Aus der Spur ge­ra­ten

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von To­bi­as Schmidt [email protected]

Der Ver­druss über die Gro­ße Ko­ali­ti­on ist enorm. Die Wirtschaft stöhnt über ho­he Be­las­tun­gen. Auch der Durch­schnitts­ar­beit­neh­mer träumt seit Lan­gem von spür­ba­ren Steu­er­ent­las­tun­gen. Hin­zu kom­men Be­fürch­tun­gen, man dür­fe hier­zu­lan­de nicht mehr sa­gen, was man den­ke. Kurz­um: Die Be­din­gun­gen für ei­ne li­be­ral-markt­wirt­schaft­li­che Par­tei könn­ten bes­ser nicht sein.

In der Rea­li­tät düm­pelt die FDP in Um­fra­gen bei sie­ben bis neun Pro­zent. Par­tei­chef Chris­ti­an Lind­ner hat­te die

Li­be­ra­len zwar zu­rück in den Bun­des­tag ge­führt. Doch dann ließ er Ja­mai­ka plat­zen und be­geg­ne­te den jun­gen Kli­ma­schüt­zern mit Her­ab­las­sung.

Auf der ver­zwei­fel­ten Su­che nach ei­nem neu­en The­ma um­garnt Lind­ner nun plötz­lich die Werks­ar­bei­ter und kehrt das So­zia­le her­vor. Klar, bei der klas­si­schen SPD-Kli­en­tel scheint der­zeit ei­ni­ges zu ho­len. Wer aber gleich­zei­tig den Spit­zen­steu­er­satz sen­ken will, meint es mit dem Flirt mit der Ar­bei­ter­klas­se of­fen­bar nicht ganz so ernst.

Dass Par­tei-Vi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki das Drei­kö­nigs­tref­fen schwänz­te, passt ir­gend­wie ins Bild: Die Stim­mung mies, Lind­ner aus der Spur ge­ra­ten und kei­ne neu­en Hoff­nungs­trä­ger in Sicht. Für die FDP ist es gut, dass ein vor­zei­ti­ges Gro­ko-Aus erst ein­mal vom Tisch ist. Das gibt ihr Zeit, sich doch noch zu be­rap­peln.

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