Al­le Be­den­ken ernst neh­men

Meppener Tagespost - - DIALOG -

Zum In­ter­view mit dem SPDKli­ma­po­li­ti­ker Mat­thi­as Miersch „Kein Zu­rück zur Atom­kraft“(Aus­ga­be vom 2. Ja­nu­ar).

„Schon mal et­was von Nim­bys, Nimds oder Pit­bys ge­hört? Al­le Kür­zel be­zeich­nen ähn­li­che Sach­ver­hal­te. Nim­by (Not in my ba­ckyard) könn­te man über­set­zen mit ,Nicht in mei­nem Hin­ter­hof ‘, was im deutsch­spra­chi­gen Raum mit dem Sankt-Flo­ri­ans-Prin­zip gleich­zu­set­zen ist: ,Ver­schon mein Haus, zünd and­re an.‘ Scha­de nur, dass der Kli­ma­wan­del sich we­der durch Häu­ser noch durch Hin­ter­hö­fe auf­hal­ten lässt.

Es stimmt, die Dis­kus­si­on um die Ener­gie­ver­sor­gung in Deutsch­land ist ir­ra­tio­nal. Wol­len wir wirk­lich er­neu­er­ba­re Wind- und So­lar­ener­gie ge­gen Atom- oder Koh­le­kraft ein­tau­schen? […] Über die Op­tik, den Schat­ten­wurf oder die Ge­fahr für hei­mi­sche Tier­ar­ten lässt sich strei­ten, aber steht dies im Ver­hält­nis zu ato­ma­ren Ka­ta­stro­phen, wie wir sie in Tscher­no­byl oder Fu­kus­hi­ma er­lebt ha­ben?

Atom­kraft hat uns 70 Jah­re lang güns­ti­ge Strom­kos­ten be­schert, da­für zahlt der Steu­er­zah­ler im Nach­gang für die End­la­ge­rung des Atom­mülls in ho­her zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he. Wo­bei die End­la­ger, die den Müll ei­ne Mil­li­on Jah­re her­me­tisch ver­schlie­ßen müs­sen, noch lan­ge nicht ge­fun­den sind. Wer will schon ato­ma­re End­la­ger in sei­nem Hin­ter­hof ? […]

Ja, die Ar­gu­men­te der Wind­kraft­geg­ner sind viel­fäl­tig und hal­ten häu­fig ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Be­trach­tung nicht stand. Trotz­dem müs­sen all die­se Be­den­ken ernst ge­nom­men wer­den. Je­de Form der Ener­gie­er­zeu­gung ist mit Nach­tei­len ver­bun­den, die auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert wer­den soll­ten. Wir dür­fen da­bei aber nicht die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­lie­ren.

Die zu­künf­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung muss er­neu­er­bar sein. Der Grad ei­ner zi­vi­li­sier­ten Ge­sell­schaft zeich­net sich da­durch aus, dass sie aus be­gan­ge­nen Feh­lern lernt. Lasst uns die Sün­den des Koh­le- und Atom­zeit­al­ters nicht wie­der­ho­len.“

An­ke Von­hoff-Ri­ckelt Has­ber­gen

„SPD-Kli­ma­po­li­ti­ker Miersch äu­ßert sich zum schnel­le­ren Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en. Mit al­len Mit­teln wird nun ver­sucht, Wind­rä­der auf­zu­stel­len und Fo­to­vol­ta­ik­an­la­gen zu in­stal­lie­ren. So­gar von ei­ner Wind­müh­len­prä­mie ist die Re­de.

In dem In­ter­view ver­mis­se ich aber kri­ti­sche Fra­gen zur Spei­che­rung der über­schüs­si­gen Ener­gie, die an son­nen­rei­chen be­zie­hungs­wei­se win­di­gen Ta­gen ent­steht. Wer ver­sorgt uns mit Ener­gie, wenn die Son­ne nicht scheint und kein Wind weht? Für die Grund­last, die im­mer ver­füg­bar sein muss, sind kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke un­ver­zicht­bar. Auch wenn wir die er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en ver­dop­peln, kann kein Gas- oder Koh­le­kraft­werk ab­ge­schal­tet wer­den.

Das Pro­blem der nicht vor­han­de­nen aus­rei­chen­den Spei­che­rungs­mög­lich­kei­ten kann nicht ge­löst wer­den, da die tech­ni­schen und räum­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht ge­ge­ben sind. Auf eu­ro­päi­sche Lö­sun­gen zu ver­wei­sen ist nicht ziel­füh­rend, da dort ja über­wie­gend Strom in Kern-, Ga­so­der Koh­le­kraft­wer­ken pro­du­ziert wird.“

Rein­hard Elix­mann Has­ber­gen

Fo­to: dpa/Micha­el Kap­peler

SPD-Kli­ma­po­li­ti­ker Mat­thi­as Miersch äu­ßert sich zum schnel­le­ren Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.