Krieg der Söld­ner

In Li­by­en kämp­fen aus­län­di­sche Grup­pen auf bei­den Sei­ten des Kon­flikts

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Als be­son­ders bru­ta­le Kämp­fer ver­brei­te­ten die Mit­glie­der der Jan­ja­weed­Mi­liz vor 15 Jah­ren im Su­dan Angst und Schre­cken. Jetzt taucht die Grup­pe wie­der auf – im Nach­bar­land Li­by­en. Mit Flug­zeu­gen der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te (VAE) sei­en Jan­ja­weed-Trup­pen in das Bür­ger­kriegs­land ge­flo­gen wor­den, be­rich­tet die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Eu­ro-Med.

Die VAE un­ter­stüt­zen in Li­by­en den Re­bel­len­ge­ne­ral Kha­li­fa Haftar im Krieg ge­gen die von den UN an­er­kann­te Ein­heits­re­gie­rung. Mehr als 1500 Su­da­ne­sen sol­len in­zwi­schen für Haftar kämp­fen, der in den ver­gan­ge­nen Wo­chen mi­li­tä­ri­sche Fort­schrit­te ver­bu­chen konn­te. Die Emi­ra­te sind aber nicht der ein­zi­ge aus­län­di­sche Ak­teur, der sei­ne In­ter­es­sen in Li­by­en mit der Hil­fe von Söld­nern durch­set­zen will.

„Es kom­men ei­ne Men­ge jun­ger Män­ner“, sag­te ein su­da­ne­si­scher Kom­man­deur in Li­by­en der Zei­tung „Guar­di­an“. „Wir wis­sen über­haupt nicht, wie wir sie un­ter­brin­gen sol­len.“Laut Eu­ro-Med er­hal­ten die Jan­ja­weed ei­nen Sold von um­ge­rech­net et­wa 20 Eu­ro im Mo­nat.

We­sent­lich bes­ser be­zahlt sind of­fen­bar Mi­li­zio­nä­re aus Sy­ri­en, die von der Tür­kei aus­ge­bil­det und nach Li­by­en ge­schickt wer­den. Die­se Kämp­fer er­hal­ten dem­nach bis zu 2500 Dol­lar für ei­nen sechs­mo­na­ti­gen Ein­satz. An­ders als die VAE steht An­ka­ra auf der Sei­te der Ein­heits­re­gie­rung – die Sy­rer könn­ten al­so auf dem Schlacht­feld auf die Jan­ja­weed tref­fen. Men­schen­recht­ler be­rich­ten, 300 Sy­rer sei­en be­reits in Li­by­en ein­ge­trof­fen. Das wird von An­ka­ra und der Re­gie­rung in Tri­po­lis al­ler­dings de­men­tiert.

Rus­sen mi­schen mit

Kein Zwei­fel be­steht an der An­we­sen­heit rus­si­scher Söld­ner, die wie die Jan­ja­weed für Haftar kämp­fen. Nach ei­ner Schät­zung west­li­cher Re­gie­rungs­ver­tre­ter sind seit Sep­tem­ber rund 1000 Kämp­fer der rus­si­schen Si­cher­heits­fir­ma Wa­gner in Li­by­en ein­ge­trof­fen. Sie mi­schen als In­fan­te­ris­ten, Ar­til­le­ris­ten und Scharf­schüt­zen bei Haft­ars An­griff auf Tri­po­lis mit.

Die Re­gie­rung in Mos­kau be­strei­tet den Söld­ner-Ein­satz, doch laut Ex­per­ten wä­ren die Wa­gner-Leu­te oh­ne grü­nes Licht aus dem Kreml wohl kaum in Li­by­en ak­tiv. Söld­ner des Un­ter­neh­mens wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch in der Ukrai­ne und Sy­ri­en ein­ge­setzt. Beim Vor­stoß ei­nes Wa­gner-Trupps in den ame­ri­ka­nisch kon­trol­lier­ten Os­ten Sy­ri­ens wur­den im Früh­jahr 2018 Hun­der­te rus­si­sche Kämp­fer von der US-Luft­waf­fe ge­tö­tet.

Trotz der vie­len Op­fer gab es da­mals kei­ne gro­ße Kri­se zwi­schen den USA und Russ­land – bei­de Län­der be­han­del­ten den Fall dis­kret. Dies deu­tet auf ei­nen wich­ti­gen Aspekt des Söld­ner-Ein­sat­zes hin: Die be­tei­lig­ten Staa­ten kön­nen sich leicht da­von dis­tan­zie­ren. Aus­län­di­sche Ak­teu­re kön­nen ih­ren Ein­fluss mit­hil­fe der Söld­ner wah­ren oder aus­wei­ten, oh­ne di­rekt für das Blut­ver­gie­ßen ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den zu kön­nen. Au­ßer­dem müs­sen sie kei­ne Sol­da­ten ih­rer re­gu­lä­ren Ar­me­en op­fern.

Auch den Kon­flikt­par­tei­en in Li­by­en sind die aus­län­di­schen Kämp­fer aus meh­re­ren Grün­den will­kom­men. Zum ei­nen kön­nen Haftar und die Ein­heits­re­gie­rung die je­weils ei­ge­nen Trup­pen ver­stär­ken, oh­ne da­für be­zah­len zu müs­sen – die Rech­nung über­neh­men die aus­län­di­schen Un­ter­stüt­zer. Zum an­de­ren brin­gen die Pro­fis aus dem Aus­land oft viel Er­fah­rung und ei­ne mo­der­ne Aus­rüs­tung mit. So ar­bei­ten die Wa­gner-Söld­ner mit Stör­sen­dern, die den Ein­satz geg­ne­ri­scher Droh­nen un­ter­bin­den kön­nen.

Vor­rei­ter Black­wa­ter

Kei­ner der Be­tei­lig­ten scheint sich an den Schat­ten­sei­ten des Söld­ner-Ein­sat­zes zu stö­ren. Der Kon­flikt in Li­by­en wird durch die Pri­vat­sol­da­ten un­be­re­chen­ba­rer, was für an­de­re Streit­fäl­le in der Region schwe­re Fol­gen ha­ben könn­te. Wenn Söld­ner zur Ver­fü­gung ste­hen, sinkt die Schwel­le für den Waf­fen­ein­satz. Un­heil­vol­ler Trend­set­ter ist die US-Fir­ma Black­wa­ter, de­ren Söld­ner nach der IrakIn­va­si­on von 2003 schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen be­gin­gen: 2007 tö­te­ten sie 17 Zi­vi­lis­ten in Bagdad.

Ob­wohl ei­ne UN-Kon­ven­ti­on seit 2001 das Söld­ner­tum ver­bie­tet, ge­hen die Ein­sät­ze der Pri­vat­sol­da­ten wei­ter. Län­der wie die USA, Russ­land oder Chi­na ha­ben die Kon­ven­ti­on nicht un­ter­zeich­net.

Erst mal an­kom­men… Ka­ri­ka­tur: Burk­hard Mohr

Fo­to: dpa/Am­ru Sa­la­hud­di­en

Seit Jah­ren spre­chen die Waf­fen im li­by­schen Bür­ger­krieg – auch die vie­ler aus­län­di­scher Söld­ner.

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