei­len. Ab 1. Ja­nu­ar stiegt der durch­schnitt­li­che Zu­satz­bei­trag von 0,9 auf 1,1 Pro­zent. Das be­deu­tet aber nicht zwin­gend, dass Ver­si­cher­te mehr zah­len müs­sen, denn über die tat­säch­li­che Hö­he des Zu­satz­bei­trags ent­schei­den die Gre­mi­en der Kas­sen in­di­vi­du­ell.

Ren­ten: Um die rund 21 Mil­lio­nen Rent­ne­rin­nen und Rent­ner in Deutsch­land an der Lohn­ent­wick­lung zu be­tei­li­gen, sol­len sie ab 1. Ju­li mehr Geld be­kom­men. Der Ent­wurf des Ren­ten­ver­si­che­rungs­be­richts der Bun­des­re­gie­rung sieht vor, dass die Ren­ten im Wes­ten vor­aus­sicht­lich um 3,15 Pro­zent stei­gen, im Os­ten um 3,92 Pro­zent. Die Ren­ten­an­pas­sung ent­schei­det sich end­gül­tig im Früh­jahr, wenn die Zah­len der Lohn­sta­tis­tik 2018 vor­lie­gen. Ab 1. Ju­li wird au­ßer­dem der Ren­ten­wert Ost wei­ter an den im Wes­ten gel­ten­den Ren­ten­wert an­ge­gli­chen. Der Os­tRen­ten­wert steigt von ak­tu­ell 96,5 Pro­zent auf 97,2 Pro­zent des West­werts.

Be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge: Die Er­hö­hung der all­ge­mei­nen Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zur Ren­ten­ver­si­che­rung auf 82 800 Eu­ro ab 1. Ja­nu­ar wirkt sich auch auf die Gren­zen für die so­zi­al­ab­ga­ben­und steu­er­frei­en Be­trä­ge im Rah­men der Brut­to­ent­gelt­um­wand­lung

aus. So steigt der ma­xi­ma­le so­zi­al­ab­ga­ben­freie An­teil von 268 auf 276 Eu­ro mo­nat­lich, der steu­er­freie An­teil von 536 auf 552 Eu­ro.

Be­triebs­ren­ten: Be­triebs­rent­ner sol­len ab 2020 von Bei­trä­gen für die ge­setz­li­che Kran­ken­kas­se ent­las­tet wer­den. Ab 1. Ja­nu­ar soll ein Frei­be­trag von 159,25 Eu­ro die bis­he­ri­ge Frei­gren­ze in Hö­he von 155,75 Eu­ro er­set­zen. Erst über die­sem Be­trag fal­len Kran­ken­kas­sen-Bei­trä­ge auf die Be­triebs­ren­te an – und das auch nur für die Sum­me über dem Frei­be­trag, nicht mehr auf den ge­sam­ten Be­trag. Wer 1000 Eu­ro Be­triebs­ren­te be­kommt, muss 131,98 Eu­ro be­zah­len, mit der al­ten Frei­gren­ze wä­ren es 155 Eu­ro. Laut der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW be­kom­men rund 60 Pro­zent der Be­triebs­rent­ner we­ni­ger als 318 Eu­ro.

Pfle­ge­kos­ten: Ab 1. Ja­nu­ar gilt das An­ge­hö­ri­gen-Ent­las­tungs­ge­setz. Es re­gelt un­ter an­de­rem, dass sich nur Men­schen mit ei­nem Jah­res­ver­dienst über 100 000 Eu­ro an den Pfle­ge­kos­ten für die El­tern be­tei­li­gen müs­sen. Der­zeit gilt als Richt­wert ei­ne Ein­kom­mens­gren­ze von 21 600 Eu­ro net­to für Al­lein­ste­hen­de und 38800 Eu­ro net­to pro Jahr für Fa­mi­li­en.

Ver­die­nen Kin­der ei­nes Pfle­ge­be­dürf­ti­gen mehr, müs­sen sie un­ter Um­stän­den die Hälf­te des über­stei­gen­den Be­trags für den El­tern­un­ter­halt ein­set­zen.

Ent­schei­dend für die neue Gren­ze ist das Brut­to-Jah­res­ge­halt plus even­tu­el­le Ein­nah­men aus Ver­mie­tung oder aus Ka­pi­tal­ver­mö­gen – ab­züg­lich Wer­bungs­kos­ten, Son­der­aus­ga­ben, Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen und mög­li­cher Frei­be­trä­ge. Nicht mehr mit ein­ge­rech­net wird au­ßer­dem das Ein­kom­men der Ehe­part­ner un­ter­halts­pflich­ti­ger Kin­der.

„Star­ke-Fa­mi­li­en-Ge­setz“: Ab 1. Ja­nu­ar wer­den Fa­mi­li­en mit ge­rin­gen und mitt­le­ren Ein­kom­men so­wie Al­lein­er­zie­hen­de fi­nan­zi­ell stär­ker un­ter­stützt. Ab Jah­res­wech­sel greift die zwei­te Stu­fe des so­ge­nann­ten Star­ke-Fa­mi­li­en-Ge­set­zes; da­mit fal­len die obe­ren Ein­kom­mens­gren­zen beim Kin­der­zu­schlag.

Der Zu­schlag be­trägt bis zu 185 Eu­ro mo­nat­lich pro Kind und soll er­werbs­tä­ti­ge El­tern un­ter­stüt­zen, de­ren Ein­kom­men nicht aus­reicht, den Un­ter­halt ih­rer Kin­der zu si­chern. Au­ßer­dem stie­gen die Kin­der­frei­be­trä­ge um 192 Eu­ro pro Kind von bis­her 4980 Eu­ro auf dann 5172 Eu­ro. Durch die Än­de­run­gen kön­nen auch Fa­mi­li­en mit mitt­le­ren Ein­kom­men ei­nen An­spruch auf Kin­der­zu­schuss ha­ben.

Un­ter­halt: Ge­trennt le­ben­de Vä­ter und Müt­ter müs­sen ih­ren Kin­dern mehr zah­len. Ab 1. Ja­nu­ar 2020 be­trägt der Min­dest­un­ter­halt für Kin­der bis zur Voll­en­dung des sechs­ten Le­bens­jah­res 369 Eu­ro, bis­her wa­ren es 354 Eu­ro mo­nat­lich. Sie­ben- bis Zwölf­jäh­ri­ge ha­ben An­spruch auf 424 Eu­ro statt 406 Eu­ro.

Für die Al­ters­grup­pe ab dem 13. Le­bens­jahr bis zur Voll­jäh­rig­keit steigt der mo­nat­li­che Min­dest­un­ter­halt von 476 Eu­ro auf 497 Eu­ro. Voll­jäh­ri­ge Kin­der, die noch im Haus­halt ei­nes El­tern­teils le­ben, ha­ben An­spruch auf 530 Eu­ro – drei Eu­ro mehr als bis­her. Deut­lich stär­ker steigt der Satz für Stu­den­ten, die nicht bei den El­tern woh­nen: Statt 735 Eu­ro gibt es 860 Eu­ro.

Al­ler­dings wird 2020 auch der Be­trag an­ge­ho­ben, den Un­ter­halts­pflich­ti­ge für sich be­hal­ten dür­fen: Bei nicht Er­werbs­tä­ti­gen steigt der Selbst­be­halt von 880 auf 960 Eu­ro, bei Er­werbs­tä­ti­gen von 1080 auf 1160 Eu­ro. Da­bei wird ei­ne Warm­mie­te von 430 Eu­ro zu­grun­de ge­legt. Der Selbst­be­halt kann sich er­hö­hen, wenn die rea­len Wohn­kos­ten die­sen Be­trag

über­schrei­ten und nicht un­an­ge­mes­sen sind.

So­zi­al­hil­fe und Ar­beits­lo­sen­geld II: Be­zie­her von So­zi­al­hil­fe oder Ar­beits­lo­sen­geld II be­kom­men ab 1. Ja­nu­ar mehr Geld. Al­lein­ste­hen­de er­hal­ten mo­nat­lich 8 Eu­ro mehr und kom­men dann 432 Eu­ro, Er­wach­se­ne un­ter 25 Jah­ren, die im Haus­halt der El­tern le­ben, be­kom­men sechs Eu­ro mehr und lan­den bei 345 Eu­ro.

Zu­zah­lung bei Re­zep­ten: Ab 1. Ja­nu­ar stei­gen die Frei­be­trä­ge für die Zu­zah­lun­gen zu Re­zep­ten und the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lun­gen. Im ge­mein­sa­men Haus­halt le­ben­de oder ein­ge­tra­ge­ne Ehe­part­ner kön­nen 5733 Eu­ro von den jähr­li­chen Brut­to­ein­nah­men ab­zie­hen, bis­her wa­ren es 5607 Eu­ro. Au­ßer­dem steigt der Kin­der­frei­be­trag von 7620 Eu­ro auf 7812 Eu­ro je Kind.

Die Be­las­tungs­gren­ze von zwei Pro­zent der jähr­li­chen Brut­to­ein­nah­men gilt wei­ter­hin als De­ckel, für chro­nisch Kran­ke bleibt sie bei ei­nem Pro­zent. Für Emp­fän­ger von So­zi­al­hil­fe, Ar­beits­lo­sen­geld II oder Grund­si­che­rung im Al­ter und bei Er­werbs­min­de­rung, steigt die Be­las­tungs­gren­ze von der­zeit 101,76 Eu­ro auf 103,68 Eu­ro pro Jahr.

Fo­to: imago images/Pan­ther­me­dia

Rent­ner sol­len ab 1. Ju­li 2020 mehr Geld be­kom­men.

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