Irak will US-Trup­pen aus dem Land wer­fen

An­ti-IS-Ko­ali­ti­on setzt Kampf ge­gen Ter­ror­mi­liz vor­erst aus / Trump droht Iran

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Uwe West­dörp u.west­do­[email protected]

Paukenschl­ag im Irak: Nach der Tö­tung des ira­ni­schen Ge­ne­rals Ghas­sem So­lei­ma­ni in Bagdad hat das Par­la­ment im Irak über­ra­schend für ei­nen Ab­zug der rund 5000 im Land sta­tio­nier­ten US-Sol­da­ten ge­stimmt. Fast zeit­gleich er­klär­te das von den USA an­ge­führ­te Mi­li­tär­bünd­nis im Irak ges­tern, die Un­ter­stüt­zung des Kamp­fes ge­gen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) aus­zu­set­zen. We­ni­ge St­un­den zu­vor hat­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump sei­ne Dro­hun­gen an die Füh­rung im

Iran mas­siv ver­schärft.

Mit dem Be­schluss aus Bagdad wird die ira­ki­sche Re­gie­rung da­zu auf­ge­for­dert, den Ab­zug al­ler aus­län­di­schen Trup­pen im Land ein­zu­lei­ten, die Teil des US-ge­führ­ten Bünd­nis­ses zum Kampf ge­gen den IS sind. Die Re­gie­rung wird da­mit ver­pflich­tet, das Ge­such um mi­li­tä­ri­sche Hil­fe im Kampf ge­gen den IS zu­rück­zu­zie­hen. Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung hat­te er­klärt, grund­sätz­lich an ih­rer Aus­bil­dungs­mis­si­on im Irak fest­hal­ten zu wol­len. Ein Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums

sag­te dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land: „Fest steht je­doch: Deut­sche Sol­da­ten kön­nen nur dann im Irak blei­ben, wenn die ira­ki­sche Re­gie­rung sagt, dass sie das wei­ter­hin will.“

Trump warn­te der­weil die Füh­rung in Te­he­ran in deut­li­chen Tö­nen via Twit­ter. Für den Fall von An­grif­fen auf USBür­ger oder ame­ri­ka­ni­sche Ein­rich­tun­gen ge­be es ei­ne Lis­te mit 52 „wich­ti­gen“und „hoch­ran­gi­gen“ira­ni­schen Zie­len, die dann at­ta­ckiert wür­den. Die für die Is­la­mi­sche Re­pu­blik und de­ren Kultur

teils sehr be­deut­sa­men Or­te auf der Lis­te wür­den „sehr schnell und sehr hart an­ge­grif­fen“, schrieb Trump.

Der Iran teil­te ges­tern mit, sich dem Wie­ner Atom­ab­kom­men von 2015 nicht mehr ver­pflich­tet zu füh­len. Te­he­ran wer­de nun sein Atom­pro­gramm un­be­grenzt wei­ter­füh­ren und auch Uran un­li­mi­tiert an­rei­chern.

An­ge­sichts der wach­sen­den Span­nung setz­te Na­toGe­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg für heu­te ei­ne „drin­gen­de“Sit­zung des Nord­at­lan­tik­rats an.

Bis­lang ist es nur ein bö­ser Ver­dacht, doch der hält sich hart­nä­ckig: Hat Do­nald Trump den Be­fehl zur Tö­tung des ira­ni­schen Ge­ne­rals Kas­sem So­lei­ma­ni auch des­halb ge­ge­ben, weil er von sei­nen in­nen­po­li­ti­schen Pro­ble­men ab­len­ken woll­te? Wenn ja, dann ist ihm das ge­lun­gen. Kaum ei­ner spricht im Au­gen­blick über das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Trump. Statt­des­sen be­herr­schen die La­ge im Na­hen Os­ten und die mög­li­che krie­ge­ri­sche Zu­spit­zung des ame­ri­ka­nisch-ira­ni­schen Kon­flikts die Schlag­zei­len.

Für Sie­ger­po­sen des Prä­si­den­ten gibt es frei­lich kei­nen An­lass. Denn die USA müs­sen mit Ge­gen­schlä­gen rech­nen. Auch Trumps Dro­hun­gen mit 52 wei­te­ren har­ten An­grif­fen wer­den die Ira­ner nicht da­von ab­hal­ten, Ver­gel­tung zu üben.

Fa­tal ist zu­dem, dass das ira­ki­sche Par­la­ment ei­nen Ab­zug der US-Trup­pen for­dert. Das be­deu­tet nicht nur ein vor­läu­fi­ges En­de des Kamp­fes ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS. Es könn­te auch dar­auf hin­aus­lau­fen, dass die USA jeg­li­chen Ein­fluss im Irak ver­lie­ren. Der Iran und ver­bün­de­te schii­ti­sche Mi­li­zen wer­den es da­ge­gen ver­ste­hen, sich dort noch mehr Gel­tung zu ver­schaf­fen.

Fa­zit: Trump hat im Na­hen Os­ten nichts ge­won­nen. Sei­ne Po­li­tik be­deu­tet Es­ka­la­ti­on statt Dee­s­ka­la­ti­on. Das ist um­so be­dau­er­li­cher, als sie Hard­li­nern im Iran Auf­trieb gibt und das Land so ein ge­fähr­li­cher, Ter­ror ex­por­tie­ren­der Au­ßen­sei­ter bleibt.

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