Je­an Pütz

Meppener Tagespost - - WOCHENENDE! -

so et­was wie die Da­me oh­ne Un­ter­leib, die to­ta­le Sen­sa­ti­on, des­halb ka­men auch im­mer so vie­le“, sag­te der 2017 ver­stor­be­ne Frank Dos­tal, Grün­dungs­mit­glied der Ratt­les, „of­fi­zi­ell durf­te man erst ab 16 rein, aber mit ei­ner wil­den Brisk-Tol­le über dem Kon­fir­ma­ti­ons­an­zug oder Stö­ckel­schu­hen, Lip­pen­stift und hoch­tou­pier­ter Bie­nen­korb­fri­sur schaff­ten es auch Jün­ge­re.“

Al­ler­dings wur­de der Club so zur Ziel­schei­be des Ord­nungs­am­tes, Re­gie­rungs­amt­mann Kurt Falck for­der­te in ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Auf­ruf ein En­de der Um­ge­hung des Ju­gend­schut­zes so­wie „des Faust­rechts auf St. Pau­li“und streb­te die Schlie­ßung an. Der Kon­flikt schlug ho­he Wel­len, aber nach nur zwei­tä­gi­ger Zwangs­pau­se konn­te im Ju­ni 1963 wei­ter­ge­macht wer­den.

Der Na­me wur­de Mar­ke

Da­nach gab es kein Hal­ten mehr, und für ei­ne mo­nat­li­che Kon­zes­si­ons­ge­bühr von 1000 Mark wur­den un­ter dem Na­men „Star-Club“in Berlin, Köln, Kiel, Karls­ru­he, Flens­burg und Bielefeld Rock­clubs er­öff­net. So­gar im ke­nia­ni­schen Mom­ba­sa wur­de der Na­me ver­mark­tet. In­zwi­schen wa­ren auch deut­sche Bands wie die Ratt­les und die Ger­man Bonds mit im Boot, es gab Star-Club-An­steck­na­deln, TShirts und Pull­over.

1966 dann be­gann ei­ne In­va­si­on neu­er Stars, die ei­ne zwei­te gro­ße Blü­te­zeit ein­läu­te­ten. Ein­zi­ger Un­ter­schied: Sie ka­men nur noch für we­ni­ge Ta­ge oder für Ein­zel­auf­trit­te. Denn ih­re Ga­gen wa­ren mitt­ler­wei­le der­art hor­rend, dass bei­spiels­wei­se Ji­mi Hen­d­rix, die Ani­mals oder die als ers­te Su­per­group ge­prie­se­nen Cream mit Eric Clap­ton an der Gi­tar­re neue Ver­mark­tungs­stra­te­gi­en er­for­der­ten. Die Ka­pa­zi­tät des Star-Clubs mit gut 1000 Zu­schau­ern reich­te nicht län­ger aus, die Bands füll­ten nun gro­ße Hal­len und Sta­di­en, aus vie­len ehe­ma­li­gen Clubs wur­den schließ­lich Dis­co­the­ken. Nach ei­nem letz­ten Gast­spiel der En­g­län­der Har­din & York am Sil­ves­ter­tag 1969 muss­ten auch die neu­en Päch­ter Dos­tal und Band­kol­le­ge Achim Rei­chel den fi­nan­zell an­ge­schla­ge­nen Star-Club schlie­ßen.

Aus dem Mu­sik­mek­ka wur­de der Sex-Schup­pen Sa­l­am­bo, nach ei­nem Brand 1983 folg­te 1987 der Ab­riss. Heu­te er­in­nert nur noch ein Ge­denk­stein an die frü­he­re Exis­tenz des Kult-Clubs.

Fo­to: ima­go images/Sven Si­mon

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