Die Land­schaft soll er­zäh­len

Zwei neue Ver­fil­mun­gen von Char­lot­te-Link-Best­sel­lern im Ers­ten

Meppener Tagespost - - MEDIEN / FERNSEHEN - Von Susanne Ha­ver­kamp

Char­lot­te Link gilt hier­zu­lan­de als ei­ne der er­folg­reichs­ten Au­to­rin­nen der Ge­gen­wart. Al­lein in Deutsch­land hat sie an die 30 Mil­lio­nen Bü­cher ver­kauft, neue Ro­ma­ne ha­ben auch schon mal ei­ne Start­auf­la­ge von 600000. „Sie hat ein enor­mes er­zäh­le­ri­sches Ta­lent“, sagt Ben­ja­min Be­ne­dict. „Sie er­fin­det span­nen­de Fi­gu­ren, de­ren Ge­heim­nis­se sich lang­sam ent­blät­tern. Man kann bei Wen­de­punk­ten zu­se­hen, das al­les ist gro­ße Er­zähl­kunst.“

Und die hat längst auch das In­ter­es­se des Fern­se­hens ge­weckt. Vor zwan­zig Jah­ren kam das ers­te Buch ins Pro­gramm, als das ZDF den Ro­man „Die Sün­de der En­gel“ver­film­te. Zehn wei­te­re Ro­ma­ne folg­ten bis 2009. Dann war ei­ne Pau­se. „2013 ha­ben wir dann ’Das an­de­re Kind’ als Zwei­tei­ler für das Ers­te pro­du­ziert“, sagt Ben­ja­min Be­ne­dict, Ge­schäfts­füh­rer von Ufa Fic­tion.

Heu­te und nächs­ten Don­ners­tag sind die Filme fünf und sechs zu se­hen. „Für uns ist es ein gro­ßes Ge­schenk, ver­fil­men zu dür­fen, was in den Bü­chern an krea­ti­ven Ide­en drin­steckt“, sagt er. „Aber auch ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung.“

Tü­cken di­cker Bü­cher

Denn die Ver­fil­mung von di­cken Bü­chern hat ih­re Tü­cken. „Wir müs­sen uns auf den Kern kon­zen­trie­ren“, sagt Be­ne­dict. „Und na­tür­lich kön­nen wir, an­ders als das Buch, den Men­schen nur vor den Kopf schau­en und nicht hin­ein in ih­re Ge­dan­ken.“Des­halb brau­che es gu­te Schau­spie­ler, „de­nen man beim Den­ken zu­schau­en kann“, sagt Be­ne­dict.

An­de­rer­seits ha­be das Ver­fil­men auch sei­nen Reiz. „Bei den Bü­chern von Char­lot­te Link ist die Land­schaft wich­tig, des­halb dre­hen wir nur an Ori­gi­nal­schau­plät­zen“, so der Pro­du­zent. „Auch für Le­ser kommt des­halb die Um­ge­bung viel nä­her. Be­kannt­lich sagt ja ein Bild manch­mal mehr als tau­send Wor­te.“

So wur­de für den heu­ti­gen Film „Im Tal des Fuch­ses“vier Wo­chen lang in Wa­les ge­dreht. „Das ist na­tür­lich ein enor­mer Auf­wand, das lan­ge Rei­sen von so vie­len Men­schen“, sagt Be­ne­dict. „Aber es ist al­ter­na­tiv­los. Au­then­tisch kann man nur vor Ort dre­hen, wo al­les et­was an­ders ist, vom Links­ver­kehr bis zum Was­ser­hahn.“Und na­tür­lich trägt die im­po­san­te Land­schaft von Wa­les ei­nen Gut­teil der be­droh­li­chen At­mo­sphä­re des ge­sam­ten Films.

Den­noch sind manch­mal nicht nur Le­ser, son­dern auch die Au­to­rin­nen und Au­to­ren un­zu­frie­den mit Li­te­ra­tur­ver­fil­mun­gen. Auch Char­lot­te Link? „Nein, denn wir ar­bei­ten ge­mein­sam dar­an“, sagt Ben­ja­min Be­ne­dict. „Wir tref­fen uns, dis­ku­tie­ren die Dreh­bü­cher und Char­lot­tes An­mer­kun­gen. Das ist je­des Mal ein wirk­lich gu­ter Dia­log zwi­schen Char­lot­te, der ARD/Degeto und uns.“Was aber nur funk­tio­niert, wenn die Buch­au­to­ren die An­ders­ar­tig­keit des Films ver­ste­hen. „Wir müs­sen manch­mal Fi­gu­ren oder Hand­lungs­strän­ge trans­for­mie­ren, weil sie im Film nicht funk­tio­nie­ren. Aber Char­lot­te Link weiß um die­sen Ve­rän­de­rungs­pro­zess, das ist im­mer ein schö­ner Aus­tausch.“

Men­schen, die heu­te „Im Tal des Fuch­ses“se­hen oder „Die Ent­schei­dung“, die nächs­te Wo­che Don­ners­tag ge­zeigt wird, und ei­nes der Bü­cher ge­le­sen ha­ben, müs­sen sich al­so auf klei­ne­re Über­ra­schun­gen ein­stel­len. Trotz­dem wür­de Ben­ja­min Be­ne­dict auch Le­se­fans emp­feh­len, die Filme an­zu­schau­en. „Es ist ei­ne Wie­der­be­geg­nung. So, als ob man sich mit je­mand an­de­rem über das Buch un­ter­hält. Es ist et­was an­ders, als man es selbst in Er­in­ne­rung hat, aber auch beim Le­sen emp­fin­det ja je­der das Buch ver­schie­den, und je­der hat an­de­re Bil­der im Kopf.“

Un­ter­schied­li­che Wel­ten

Und wel­chen der bei­den Filme hält er für den bes­se­ren? Der Pro­du­zent lacht. „Das ist so, als wür­den Sie ei­nen Va­ter fra­gen, wel­ches Kind er lie­ber hat.“Nein, er fin­det bei­de toll, auch wenn sie „in ganz ver­schie­de­nen Wel­ten“spiel­ten: das „Tal Fuch­ses“mit Li­sa Bit­ter und Ben­ja­min Sad­ler in der dra­ma­ti­schen Land­schaft von Wa­les, die dem Film et­was Mys­ti­sches und Frem­des ver­leiht; und „Die Ent­schei­dung“mit Fe­lix Kla­re und Jas­na Frit­zi Bau­er, ge­dreht in Süd­frank­reich und Paris, als ein Ur­lau­ber durch ei­ne klei­ne Ent­schei­dung in ein gro­ßes Mäd­chen­händ­ler­dra­ma ver­wi­ckelt wird. „Schau­en Sie bei­de“, sagt Ben­ja­min Be­ne­dict, „es lohnt sich.“

Im Tal des Fuch­ses. Das Ers­te, heu­te, 20.15 Uhr;

Die Ent­schei­dung. Das Ers­te, Don­ners­tag, 9. Ja­nu­ar, 20.15 Uhr.

Fo­to: ARD Degeto/François Lef­eb­v­re

Um Mäd­chen­han­del geht es in „Die Ent­schei­dung“. Nat­ha­lie (Jas­na Frit­zi Bau­er) be­kommt Pro­ble­me, weil sie sich ein­mischt.

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