Chef ei­ner Ras­sel­ban­de

Ex-SVM-Ka­pi­tän Wa­gner über sei­ne Auf­ga­ben in Hannover und die Vor­freu­de auf den Bu­den­zau­ber

Meppener Tagespost - - EMSLANDSPO­RT - Von Uli Men­trup

„Wenn man bei ei­ner U 23 spielt, denkt man selbst, dass man im­mer noch 18 ist. Als die An­fra­ge vom SV Mep­pen kam, wuss­te ich wie­der, dass ich doch ein al­ter Sack bin“, grinst Mar­tin Wa­gner gut ge­launt. Der ehe­ma­li­ge Ka­pi­tän des SVM gibt ein ein­tä­gi­ges Come­back in der Tra­di­ti­ons­mann­schaft beim Bu­den­zau­ber der Fuß­ball­le­gen­den am mor­gi­gen Sams­tag ab 17.30 Uhr in der Lin­ge­ner Ems­land­a­re­na.

„Ei­ne coo­le Sa­che. Dass man an mich ge­dacht hat, ist ein Zei­chen der Wert­schät­zung“, sagt Wa­gner. So ein Tur­nier ma­che Spaß mit Geg­nern wie Wer­der Bre­men, Schal­ke 04, VfL Osnabrück, Her­tha BSC Berlin und den VfL Bochum.

Sechs Jah­re beim SVM

Sechs Jah­re hat der 33-Jäh­ri­ge beim SVM ge­spielt, fei­er­te die Meis­ter­schaft der Re­gio­nal­li­ga und den Auf­stieg in die 3. Li­ga, war im DFB-Po­kal­spiel ge­gen den 1. FC Köln da­bei. High­lights in Blau-Weiß. Wa­gner war seit 2016 Mann­schafts­ka­pi­tän, ein Jahr zu­vor Stell­ver­tre­ter von Jo­han Wig­ger, ab­sol­vier­te 210 Pflicht­spie­le, in de­nen er 32 To­re er­ziel­te. „Der SVM ist mein Ver­ein“, hat er zum Ab­schied im Som­mer 2019 be­kannt. Der Fi­li­gran­tech­ni­ker, Bei­na­me Ems­lan­dMes­si, freut sich auf den Bu­den­zau­ber be­son­ders an der Sei­te sei­ner ehe­ma­li­gen Mit­spie­ler Jens Rob­ben (36) und Den­nis Gei­ger (35) auf­zu­lau­fen – ei­ne Ab­wechs­lung zu sei­nem ak­tu­el­len Job in der U 23 von Hannover 96 in der Re­gio­nal­li­ga Nord.

In der Lan­des­haupt­stadt führt Wa­gner an der Sei­te des 36-jäh­ri­gen Ab­wehr­spie­lers Chris­ti­an Schulz (Wer­der Bre­men, Hannover 96, Sturm Graz, vier A-Län­der­spie­le) die Ta­l­ent­schmie­de von Hannover 96 II, er ist Chef ei­ner Ras­sel­ban­de mit höchs­tem Aus­bil­dungs­ni­veau.19 Spie­le hat er in der ak­tu­el­len Sai­son be­strit­ten, zwei To­re er­zielt. Als 13. hat das Team ei­nen Si­cher­heits­ab­stand zu den Ab­stiegs­rän­gen.

„Das ist ei­ne völ­lig an­de­re Si­tua­ti­on als vor­her beim SV Mep­pen“, sagt Wa­gner. Er hat sie be­wusst ge­wählt. „Ich woll­te et­was an­de­res ken­nen­ler­nen, das für mei­ne Ent­wick­lung wich­tig sein kann“, stellt der Wo­che­n­end-Ems­län­der fest. Er be­kommt Ein­bli­cke in die Struk­tu­ren ei­nes Pro­fi­ver­eins mit Erst­li­ga-Am­bi­tio­nen, ist en­ger Ge­sprächs­part­ner von Trai­ner Chris­toph Da­b­row­ski und Micha­el Tar­nat, dem Lei­ter des 96-Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums. „Wir re­den dar­über, was wir noch ver­bes­sern kön­nen.“

Ge­ra­de zum Sai­son­start war es nicht leicht. Fast al­le Zu­gän­ge ka­men aus Nach­wuchs­teams, vor al­lem aus dem ei­ge­nen Stall. „Das ist ganz an­ders als in ei­ner er­fah­re­nen Mann­schaft“, sagt Wa­gner. „Da kom­men drei, vier Neue für die Start­elf. Bei uns sol­len acht, neun so­fort spie­len, die ge­ra­de erst den Sprung in den Se­nio­ren­be­reich ge­macht ha­ben.“Reiz­voll, aber an­stren­gend nennt er die Be­din­gun­gen.

„Im­mer voll Po­wer“

Der ge­bür­ti­ge Re­gens­bur­ger, der in der Ju­gend beim FC Bay­ern Mün­chen und beim 1. FC Nürnberg aus­ge­bil­det wur­de, trägt Ver­ant­wor­tung: „Ich soll die Jungs füh­ren.“Auf dem Platz im of­fen­si­ven oder de­fen­si­ven Mit­tel­feld. Die Ta­len­te sind hoch mo­ti­viert, ma­chen sich selbst Druck. „Die wol­len nach oben“, weiß Wa­gner. Und ganz nach oben schaf­fen es doch nur we­ni­ge. „Da ist je­des Trai­ning voll Po­wer, auch nach zwei Sie­gen lässt nie­mand nur ei­nen Tick nach. Je­der will sich prä­sen­tie­ren.“

„Aber man sieht auch, was die Jungs drauf ha­ben“, zeigt sich Wa­gner be­ein­druckt. Als top be­zeich­net er die Be­din­gun­gen im Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum, in dem die Grund­la­gen ge­legt wer­den. „Die Spie­ler wer­den früh ge­för­dert und be­glei­tet, in­ten­siv auf den Pro­fi­fuß­ball vor­be­rei­tet.“Der ehe­ma­li­ge Mep­pe­ner führt drei Bei­spie­le an.

Schon in jun­gen Jah­ren wer­de fast täg­lich im Be­reich Kraft und Be­we­gung trai­niert. Je­des Team ha­be ei­nen ei­ge­nen Ath­le­tik­trai­ner, der die Spie­ler in­di­vi­du­ell för­de­re. Da er auch die an­de­ren Trai­nings­plä­ne ken­ne, kön­ne der Coach sie op­ti­mal an­pas­sen. „Man sieht, wie die Jungs sich ver­bes­sern. Sol­che Mög­lich­kei­ten hat­ten wir frü­her nicht.“Ganz ge­zielt er­kun­di­gen sich die Spie­ler nach Wa­g­ners An­ga­ben, wie sie sich bes­ser er­näh­ren könn­ten, um die letz­ten Pro­zent­punk­te her­aus­zu­kit­zeln. Zu­dem küm­mer­ten sich Psy­cho­lo­gen um die Ta­len­te. „Sie ge­ben wich­ti­ge Tipps.“

Rück­kehr mög­lich?

Wich­tig sei aber auch die Fle­xi­bi­li­tät, Ge­duld und Lei­den­schaft der Trai­ner. Die Ta­len­te dürf­ten Feh­ler ma­chen. „Rück­schlä­ge ge­hö­ren da­zu“, er­klärt der 33-Jäh­ri­ge, der auch in der kom­men­den Sai­son ver­trag­lich bei 96 ge­bun­den ist. „Wir wol­len den Jungs den Weg nach oben zei­gen.“

Da­bei ma­che es Spaß, die Ent­wick­lung der Spie­ler zu ver­fol­gen. Das sor­ge für Er­folgs­er­leb­nis­se. „Man er­kennt die Fort­schrit­te, freut sich, wenn der ei­ne oder an­de­re bei den Pro­fis mit­trai­niert.“

Manch­mal denkt Wa­gner weh­mü­tig an den SVM, et­wa wenn er selbst mit sei­nem neu­en Klub vor klei­ner Ku­lis­se kickt, wäh­rend sein ExVer­ein vor 15 000 Zu­schau­ern in Braun­schweig spielt. Den Weg der Mep­pe­ner ver­folgt er, schaut so oft wie mög­lich Spie­le der Mann­schaft, hat noch et­li­che Kon­tak­te und te­le­fo­niert mit dem Trai­ner­team Chris­ti­an Neid­hart, Ma­rio Ne­u­mann und Da­ni­el Veh­ring, der „ein sehr gu­ter Freund ist“. Er freue sich für die Jungs, „dass es so gut läuft. Wer weiß, was noch mög­lich ist, wenn der SV Mep­pen gut in die Rück­run­de kommt.“Und wer weiß, wo­hin Wa­g­ners Weg noch führt. Ei­ne Rück­kehr ins Ems­land schließt er nicht aus.

Fo­to: Scholz Fo­to: Scholz

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