Kein Emp­fang für AfD auf Gut Al­ten­kamp

Stadt Pa­pen­burg ver­wei­gert Kreis­tags­frak­ti­on Wunsch nach Emp­fang in his­to­ri­schem Ge­bäu­de

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Gerd Scha­de

Die ems­län­di­sche Kreis­tags­frak­ti­on der AfD darf im Aschen­dor­fer Aus­stel­lungs­zen­trum Gut Al­ten­kamp kei­nen Emp­fang aus­rich­ten. Die Stadt Pa­pen­burg als Haus­her­rin des Ge­bäu­des samt der ba­ro­cken Gar­ten­an­la­ge lehn­te ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge des Kreis­tags­frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Jens Schmitz ab. Der Pa­pen­bur­ger re­agier­te dar­auf em­pört und er­wägt recht­li­che Schrit­te ge­gen die Ent­schei­dung der Stadt. Die Ver­wal­tung be­grün­det ih­re ab­leh­nen­de Hal­tung un­ter an­de­rem da­mit, städ­ti­sche Lie­gen­schaf­ten und Rä­um­lich­kei­ten wür­den nicht „für Ver­an­stal­tun­gen po­li­ti­scher Par­tei­en zur Ver­fü­gung ge­stellt, son­dern le­dig­lich für Frak­tio­nen und Grup­pen, die als Teil der Ver­tre­tung ei­nen kom­mu­nal­ver­fas­sungs­recht­li­chen Son­der­sta­tus ge­nie­ßen“. Sie ver­weist da­zu auf ge­setz­li­che Vor­ga­ben.

Die ems­län­di­sche Kreis­tags­frak­ti­on der AfD hät­te das Gut Al­ten­kamp in Aschen­dorf ger­ne als Ver­an­stal­tungs­ort für ei­nen Emp­fang ge­nutzt. Doch dar­aus wird wohl nichts, denn die Stadt Pa­pen­burg lehn­te ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge der Frak­ti­on ab. Die AfD re­agiert em­pört und er­wägt recht­li­che Schrit­te.

„Gut Al­ten­kamp in Aschen­dorf wird der AfDFrak­ti­on im Ems­land für ei­nen Früh­jahrs­emp­fang ver­wehrt“, be­klagt sich Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Jens Schmitz auf der In­ter­net­sei­te der AfD im Ems­land. Dem­nach wol­le die Frak­ti­on „ei­nen Früh­jahrs­emp­fang im Fe­bru­ar 2020“auf Al­ten­kamp ge­ben. Schmitz, der auch AfD-Ein­zel­rats­herr im Pa­pen­bur­ger Stadt­rat ist, ha­be ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge an Bür­ger­meis­ter Jan Pe­ter Becht­luft (CDU) ge­stellt.

Die Stadt lehn­te je­doch ab, wie de­ren Spre­che­rin Ka­rin Ever­ing auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tigt. Da­mit bleibt die Tür für die AfD auf Al­ten­kamp zu. Zur Be­grün­dung er­klärt Ever­ing: „Städ­ti­sche Lie­gen­schaf­ten und Rä­um­lich­kei­ten wer­den nicht für Ver­an­stal­tun­gen po­li­ti­scher Par­tei­en zur Ver­fü­gung ge­stellt, son­dern le­dig­lich für Frak­tio­nen und Grup­pen, die als Teil der Ver­tre­tung ei­nen kom­mu­nal­ver­fas­sungs­recht­li­chen Son­der­sta­tus ge­nie­ßen.“

In die­sem Zu­sam­men­hang ver­weist die Stadt­spre­che­rin auf § 57 des Nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Dort heißt es: „Zwei oder mehr Ab­ge­ord­ne­te kön­nen sich zu ei­ner Frak­ti­on oder Grup­pe zu­sam­men­schlie­ßen.“Das ist Schmitz als Ein­zel­rats­herr im Stadt­rat nicht mög­lich.

„Ein­ge­schränkt nutz­bar“

An­ders in­ter­pre­tiert: Gä­be es ei­ne AfD-Stadt­rats­frak­ti­on und hät­te ei­ne sol­che die An­fra­ge ge­stellt, hät­te die Stadt die­ser wohl ent­spro­chen. So durf­te bei­spiels­wei­se die FDP im ver­gan­ge­nen Jahr ih­ren Neu­jahrs­emp­fang auf Gut Al­ten­kamp fei­ern. Die Li­be­ra­len hat­ten es als ei­ne ge­mein­sa­me Ver­an­stal­tung der Stadt­rats- und der Kreis­tags­frak­ti­on

de­kla­riert. Wie Ever­ing er­klärt, tre­te die FDP „in dem Zu­sam­men­hang als Stadt­rats­frak­ti­on auf“, wo­nach die Räu­me den ge­nann­ten Re­ge­lun­gen zur Ver­fü­gung ge­stellt wür­den.

Bei Schmitz stößt das auf

Un­ver­ständ­nis. Nach sei­nen Wor­ten müs­se man sich zu­dem fra­gen, „wie die FDPFrak­ti­on im Rat der Stadt Pa­pen­burg über­haupt in der La­ge ist, die­se Ver­an­stal­tun­gen fi­nan­zi­ell zu stem­men“. Die Li­be­ra­len ver­an­stal­ten

seit meh­re­ren Jah­ren Emp­fän­ge auf Al­ten­kamp.

Wie der AfD-Kreis­tags­frak­ti­ons­chef über­dies mo­niert, ha­be die Stadt ih­re Ab­sa­ge über­dies da­mit be­grün­det, dass „aus un­ter­schied­li­chen Grün­den un­ter an­de­rem

auf­grund der his­to­ri­schen Bau­sub­stanz nur ei­ne ein­ge­schränk­te Nut­zung der Ge­bäu­de zu­ge­las­sen ist“.

AfD will Aus­sa­gen prü­fen

Auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, in­wie­weit die­se Be­grün­dung

auch für Aus­stel­lun­gen mit ho­hem Be­su­cher­auf­kom­men, stan­des­amt­li­che Trau­un­gen oder der 2019 erst­mals er­folg­ten kom­plet­ten Öff­nung des Ge­bäu­des für die Be­su­cher des Aschen­dor­fer Weih­nachts­mark­tes, gilt, ant­wor­tet Ever­ing: „Die his­to­ri­sche Bau­sub­stanz konn­te mit Un­ter­stüt­zung ver­schie­de­ner Part­ner, un­ter an­de­rem dem Land Nie­der­sach­sen, dem Land­kreis Ems­land, der Stif­tung Nie­der­sach­sen, der Bun­des­stif­tung Um­welt so­wie er­heb­li­cher ei­ge­ner fi­nan­zi­el­ler An­stren­gun­gen der Stadt selbst re­stau­riert wer­den. Schon vor die­sem Hin­ter­grund sind wir an­ge­hal­ten, ei­ne ver­tret­ba­re, sach­ge­rech­te, aber auch für al­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu­gäng­li­che Nut­zung zu or­ga­ni­sie­ren. Das ha­ben wir bei den ver­schie­de­nen An­ge­bo­ten im­mer im Blick.“

Schmitz spricht von ei­ner „Ohr­fei­ge für un­se­re De­mo­kra­tie“und kün­digt an: „Wir wer­den die Aus­sa­gen prü­fen las­sen, wenn nö­tig auch auf ge­richt­li­chem We­ge.“

Fo­to: Gerd Scha­de

Kei­nen Emp­fang auf Gut Al­ten­kamp darf die AfD-Kreis­tags­frak­ti­on nach dem Wil­len der Stadt Pa­pen­burg ab­hal­ten.

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