Ge­nerv­te Kun­den und viel Pa­pier­müll

Das be­deu­tet die Bon­pflicht für ei­nen Bä­cker aus Mep­pen

Meppener Tagespost - - LOKALES - Von Ja­na Probst und Wilfried Rog­gen­dorf

Seit dem 1. Ja­nu­ar sind Händ­ler mit elek­tro­ni­schen Kas­sen­sys­te­men da­zu ver­pflich­tet, je­dem Kun­den ei­nen Bon zur Ver­fü­gung zu stel­len. Für Ki­o­s­ke und Bä­cke­rei­en, in de­nen meis­tens klei­ne­re Be­trä­ge den Be­sit­zer wech­seln, be­deu­tet das ei­nen gro­ßen Mehr­auf­wand. Wie groß der ist, be­rich­tet der In­ha­ber ei­ner Bä­cke­rei­ket­te aus Mep­pen.

Gün­ther Hoyng führt die Stadt­bä­cke­rei Hoyng mit acht Fi­lia­len in Mep­pen, Haren und Twist. Er hat von sei­nem Händ­ler er­fah­ren, dass sei­ne Kas­sen we­der den Vor­ga­ben der neu­en Kas­sen­si­che­rungs­ver­ord­nung ent­spre­chen noch dem­ent­spre­chend nach­ge­rüs­tet wer­den kön­nen. Die Ver­ord­nung ver­pflich­tet die Be­trei­ber von elek­tro­ni­schen Kas­sen­sys­te­men da­zu, je­de Trans­ak­ti­on auf ei­nem zu­sätz­li­chen Spei­cher­me­di­um zu do­ku­men­tie­ren.

Kei­ne Fi­nanz­sprit­ze

Bei den Kas­sen, die sei­ne Fi­lia­len ver­wen­den, ist es tech­nisch nicht mög­lich, ein sol­ches Spei­cher­me­di­um an­zu­schlie­ßen. Hoyng muss des­halb bis En­de 2022 je­de ein­zel­ne Kas­se er­set­zen – neun ins­ge­samt. Wie viel ihn das kos­ten wird, kann er selbst noch nicht ab­schät­zen. Neu ha­ben die Mo­del­le um die 4000 Eu­ro ge­kos­tet. „Und ich ge­he nicht da­von aus, dass die seit­dem güns­ti­ger ge­wor­den sind.“An­ders als zum Bei­spiel in Ös­ter­reich, wo neu an­ge­schaff­te Kas­sen mit 200 Eu­ro be­zu­schusst wer­den, sieht das deut­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um kei­ne fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung vor.

Die Kas­sen­si­che­rungs­ver­ord­nung, auch Kas­sen­ge­setz ge­nannt, soll ver­hin­dern, dass Händ­ler nach­träg­lich Bu­chun­gen lö­schen kön­nen, um zum Bei­spiel Um­sät­ze vor dem Fi­nanz­amt zu ver­ste­cken. Gün­ther Hoyng sieht in sei­ner Bran­che je­doch we­nig Mög­lich­kei­ten zu ma­ni­pu­lie­ren. Denn die im Kas­sen­sys­tem ge­spei­cher­ten Da­ten sind für den Ablauf des Back­be­trie­bes ent­schei­dend: Dort kann Hoyng ab­le­sen, wie vie­le Bröt­chen oder Bro­te ver­kauft wur­den, und da­durch fest­le­gen, wie vie­le zu wel­cher Fi­lia­le nach­ge­lie­fert wer­den müs­sen. Wür­de je­mand Bu­chun­gen lö­schen, gä­be es auch Feh­ler bei der Wa­ren­lie­fe­rung. „Wir wür­den uns da­mit ja ins ei­ge­ne Knie schie­ßen“, macht er sei­nem Frust Luft.

Schon vor der Ein­füh­rung der Be­leg­pflicht konn­te je­der Kun­de in den Hoyng-Fi­lia­len auf Wunsch ei­nen Bon be­kom­men. Die Kas­sen ver­fü­gen über ei­ne Tas­te, über die je­der­zeit ein Be­leg ge­druckt wer­den konn­te. Der Bon-Dru­cker wird au­ßer­dem da­für ver­wen­det, nach La­den­schluss das Zähl­pro­to­koll für die Abrech­nung aus­zu­dru­cken. Nun wird bei je­dem Ver­kauf ein Be­leg ge­druckt, der dann meis­tens im Müll­ei­mer lan­det. „So gut wie kei­ner“neh­me das Stück Pa­pier tat­säch­lich mit, sagt Hoyng. So häuft sich der Pa­pier­müll in den Fi­lia­len. Trotz­dem wer­de die Re­ge­lung „mit Zäh­ne­knir­schen um­ge­setzt“, sagt Gün­ther Hoyng. Sei­ne Mit­ar­bei­ter im Ver­kauf müss­ten sich nun häu­fi­ger bü­cken, um den Dru­cker zu er­rei­chen. Denn der wur­de auf­grund der ge­rin­gen Nut­zung un­ter­halb des La­den­ti­sches plat­ziert. Man­che sei­ner Mit­ar­bei­ter hät­ten da­mit an­ge­fan­gen, je­den Kun­den ein­zeln zu fra­gen, ob sie den Be­leg mit­neh­men möch­ten. Hoyng ist je­doch über­zeugt, dass das die Käu­fer auf Dau­er ner­ven wer­de. Des­halb kom­men die Bons nun di­rekt zu den Bröt­chen in die Tü­te. „Das muss sich aber noch ein­spie­len“, meint der Bä­cker.

Dass die Ver­ord­nung in der Bä­cker­bran­che den be­ab­sich­tig­ten Nut­zen ha­ben wird, be­zwei­felt er. Zu­dem stört ihn, dass das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ihm und sei­nen Kol­le­gen nun nicht mehr mit der „Un­schulds­ver­mu­tung“be­geg­net. Ein Kol­le­ge in Ham­burg wür­de sich schlicht­weg wei­gern, der Be­leg­pflicht nach­zu­kom­men, be­rich­tet Hoyng. Ein an­de­rer ha­be an­ge­regt, je­den mit Bons ge­füll­ten Müll­sack nach Berlin ins Mi­nis­te­ri­um zu schi­cken – denn „die wol­len sie ja ha­ben“.

Auch wei­ter of­fe­ne Kas­se

Bo­ris Hoff­mann-Sche­vel, Ge­schäfts­füh­rer des Han­delsund Di­enst­leis­tungs­ver­ban­des Osnabrück-Ems­land, hat bis­lang noch kei­ne Rück­mel­dun­gen von Mit­glieds­be­trie­ben zur Bon­pflicht er­hal­ten. „Es wird sich im Lau­fe des Mo­nats her­aus­stel­len, ob es da­mit Pro­ble­me gibt“, sagt Hoff­mann-Sche­vel. Grö­ße­re Schwie­rig­kei­ten er­war­tet er je­doch nicht: „Die grö­ße­ren Be­trie­be dru­cken die Bons ja eh schon aus.“Und klei­ne­re Be­trie­be, die bis­her noch kei­ne elek­tro­ni­sche Kas­se hät­ten, müss­ten sich we­gen der Bon­pflicht kei­ne sol­che an­schaf­fen. „Es gibt auch wei­ter­hin die Mög­lich­keit der of­fe­nen Kas­se“, be­tont Hoff­mann-Sche­vel.

„Da­bei kön­nen wir auf die en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den Kin­der­gär­ten und Schu­len bau­en“

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Fo­tos: Ja­na Probst

Auch für ein Bröt­chen für 38 Cent wird seit dem 1. Ja­nu­ar ein Bon aus­ge­druckt.

muss Gün­ther Hoyng kom­plett aus­tau­schen. Für die Bons steht ein zu­sätz­li­cher Müll­ei­mer be­reit.

Sei­ne Kas­sen

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