In der Sack­gas­se

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Frie­de­mann Die­de­richs ak­tu­el­[email protected]

Es war nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis der Iran tes­ten wür­de, wie der US-Prä­si­dent auf ei­ne mas­si­ve Her­aus­for­de­rung re­agie­ren wür­de. Do­nald Trump hat mehr­fach be­tont, in kei­nen Krieg zie­hen zu wol­len. Die frag­los von Te­he­ran in­sze­nier­te Be­la­ge­rung der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft in Bagdad ist ein sol­cher Prüf­stein, der auch ei­ne wich­ti­ge his­to­ri­sche Kom­po­nen­te hat. Denn 444 Ta­ge lang hiel­ten als Stu­den­ten ge­tarn­te ira­ni­sche Ter­ro­ris­ten ab No­vem­ber 1979 die US-Bot­schaft in Te­he­ran im Wür­ge­griff, wäh­rend der da­ma­li­ge US-Prä­si­dent Jim­my Car­ter hilf­los zu­sah.

Und nun Bagdad. Wird Trump die­se Kri­se aus­sit­zen, so wie er auch auf das ag­gres­si­ve Ver­hal­ten Te­he­rans im Per­si­schen Golf ge­gen­über Öl­tan­kern eher ach­sel­zu­ckend re­agiert hat? Der Zeit­punkt des neu­en Dra­mas ist von den Mul­lahs klug ge­wählt. Denn die An­hän­ger Trumps wol­len kei­ne neu­en mi­li­tä­ri­schen Brand­her­de, und 2020 ist das Wahl­jahr in den USA. Die Fra­ge stellt sich, ob die Ent­sen­dung von 750 zu­sätz­li­chen Sol­da­ten in die Re­gi­on mehr als nur Sym­bol­wert

für ein Mus­kel­spiel­chen ver­kör­pert. Wie es aus­sieht, kann der US-Prä­si­dent bei die­ser Kri­se nur ver­lie­ren.

Der ein­zi­ge Trost: Für ein grö­ße­res krie­ge­ri­sches Aben­teu­er in der Re­gi­on gibt es noch kei­ne In­di­zi­en. Doch dem Iran scheint es ge­lun­gen, den an Au­ßen­po­li­tik nicht be­son­ders in­ter­es­sier­ten Do­nald Trump ge­schickt in ei­ne Sack­gas­se zu ma­nö­vrie­ren.

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