We­ni­ger Kampf­prei­se für Flug­ti­ckets

Start­ver­bot für die Bo­eing 737 Max könn­te der Bran­che ei­ne Atem­pau­se ver­schaf­fen

Meppener Tagespost - - WIRTSCHAFT -

Für zehn Eu­ro nach Mallor­ca? Die De­bat­te um spott­bil­li­ge Flug­ti­ckets und der Wunsch nach mehr Kli­ma­schutz dürf­ten Eu­ro­pas Flug­ge­sell­schaf­ten auch im neu­en Jahr be­glei­ten. Da­bei geht es bei den Bil­lig­flü­gen nicht nur um den wach­sen­den CO2-Aus­stoß – son­dern auch dar­um, wie vie­le Air­lines in der Preis­schlacht noch die Flü­gel strei­chen müs­sen. Iro­ni­scher­wei­se könn­te aus­ge­rech­net das an­hal­ten­de Flug­ver­bot für die Bo­eing 737 Max der Bran­che und der Um­welt ei­ne Atem­pau­se ver­schaf­fen.

Schon 2019 hat­te sich das Kli­ma-The­ma im­mer wie­der mit der Fra­ge nach der Wirt­schaft­lich­keit des Ge­schäfts ver­bun­den. Luft­han­sa-Chef Carsten Sp­ohr be­zeich­ne­te Flug­ti­ckets für un­ter zehn Eu­ro als „öko­lo­gi­schen und öko­no­mi­schen Wahn­sinn“. Und die Rya­nair-Toch­ter Lau­da­mo­ti­on kon­ter­te mit ei­ner Wer­be­ak­ti­on zu Prei­sen, die „die Kon­kur­renz nicht se­hen“wol­le – auch um ih­re Ma­schi­nen ir­gend­wie mit Pas­sa­gie­ren voll­zu­be­kom­men. Ei­nen wei­te­ren Zu­schlag ver­langt in je­dem Fall der deut­sche Staat mit der ab 1. April 2020 deut­lich er­höh­ten Luft­ver­kehrs­steu­er.

Was der Kun­de spart, be­zahlt der Ak­tio­när. Wie Lau­da­mo­ti­on flog auch die Luft­han­sa-Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings 2019 tief in den ro­ten Zah­len.

Dass die Un­ter­neh­men das durch­hal­ten, liegt an ih­ren fi­nanz­star­ken Mut­ter­kon­zer­nen. Doch ei­ne Dau­er­lö­sung ist das nicht. Al­lein 2019 muss­ten et­wa der deut­sche Fe­ri­en­flie­ger Ger­ma­nia, die is­län­di­sche Wow Air und der bri­ti­sche Rei­se­kon­zern Tho­mas Cook In­sol­venz an­mel­den.

An­ge­bot ver­klei­nert

Schon des­halb fin­den es Bran­chen­ex­per­ten gut, dass die Bran­che beim Aus­bau ih­res Flug­an­ge­bots in­zwi­schen et­was Schub raus­neh­men muss. „Die Flug­plä­ne für den Win­ter sind er­mu­ti­gend“, schreibt Luft­fahrt­ex­per­te Da­ni­el Roe­s­ka vom Ana­ly­sehaus Bern­stein. Ins­ge­samt dürf­te der Flug­ver­kehr in­ner­halb der EU im Win­ter­halb­jahr nur noch um zwei Pro­zent wach­sen. Vor al­lem in Deutsch­land und Spa­ni­en hät­ten Air­lines zu Dis­zi­plin ge­fun­den.

Das sieht man auch an den deut­schen Air­ports so. „Rya­nair re­du­ziert stark an ein­zel­nen Stand­or­ten, Ea­sy­jet dünnt das An­ge­bot ge­zielt aus, und Eu­ro­wings nimmt vor al­lem in­ner­deutsch viel Ka­pa­zi­tät aus dem Markt“, be­rich­te­te der Flug­ha­fen­ver­band ADV. Die Luft­han­sa will Eu­ro­wings mit dem Rück­zug in Rich­tung Ge­winn­zo­ne hie­ven, zu­dem will sie die tou­ris­ti­schen Fern­flü­ge neu or­ga­ni­sie­ren. Das Ziel schwar­zer Zah­len bei der Bil­lig­toch­ter muss­te Luft­han­sa oh­ne­hin schon auf 2021 ver­schie­ben.

Eu­ro­pas größ­tem Bil­lig­flie­ger Rya­nair kam bei sei­nen Wachs­tums­plä­nen die schwe­re Kri­se des Flug­zeug­bau­ers Bo­eing da­zwi­schen. Die iri­sche Air­line hat 135 Ex­em­pla­re des Mit­tel­stre­cken­jets Bo­eing 737 Max be­stellt, doch nach zwei Ab­stür­zen mit zu­sam­men 346 To­des­op­fern bei an­de­ren Flug­ge­sell­schaf­ten darf der US-Kon­zern den Typ seit ver­gan­ge­nem März nicht mehr aus­lie­fern. Und die schon ge­lie­fer­ten Jets dür­fen welt­weit nicht mehr ab­he­ben.

Rya­nair-Chef Micha­el O’Lea­ry war­tet sehn­lichst auf die neu­en Ma­schi­nen, um sei­ne Flot­te von der­zeit über 450 Bo­eing-Jets wei­ter zu ver­grö­ßern. Wann die Be­hör­den ei­ne neue Frei­ga­be er­tei­len, ist noch of­fen. Bis es so weit sei, brem­se das Start­ver­bot erst mal den Aus­bau des bran­chen­wei­ten Flug­an­ge­bots auch in Eu­ro­pa, schreibt Ex­per­te Roe­s­ka. Die Ti­cket­prei­se dürf­ten vor­erst nicht wei­ter ins Bo­den­lo­se sin­ken.

Der Welt­luft­fahrt­ver­band IATA sagt Eu­ro­pas Air­lines denn auch stei­gen­de Ge­win­ne vor­aus. Wäh­rend der Über­schuss der Bran­che 2019 um fast ein Drit­tel auf 6,2 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (5,6 Mrd. Eu­ro) ge­sun­ken sein dürf­te, rech­net IATA-Chef­öko­nom Bri­an Pe­ar­ce für 2020 mit ei­nem An­stieg auf 7,9 Mil­li­ar­den Dol­lar (7,13 Mrd. Eu­ro).

Die ins­ge­samt recht gu­te Ent­wick­lung ver­de­cke aber, dass ei­ne Rei­he von Ge­sell­schaf­ten Ver­lus­te schrei­be oder nur ge­ra­de so an der Ge­winn­schwel­le flie­ge.

Fo­to: dpa

Am eu­ro­päi­schen Him­mel könn­te die Zeit der Kampf­prei­se für Flug-Ti­ckets vor­erst vor­bei sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.