Töd­li­che Schüs­se auf Ex-Part­ne­rin

Be­zie­hungs­dra­ma in Kle­in­stadt: 37-Jäh­ri­ger über­wäl­tig­te Tat­ver­däch­ti­gen

Meppener Tagespost - - NORDWEST - Von Vin­cent Buß

Am Bus­bahn­hof in Preu­ßisch Oldendorf ist es ru­hig ges­tern Mit­tag – bis auf das Fern­seh­team, das ver­sucht, Pas­san­ten an­zu­spre­chen. Ein Schild an der na­he ge­le­ge­nen Eis­die­le drückt das Bei­leid der Be­sit­zer aus. Es geht um ei­ne Tat, die sich nicht ein­mal 24 St­un­den zu­vor in der ost­west­fä­li­schen Stadt er­eig­net hat.

Am Sonn­tag­mit­tag um 14.10 Uhr fuh­ren Patrick Schnei­der und sein Va­ter Wal­ter am Bus­bahn­hof vor­bei. Durch das Fens­ter sah der 37-Jäh­ri­ge, wie ei­ne Frau zu Bo­den stürz­te. So­fort wen­de­te sein 69-jäh­ri­ger Va­ter das Au­to. Als Patrick Schnei­der ei­nen Mann mit ei­ner Schuss­waf­fe er­blick­te, zö­ger­te er nicht: Er sprang aus dem Au­to, zwang den Mann zu Bo­den und nahm ihm die Waf­fe ab.

Der Mann sei ru­hig ge­we­sen, ha­be aber zu der Frau ge­wollt. Doch der 37-Jäh­ri­ge ließ ihn nicht. „Ein Ehe­paar leis­te­te in der Zeit Erst­ver­sor­gung für die Frau“, sagt Schnei­der. Doch die 54-Jäh­ri­ge ver­blu­te­te noch vor Ort durch den Schuss in ih­ren Rü­cken.

Noch be­vor die Po­li­zei die An­ge­hö­ri­gen des Op­fers in­for­mie­ren konn­te, tra­fen die­se am Tat­ort ein, wie die Be­am­ten selbst mit­tei­len. Weil die Frau nach ih­rer Ar­beit bei ei­nem Pfle­ge­dienst nicht nach Hau­se ge­kom­men war, hat­te sich die Fa­mi­lie auf die Su­che ge­macht. Die An­ge­hö­ri­gen wur­den erst von der Po­li­zei und dann von Not­fall­seel­sor­gern be­treut.

Die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Preu­ßisch Oldendorf bau­te ei­nen Sicht­schutz auf, um Op­fer und Tat­ort zu schüt­zen. Ein paar Schau­lus­ti­ge sei­en auch dort ge­we­sen. Das hat Ralf Lohrie, Lei­ter der Feu­er­wehr, von sei­nen Ka­me­ra­den vor Ort er­fah­ren.

Der 58-jäh­ri­ge deut­sche Tat­ver­däch­ti­ge ist der Mann des Op­fers, doch das Paar aus Preu­ßisch Oldendorf leb­te ge­trennt. Sein Mo­tiv ist laut Po­li­zei bis­lang un­klar. Den Be­am­ten wa­ren bis zur Tat we­der Strei­tig­kei­ten be­kannt, noch war der 58-Jäh­ri­ge auf­fäl­lig ge­wor­den.

„Das war ei­gent­lich ei­ne ganz nor­ma­le, un­auf­fäl­li­ge Fa­mi­lie“, sagt ei­ne Frau, die das Paar nach ei­ge­nen An­ga­ben kennt und an­onym blei­ben möch­te. Al­ko­hol- oder Dro­gen­pro­ble­me ha­be kei­ner der bei­den ge­habt. Sie ver­mu­tet, dass Ei­fer­sucht ei­ne Rol­le spiel­te. Even­tu­ell hät­ten sich die bei­den aus­spre­chen wol­len. „Aber er hat­te ei­ne Pis­to­le da­bei“, merkt sie an. „Dann ist die Ab­sicht wohl klar.“

Für al­le sei die Tat ein Schock ge­we­sen, sagt die Frau: „Und die Kin­der der bei­den sind fer­tig – sie ha­ben so­zu­sa­gen bei­de El­tern­tei­le auf ein­mal ver­lo­ren.“

Der 58-Jäh­ri­ge wur­de von der Po­li­zei fest­ge­nom­men und ges­tern ei­nem Haft­rich­ter vor­ge­führt. Die­ser er­ließ ei­nen Un­ter­su­chungs­haft­be­fehl we­gen Tot­schlags. Wo­her die Tat­waf­fe stam­me, müs­se noch un­ter­sucht wer­den. Der mut­maß­li­che Tä­ter schwei­ge bis­lang zu den Vor­wür­fen, sag­te der Staats­an­walt. Die Po­li­zei hat­te nach der Tat ei­ne Pis­to­le si­cher­ge­stellt und weiß in­zwi­schen, dass der Tat­ver­däch­ti­ge nicht über die ent­spre­chen­de Er­laub­nis ver­fügt. Ei­ne Mord­kom­mis­si­on un­ter Lei­tung des Po­li­zei­prä­si­di­ums Bie­le­feld hat mit Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei Min­den-Lüb­be­cke die Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men.

Patrick Schnei­der, der den Tat­ver­däch­ti­gen stell­te, möch­te lie­ber im Hin­ter­grund blei­ben. „Es wa­ren auch an­de­re da­bei, die Au­ßer­ge­wöhn­li­ches ge­leis­tet ha­ben“, sagt er mit Blick auf das Ehe­paar, das ver­such­te, dem Op­fer zu hel­fen.

Nach Zah­len des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes ver­sucht in Deutsch­land im Durch­schnitt fast je­den Tag ein Mann, sei­ne Frau oder Ex­Part­ne­rin um­zu­brin­gen. 2018 wur­den bun­des­weit 123 Frau­en von ih­ren Le­bens­ge­fähr­ten oder Ex-Män­nern ge­tö­tet.

Fo­to: dpa/Hei­ko von Schulz

Der Tat­ort in Preu­ßisch Oldendorf: Auf of­fe­ner Stra­ße soll ein 58-Jäh­ri­ger hier sei­ne ge­trennt le­ben­de Ehe­frau hin­ter­rücks er­schos­sen ha­ben.

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