Neue Schul­den für mehr In­ves­ti­tio­nen?

Ge­werk­schaf­ten und SPD drän­gen auf Of­fen­si­ve / Wirt­schafts­ver­bän­de war­nen

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Uwe West­dörp u.west­do­[email protected]

Spit­zen­ver­bän­de der deut­schen Wirt­schaft ha­ben die Bun­des­re­gie­rung vor ei­nem fi­nanz­po­li­ti­schen Kurs­wech­sel und ei­ner Lo­cke­rung der Schul­den­brem­se ge­warnt. „Die Schul­den von heu­te sind Steu­er­er­hö­hun­gen von mor­gen“, sag­te DIHK-Prä­si­dent Eric Schweit­zer. Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kramer mahn­te: „An die Schul­den­brem­se wür­de ich nie­mals ran­ge­hen.“Der DGB und SPDChef Nor­bert Wal­ter-Bor­jans plä­dier­ten da­ge­gen für ei­ne mas­si­ve Er­hö­hung der staat­li­chen In­ves­ti­tio­nen.

Schweit­zer be­ton­te, da Un­ter­neh­men Steu­er­sät­ze und die Sta­bi­li­tät in­ter­na­tio­nal ver­glei­chen wür­den, sei­en sie für das The­ma Staats­schul­den be­son­ders sen­si­bel. „Geld­aus­ge­ben darf da­her nicht zu­las­ten der nächs­ten Un­ter­neh­mer­ge­ne­ra­ti­on ge­hen. Des­we­gen wä­re ei­ne Lo­cke­rung der Schul­den­brem­se kein gu­tes Si­gnal.“

DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann da­ge­gen for­der­te: „Der Staat muss Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen für meh­re­re Jah­re zu­si­chern.“Er füg­te hin­zu: „450 Mil­li­ar­den bin­nen zehn Jah­ren, wie füh­ren­de In­sti­tu­te vor­ge­rech­net ha­ben, sind ei­ne rea­lis­ti­sche Grö­ßen­ord­nung.“Die so­ge­nann­te schwar­ze Null sei nicht mehr zeit­ge­mäß. „Es ist falsch zu be­haup­ten, staat­li­che In­ves­ti­tio­nen gin­gen zu­las­ten der jun­gen Men­schen“, ar­gu­men­tier­te Hoff­mann. Das Ge­gen­teil sei der Fall. „Die

Las­ten für sie sind um ein Viel­fa­ches grö­ßer, wenn wir ih­nen ei­ne ma­ro­de In­fra­struk­tur und ka­put­te Schu­len hin­ter­las­sen.“

Die SPD mit ih­rer neu­en Füh­rung Sas­kia Es­ken und Nor­bert Wal­ter-Bor­jans hat sich eben­falls für mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen aus­ge­spro­chen und die schwar­ze Null wie auch die im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schul­den­brem­se in­fra­ge ge­stellt. „Es geht um früh­kind­li­che Bil­dung, Ver­kehrs­we­ge, Di­gi­ta­li­sie­rung, Kli­ma“, sag­te Wal­ter-Bor­jans. „Die Zu­stän­de, die wir hier zum Teil ha­ben, sind mit dem Wohl­stands­ni­veau in ei­nem Land wie Deutsch­land

Haus­halt al­so, ist auf Dau­er al­ler­dings ei­ne zu star­ke Ein­schrän­kung. Denn sie führt zu In­ves­ti­tio­nen nach Kas­sen­la­ge. Spe­zi­ell die Bau­wirt­schaft braucht aber lang­fris­ti­ge Pla­nungs­si­cher­heit. An­sons­ten baut sie kei­ne Ka­pa­zi­tä­ten auf. Und ge­nau das ist er­for­der­lich, um die in wei­ten Tei­len ma­ro­de In­fra­struk­tur zu sa­nie­ren oder den Woh­nungs­bau

nur schwer zu ver­ein­ba­ren“, er­klär­te der SPD-Po­li­ti­ker.

Die Schul­den­brem­se soll die Neu­ver­schul­dung ein­däm­men, er­laubt dem Bund aber, Kre­di­te in klei­nem Um­fang auf­zu­neh­men – et­wa um das Wachs­tum zu stär­ken. Die schwar­ze Null ist das Ziel ei­nes aus­ge­gli­che­nen Haus­halts oh­ne Neu­ver­schul­dung.

Lau­te Kramer bie­tet die Schul­den­brem­se aus­rei­chend Spiel­raum für In­ves­ti­tio­nen. „Wenn wir nun wie­der groß­zü­gig Schul­den auf­neh­men wür­den, ver­la­gern wir den Ka­pi­tal­dienst auf die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on. Das kann ein Rie­sen­de­sas­ter wer­den, das hat ja die welt­wei­te nach­hal­tig an­zu­kur­beln. Es bringt des­halb nichts, die „schwar­ze Null“wie ei­ne Mon­stranz vor sich her­zu­tra­gen. Statt­des­sen be­nö­tigt der Staat mehr Fle­xi­bi­li­tät und soll­te da­zu auch die Schul­den­brem­se ge­zielt lo­ckern. Öko­no­men emp­feh­len ein auf zehn Jah­re an­ge­leg­tes In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm von 450 Mil­li­ar­den Eu­ro. Wich­tig ist da­bei frei­lich, ge­nau zu de­fi­nie­ren, wo­für das Geld aus­ge­ge­ben wird. Und über­fäl­lig ist, Pla­nungs­und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu be­schleu­ni­gen.

Fi­nanz­kri­se vor ein paar Jah­ren ge­zeigt.“Es ge­be zwar ei­nen In­ves­ti­ti­ons­stau, räum­te Kramer ein. „Wir schie­ben aber gleich­zei­tig am Jah­res­en­de et­wa 60 Mil­li­ar­den Eu­ro an nicht ab­ge­ru­fe­nen In­ves­ti­ti­ons­mit­teln und Haus­halts­re­ser­ven vor uns her.“In­ves­ti­tio­nen schei­ter­ten nicht am Geld, Hin­ter­grund sei­en schlep­pen­de Pla­nungs­und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren. Schweit­zer er­gänz­te, der Staat er­war­te in 2019 ei­nen Über­schuss von knapp 40 Mil­li­ar­den Eu­ro al­lein bei Bund, Län­dern und Ge­mein­den. „Steu­er­mit­tel für zu­sätz­li­che In­ves­ti­tio­nen sind al­so da.“

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