Weg­wei­ser für Pa­ti­en­ten

Un­ter der Hot­li­ne 116 117 kön­nen An­ru­fer seit Jah­res­be­ginn ei­nen Arzt­ter­min be­kom­men

Meppener Tagespost - - GUT ZU WISSEN -

Wenn es um ei­nen Ter­min beim Fach­arzt geht, ver­su­chen es die meis­ten ein­fach di­rekt in der Pra­xis. Doch manch­mal ist es ner­vig, erst meh­re­re Ärz­te ab­zu­klap­pern, bis man end­lich fün­dig wird. Und wel­che Pra­xis hat ei­gent­lich ge­ra­de Be­reit­schaft, wenn ei­nem sonn­tags plötz­lich un­wohl wird? Für die­se Fäl­le sol­len sich Kas­sen­pa­ti­en­ten seit Jah­res­an­fang nur noch ei­ne Te­le­fon­num­mer mer­ken müs­sen: 116 117. Das aus­ge­bau­te An­ge­bot soll auch er­rei­chen, dass nicht mehr so vie­le Pa­ti­en­ten gleich ins Kran­ken­haus ge­hen, stun­den­lan­ges War­ten in über­las­te­ten Not­auf­nah­men in­klu­si­ve. Die Er­war­tun­gen sind hoch.

Die 116117 wer­de jetzt zu ei­nem „Pa­ti­en­ten-Na­vi“, sagt der Chef der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV), Andre­as Gas­sen. „Die pri­mä­re Art, ei­nen Ter­min zu or­ga­ni­sie­ren, wird im­mer noch die Pra­xis blei­ben.“Für al­le oh­ne Ter­min soll die Hot­li­ne aber ei­ne zen­tra­le An­lauf­mög­lich­keit sein. Auch die Ver­brau­cher­zen­tra­len emp­feh­len, sich die 116 117 an den Kühl­schrank oder den Spie­gel zu schrei­ben, wie der Chef des Bun­des­ver­bands (vz­bv), Klaus Mül­ler, sagt.

Für das neue An­ge­bot wird die schon seit 2012 exis­tie­ren­de Num­mer für den Be­reit­schafts­dienst der Ärz­te au­ßer­halb der Pra­xis­zei­ten deut­lich aus­ge­baut. War sie bis­her nur nachts und je nach Bun­des­land auch an man­chen Nach­mit­ta­gen zu er­rei­chen, soll künf­tig gel­ten: je­den Tag, rund um die Uhr. Die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen in den Län­dern ha­ben ih­re Call­cen­ter auf­ge­stockt. Da­mit ver­zahnt wer­den nun auch be­ste­hen­de Te­le­fon­stel­len, die Fach­arz­tTer­mi­ne ver­mit­teln. Auch sie wa­ren bis­her je nach Land zu ver­schie­de­nen Uhr­zei­ten er­reich­bar. Kon­kret geht es um Hil­fe­stel­lung bei zwei An­lie­gen:

An­ru­fer mit aku­ten Be­schwer­den: Hat zum Bei­spiel ein klei­nes Kind ho­hes Fie­ber oder ein äl­te­rer Mann nach ei­nem We­spen­stich ro­te Fle­cken, soll die 116 117 ein „Weg­wei­ser“sein. Pa­ti­en­ten sol­len am Te­le­fon ei­ne ers­te Ein­schät­zung be­kom­men, wie dring­lich sie be­han­delt wer­den müs­sen, so­fern es kein Not­fall ist: schnellst­mög­lich, bin­nen 24 St­un­den oder spä­ter. Me­di­zi­nisch ge­schul­te Mit­ar­bei­ter im Call­cen­ter fra­gen da­für mit­hil­fe ei­ner Soft­ware Sym­pto­me, Vo­r­er­kran­kun­gen und Ri­si­ko­fak­to­ren ab – und lot­sen Pa­ti­en­ten ent­spre­chend in ei­ne Pra­xis oder ei­ne Kli­nik wei­ter. Um ei­ne Dia­gno­se geht es aus­drück­lich noch nicht.

An­ru­fer auf Ter­min­su­che: Als Al­ter­na­ti­ve zum Nach­fra­gen di­rekt in ei­ner Pra­xis ver­mit­teln „Ter­min­ser­vice­stel­len“schon jetzt freie Sprech­zei­ten bei Fach­ärz­ten bin­nen vier Wo­chen, aber nicht un­be­dingt beim Wun­sch­arzt. Künf­tig sol­len über die 116117 auch Ter­mi­ne bei Haus- und Kin­der­ärz­ten zu ha­ben sein, und das auch zur dau­er­haf­ten Be­treu­ung. Pra­xen sol­len freie Ter­mi­ne da­für in ein Com­pu­ter­sys­tem ein­stel­len. Als An­reiz winkt ih­nen au­ßer­dem ex­tra Geld für Pa­ti­en­ten, die so ver­mit­telt wur­den.

Wie die Hot­li­ne an­ge­nom­men wird und wie rei­bungs­los al­les läuft, muss sich zei­gen. „Ob das nur ein gu­tes Ver­spre­chen oder nach­her auch Rea­li­tät ist, wer­den wir mit kri­ti­schen Au­gen be­glei­ten“, sagt Ver­brau­cher­schüt­zer Mül­ler. Ewi­ge War­te­schlei­fen kä­men wohl nicht so gut an. Die KBV-Ex­per­ten rech­nen für 2020 mit rund zehn Mil­lio­nen An­ru­fern nach gut sie­ben Mil­lio­nen beim klei­ne­ren „al­ten“An­ge­bot im ver­gan­ge­nen Jahr – bei üb­ri­gens ins­ge­samt mehr als 500 Mil­lio­nen Be­hand­lungs­fäl­len in Pra­xen pro Jahr.

Fo­to: dpa/Ben­ja­min Ul­mer

Statt bei meh­re­ren Fach­ärz­ten an­zu­ru­fen, kön­nen Pa­ti­en­ten un­ter der Hot­li­ne ei­nen Ter­min ver­ein­ba­ren.

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