Auch Nato zieht Sol­da­ten aus Irak ab

Vor­sichts­maß­nah­me we­gen La­ge im Nach­bar­land Iran / Zu­kunft des An­ti-IS-Ein­sat­zes un­ge­wiss

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

We­gen der Span­nun­gen im Na­hen Os­ten zieht nach der Bun­des­wehr auch die Nato ei­nen Teil ih­rer Sol­da­ten aus dem Irak ab. Das Mi­li­tär­bünd­nis ha­be sich zum Schutz sei­ner Sol­da­ten ent­schlos­sen, ei­nen Teil des Per­so­nals zeit­wei­se an an­de­re Or­te im Irak oder au­ßer­halb des Lan­des zu ver­le­gen, sag­te ein Nato-Spre­cher in Brüs­sel. Man sei be­reit, die Aus­bil­dungs­mis­si­on wie­der auf­zu­neh­men, wenn es die La­ge zu­las­se. Zu­vor hat­ten Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU) und Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) mit­ge­teilt, dass das Per­so­nal vor al­lem an den Bun­des­wehr-Stand­or­ten Bag­dad und Tad­schi „vor­über­ge­hend aus­ge­dünnt“wer­de.

Luft­waf­fen­ba­sis Al-As­rak in Jor­da­ni­en, 7.55 Uhr Orts­zeit: Ein Trans­port­flug­zeug der Bun­des­wehr bringt 32 deut­sche Sol­da­ten aus dem Zen­tra­l­irak auf die von Deutsch­land ge­nutz­te Mi­li­tär­ba­sis öst­lich von Am­man in Si­cher­heit. Doch ein Teil ih­rer Aus­rüs­tung, die für das Trai­ning ira­ki­scher Kräf­te ge­nutzt wur­de, bleibt im Mi­li­tär­kom­plex Tad­schi zu­rück. „Die­se Kräf­te kön­nen je­der­zeit zu­rück­ver­legt wer­den, wenn die Aus­bil­dung im Irak wie­der auf­ge­nom­men wer­den soll“, teil­te die Bun­des­wehr mit.

Der töd­li­che US-Droh­nen­an­griff auf den ira­ni­schen Ge­ne­ral Ghas­sem So­lei­ma­ni in Bag­dad hat die La­ge in dem Land nach­hal­tig ge­än­dert. Mög­li­cher­wei­se ist der Part­ner­schaft mit dem Irak im Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) nun die Grund­la­ge ent­zo­gen. Die Si­cher­heits­la­ge ist an­ge­spannt: Nicht nur we­gen des gro­ßen ira­ni­schen Ein­flus­ses, son­dern auch we­gen der 5000 US-Sol­da­ten im Land bie­tet sich der Irak wo­mög­lich für ei­nen ira­ni­schen Ver­gel­tungs­schlag ge­gen die USA an.

Auch im Haupt­quar­tier der An­ti-IS-Ko­ali­ti­on wur­den Kon­se­quen­zen ge­zo­gen. Am Sonn­tag war von dort ei­ne münd­li­che Wei­sung des Kom­man­deurs er­gan­gen: Al­les Per­so­nal, das für den Ein­satz nicht un­be­dingt be­nö­tigt wird, sol­le den Groß­raum Bag­dad ver­las­sen. An­ge­sichts der jüngs­ten Span­nun­gen wur­de die Aus­bil­dungs­hil­fe im Kampf ge­gen den IS aus­ge­setzt: „Un­se­re obers­te Prio­ri­tät ist es, das Per­so­nal des Bünd­nis­ses zu schüt­zen, das sich dem Sieg über den Is­la­mi­schen Staat wid­met.“

Be­reits am Mon­tag wur­den drei deut­sche Sol­da­ten, aber auch Mi­li­tär an­de­rer Na­tio­nen nach Ku­wait aus­ge­flo­gen. Dort steht ein Er­satz­Haupt­quar­tier für den Ein­satz, das nun per­so­nell auf­ge­stockt wird. Ob dies schon die künf­ti­ge Füh­rungs­struk­tur im Kampf ge­gen den IS vor­weg­nimmt, muss sich erst noch zei­gen. Zum Schutz der Sol­da­ten ver­leg­te auch die Nato ei­nen Teil ih­rer Sol­da­ten an an­de­re Or­te im Irak oder au­ßer Lan­des, wie ein Spre­cher in Brüs­sel sag­te. Auch Ka­na­da kün­dig­te ges­tern an, ei­nen Teil sei­ner Sol­da­ten vor­läu­fig aus dem Irak ab­zu­zie­hen und nach Ku­wait zu ver­le­gen.

Die Bun­des­re­gie­rung wirbt aber in Bag­dad um Zu­stim­mung für die Fort­set­zung der An­ti-IS-Mis­si­on. Nö­tig sei­en ein wei­te­rer in­ter­na­tio­na­ler Ein­satz im Kampf ge­gen den IS und die Stär­kung der zi­vi­len und mi­li­tä­ri­schen Struk­tu­ren im Irak, schrei­ben Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU) und Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) den Ob­leu­ten der Par­tei­en im Bun­des­tag.

Noch flie­gen auch die Tor­na­do-Auf­klä­rer im Luf­t­raum über Sy­ri­en und dem Irak, die aber dem Man­dat zu­fol­ge En­de März so­wie­so ein­ge­stellt wer­den. So rich­tet sich der Blick auf Er­bil im nord­ira­ki­schen Kur­den­ge­biet. Dort sind 117 deut­sche Sol­da­ten (Stand Mon­tag­abend), nach­dem ein Kon­tingent­wech­sel kurz­fris­tig aus­ge­setzt wor­den war. Die Si­cher­heits­la­ge gilt in den Kur­den­ge­bie­ten als weit­ge­hend sta­bil.

Auch Wa­shing­ton gibt sich dem Kampf ge­gen den IS wei­ter ver­pflich­tet. Dar­auf sei lang­fris­tig die Prä­senz der US­Trup­pen in dem Land aus­ge­rich­tet, nur müs­se man sich an­ge­sichts der Be­dro­hungs­la­ge auf den Schutz des Per­so­nals kon­zen­trie­ren, sagt USVer­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mark Esper. Zu­vor hat­te sich in die oh­ne­hin un­über­sicht­li­che Ge­men­ge­la­ge al­ler­dings ein omi­nö­ser Brief an das ira­ki­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ge­mischt – über ei­nen an­geb­li­chen Ab­zug der US-Trup­pen. „Der Brief steht nicht im Ein­klang mit dem, wo wir uns ge­ra­de be­fin­den“, stellt Esper aber klar.

Fo­to: dpa/ Micha­el Kap­peler

In Si­cher­heit? Bun­des­wehr­sol­da­ten aus dem Irak sind auf die Luft­waf­fen­ba­sis Al-As­rak in Jor­da­ni­en ge­bracht wor­den, wo auch deut­sche Tor­na­dos sta­tio­niert sind.

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