Fleisch-Steu­er für bes­se­re Stäl­le?

Ot­te-Ki­nast will Tier­hal­tung um­bau­en / Lob vom Tier­schutz­bund, Bau­ern skep­tisch

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Dirk Fis­ser

Nie­der­sach­sens Agrar­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Ot­te-Ki­nast hat die Ein­füh­rung ei­ner Son­der­steu­er zum Um­bau der Tier­hal­tung in der Land­wirt­schaft an­ge­regt. Im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on wies die CDU-Po­li­ti­ke­rin dar­auf hin, dass Land­wir­te an­dern­falls auf den Mehr­kos­ten für mehr Tier­wohl sit­zen blei­ben wür­den. Ot­te-Ki­nast sag­te: „An der La­den­kas­se, das wis­sen wir, wird es frei­wil­lig nicht be­zahlt. Da brau­chen wir gar nicht drauf zu set­zen.“Des­we­gen wer­de das von der Bun­des­re­gie­rung ge­plan­te frei­wil­li­ge Tier­wohl­la­bel auch kei­nen Durch­bruch brin­gen. „Wir brau­chen ver­mut­lich ei­ne Son­der­steu­er“, so Ot­te-Ki­nast.

Da­bei sprach sie sich aus­drück­lich ge­gen die An­he­bung des Mehr­wert­steu­er­sat­zes bei Fleisch aus. „Bei der Mehr­wert­steu­er lässt sich nicht fest­schrei­ben, wo­hin die Mehr­ein­nah­men flie­ßen sol­len. Das Geld muss aber beim Bau­ern an­kom­men.“Un­ter­stüt­zung

er­hielt sie von Meck­len­burg-Vor­pom­merns Agrar­mi­nis­ter Till Back­haus (SPD). Er ver­wies auf ein Gut­ach­ten des Agrar­bei­rats der Bun­des­re­gie­rung, wo­nach

ei­ne ge­sell­schaft­lich ak­zep­tier­te Nutz­tier­hal­tung Mehr­kos­ten von drei bis fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ver­ur­sa­chen wür­de. „Ge­sell­schaft und Staat sind al­so ge­for­dert, die

Mehr­kos­ten über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum des Über­gangs ver­läss­lich zu fi­nan­zie­ren“, sag­te Back­haus. Das kön­ne „ge­ge­be­nen­falls auch neue Steu­er­ein­nah­men“be­deu­ten, so der Mi­nis­ter. Aber auch an­de­re Lö­sun­gen sei­en denk­bar.

Lob kam auch vom Tier­schutz­bund. Der hat­te 2019 ei­ne brei­te De­bat­te um die Fi­nan­zie­rung tier­ge­rech­te­rer Stäl­le an­ge­sto­ßen. Ver­bands­prä­si­dent Tho­mas Schrö­der sag­te: „Frau Ot­te-Ki­nast hat da­zu­ge­lernt, und sie hat recht, mich freut, dass un­se­re Initia­ti­ve nun von der Po­li­tik kon­struk­tiv auf­ge­nom­men wird.“

Eher skep­tisch re­agiert der Bau­ern­ver­band. Vi­ze-Prä­si­dent Wer­ner Schwarz be­zeich­ne­te De­bat­ten über ei­ne Fleisch­steu­er als „zu kurz ge­sprun­gen“. Das Geld für bes­se­re Tier­hal­tung müs­se am Markt zu­sam­men­kom­men, so Schwarz. Er ver­wies als Vor­bild auf die „Initia­ti­ve Tier­wohl“, bei der Han­dels­un­ter­neh­men in ei­nen Fonds ein­zah­len, aus dem bes­se­re Hal­tungs­be­din­gun­gen re­fi­nan­ziert wer­den.

Schwarz be­ton­te, dass es nach wie vor ho­he bau- und um­welt­recht­li­che Hür­den ge­be, wenn Land­wir­te Stäl­le tier­ge­recht um­bau­en woll­ten. Dies ver­hin­de­re In­ves­ti­tio­nen zu­sätz­lich. Schwarz for­der­te ei­nen „na­tio­na­len De­al für die Tier­hal­tung“. Ot­te-Ki­nast sag­te, sie kön­ne den Un­mut der Land­wir­te ver­ste­hen. „Wir müs­sen sa­gen, wie die Stäl­le der Zu­kunft aus­se­hen sol­len. Die­se Ent­schei­dung brau­chen wir 2020. Da er­war­te ich Er­geb­nis­se von der Bun­des­re­gie­rung. Sonst för­dern wir wei­ter Po­li­tik­ver­dros­sen­heit.“

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