Schnee­wal­zer mit Mi­ni-Trio

Es muss gar nicht groß sein: Drei Klei­ne in den Ös­ter­rei­cher Al­pen

Meppener Tagespost - - KFZWELT - Von Lothar Haus­feld

Wer in den Ber­gen auf ver­schnei­ten und ver­eis­ten Stra­ßen so­wie auf un­weg­sa­men Ne­ben­stre­cken si­cher vor­an­kom­men will, der braucht ein PSstar­kes und gro­ßes Fahr­zeug. Oder? Über­haupt nicht. Mit dem Fi­at Pan­da 4x4 Cross, dem Jeep Com­pass so­wie dem Jeep Re­ne­ga­de durf­ten wir im Inns­bru­cker Land gleich den drei­fa­chen Ge­gen­be­weis an­tre­ten, dass man auch mit zi­vil mo­to­ri­sier­ten und in­nen­stadt­taug­lich di­men­sio­nier­ten Fahr­zeu­gen ei­ne gu­te Fi­gu­ar im tie­fen Win­ter ab­ge­ben kann.

Fi­at Pan­da Cross

Nach­dem die zwei­strah­li­ge Bom­bar­dier Q400 beim An­flug auf den Flug­ha­fen

Innsbruck vor­bei an den wei­ßen Berg­spit­zen der Ti­ro­ler Al­pen von ei­nem kräf­ti­gen Wind so hef­tig durch­ge­rüt­telt wur­de, dass man­cher Pas­sa­gier mit ei­ner Ge­sichts­far­be aus dem Flie­ger aus­steigt, die ei­ne per­fek­te Tar­nung im Schnee ab­ge­ben wür­de, sind die Knie beim En­tern des klei­nen Pan­da Cross noch ziem­lich wack­lig. Da­zu passt erst ein­mal der wa­cker knat­tern­de Zwei­zy­lin­der-Mo­tor im ge­ra­de mal 3,65 Me­ter kur­zen 4x4-Pan­da.

Ent­lang ei­nes klei­nen Ne­ben­arms des Inn führt die Stre­cke ste­tig berg­auf. Am An­fang fehlt bei Tem­pe­ra­tu­ren jen­seits der zehn Grad noch je­de Spur von Schnee, doch je hö­her man fährt, um­so hö­her lie­gen auch die Schnee­mas­sen, zu­nächst noch rechts und links der Stra­ße. Kurz vor Kühtai, ei­nem Ski­fah­rer­mek­ka auf gut 2000 Me­tern Hö­he schließ­lich, sind auch die Stra­ßen von ei­ner di­cken Schnee­schicht be­deckt.

An das leb­haf­te Mi­ni-Motör­chen ha­ben wir uns mitt­ler­wei­le ge­wöhnt, und auch wenn sich das 0,9-Li­ter-Ag­gre­gat, das 85 PS auf die Stra­ße bringt, bei man­cher Stei­gung im zwei­ten Gang doch schwer­tut, so hat der kleins­te All­rad-Fi­at doch zu­ver­läs­sig und frei je­der Un­si­cher­heit den Weg nach oben ge­meis­tert.

Auch auf den ver­schnei­ten Stre­cken in und um Kühtai macht der Pan­da Cross ei­nen sou­ve­rä­nen Ein­druck, lässt sich nicht ein­mal von ei­nem un­acht­sam auf die Stra­ße schlur­fen­den Ski­fah­rer aus der Ru­he brin­gen – was man vom Fah­rer lei­der nur teil­wei­se sa­gen kann. Zum Glück be­kommt der schnei­di­ge, jun­ge Mann mit rie­si­ger Son­nen­bril­le im Ge­sicht und Ski­ern auf den Schul­tern nicht mit, wel­che Be­zeich­nun­gen ihm aus dem Pan­da nach dem spon­ta­nen Aus­weich­ma­nö­ver ent­ge­gen­ge­schleu­dert wer­den . . .

Jeep Com­pass

Mit 4,40 Me­tern Län­ge wirkt an­schlie­ßend der Jeep Com­pass fast schon ge­wal­tig im Ver­gleich zum Pan­da, doch im Rei­gen der SUV-Gi­gan­to­ma­nie spielt der Ita­loA­me­ri­ka­ner trotz­dem ei­ne Un­der­dog-Rol­le. Das al­ler­dings mit (fast) al­len Jeep-ty­pi­schen Of­f­road-Fä­hig­kei­ten. Ein voll­au­to­ma­ti­sches All­rad­sys­tem mit ein­stu­fi­gem Trans­fer­ge­trie­be, auch auf Dau­er-All­rad­be­trieb ein­stell­bar, so­wie das Selec-Ter­rain-Sys­tem für op­ti­ma­le Ab­stim­mung auf den je­wei­li­gen Un­ter­grund sor­gen für bes­ten Grip und viel Halt auf dem schma­len, kom­plett zu­ge­schnei­ten Pfad am Spei­cher­be­cken Län­gen­tal, an dem der in in­ten­si­vem „La­ser Blue“la­ckier­te Com­pass bes­tens mit der Far­be des Was­sers har­mo­niert.

Für die Schön­heit der Na­tur ha­ben zwei Kol­le­gen ge­ra­de nicht un­be­dingt Au­gen: Sie ha­ben sich mit ih­rem Abarth 595 auf der für Lang­läu­fer prä­pa­rier­ten Stre­cke in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung fest­ge­fah­ren. Pech: Auf der (ge­räum­ten) Stra­ße macht der 180 PS star­ke Gift­zwerg

zwar so gut wie al­le an­de­ren Fahr­zeug nass – nutzt nur lei­der jetzt nichts. Im­mer­hin: Als wir spä­ter vom Fo­to­gra­fie­ren wie­der zu­rück durch den knir­schen­den Schnee ge­fah­ren kom­men, hat ein Ab­schlep­per of­fen­sicht­lich den Bei­den aus der Pat­sche ge­hol­fen. Mit ei­nem Jeep wä­re das nicht pas­siert...

Jeep Re­ne­ga­de

Der kleins­te Jeep im Pro­gramm mar­kiert schließ­lich den Schluss­punkt des Schnee­wal­zers – und das in ei­nem be­son­ders knal­li­gen „Oma­ha Oran­ge“. „Bit­te so­fort ein­pa­cken und mit­brin­gen“, schmel­zen ins­be­son­de­re die weib­li­chen Kol­le­gin­nen in der hei­mi­schen Re­dak­ti­ons­stu­be an­ge­sichts ver­sen­de­ter Fo­tos des knuffi­gen All­rad-Zwergs ge­ra­de­zu da­hin. Gut, 4,24 Me­ter Län­ge sind im SUV-Duk­tus tat­säch­lich „klein“, aber für’s Hand­ge­päck dann doch ein paar Num­mern zu groß.

Auf den schma­len Stre­cken im Inns­bru­cker Hin­ter­land ist oft­mals nur ei­ne Hand­breit mehr als ei­ne Fahr­bahn ge­räumt, und der Neu­schnee ist noch gar nicht be­sei­tigt wor­den – al­les aber kein Pro­blem für den „Ab­trün­ni­gen“(Re­ne­ga­de be­deu­tet auf Deutsch Ab­trün­ni­ger oder Über­läu­fer), der als All­rad-Mo­dell na­tür­lich al­les an­de­re als ein Ab­trün­ni­ger ist.

Zwar steht der Re­ne­ga­de auf ei­ner Fi­at-Platt­form, auf der auch der 500X auf­baut, wird ge­mein­sam mit sei­nem Kon­zern­bru­der im ita­lie­ni­schen Mel­fi pro­du­ziert, doch in Sa­chen Tech­nik fährt er die glei­chen Ge­schüt­ze auf wie sei­ne grö­ße­ren Brü­der – mit dem Un­ter­schied, dass es ihn auch als Front­trieb­ler gibt, der dann auch ab­seits von glat­ten Al­pen­pis­ten oder san­di­gen Wüs­ten­pfa­den ei­ne sinn­vol­le Rol­le spielt.

Im Hier und Jetzt des Al­pen­lan­des, in dem die Son­ne lang­sam hin­ter den Gip­feln

ver­schwin­det und ei­ne fros­ti­ge Dun­kel­heit Ein­zug hält, sind al­ler­dings an­de­re Fä­hig­kei­ten ge­fragt. Berg­ab schnurrt der Re­ne­ga­de ge­nüg­sam, und dank des LEDPa­kets, das sich als Op­ti­on an Bord des Test­modells be­fin­det, wird auch die ex­trem dunk­le Stra­ße gut aus­ge­leuch­tet. An­ge­sichts schnell wech­seln­der Rechts-LinksKur­ven­kom­bi­na­tio­nen und feh­len­der Orts­kennt­nis­se ein Ex­tra, das dank­bar an­ge­nom­men wird. Am En­de des Trips, wie­der an­ge­kom­men am Flug­ha­fen Innsbruck, ist kein Schnee mehr zu se­hen – und auch der Wind pus­tet nicht mehr so stark wie am Mor­gen. Zu­min­dest am Bo­den. In der Luft sieht es da­ge­gen ganz an­ders aus – da hilft dann auch kein All­rad mehr . . .

Fo­tos: Lothar Haus­feld

Knal­li­ger Klei­ner in idyl­li­scher Berg­land­schaft: Der Jeep Re­ne­ga­de be­weist als kleins­tes Mo­dell der Mar­ke fast die glei­che Sou­ve­rä­ni­tät auf schwie­ri­gem Un­ter­grund wie sei­ne gro­ßen Brü­der.

Ty­pisch Jeep: Auch der ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Com­pass fährt sou­ve­rän durch den Win­ter.

Klei­ner Pan­da ganz gross: Der All­ra­dZwerg hat im Schnee kei­ne Pro­ble­me.

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