Herz­in­farkt: Ein Jahr spä­ter Bu­den­zau­ber

Öz­kan: Ha­be al­les ge­ge­ben

Meppener Tagespost - - EMSLANDSPO­RT - Von Uli Men­trup

Das Wie­der­se­hen der Ve­te­ra­nen des SV Meppen beim Bu­den­zau­ber in Lingen hat­te für ei­nen Spie­ler ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung: Vor ei­nem Jahr fiel er nach ei­nem Herz­in­farkt aus, bei der sieb­ten Auf­la­ge stand er im Ka­der und schoss ein Tor.

„Es war mein Traum, noch ein­mal beim Bu­den­zau­ber zu star­ten“, sagt Cü­neyt Öz­kan, der das Ge­sche­hen in der Ems­land­a­re­na An­fang 2019 nur vor dem Fern­se­her ver­fol­gen konn­te. „Ich war in der Re­ha in Bad Ro­then­fel­de“, schmerz­te es den heu­te 38-Jäh­ri­gen, dass er nicht da­bei sein konn­te. „Ich war tod­trau­rig.“

Sei­nen Herz­in­farkt zog sich Öz­kan ei­nen Tag nach der Trai­nings­ein­heit der SVM-Tra­di­ti­ons­mann­schaft zu. „Ich ha­be selbst ge­merkt, dass et­was nicht stimmt. Ich hat­te Druck auf der Brust, ein biss­chen Rü­cken­schmer­zen und Kopf­schmer­zen.“„Ött­schi“ver­mu­te­te zu­nächst, dass das Hal­len­trai­ning Ur­sa­che der Rü­cken­schmer­zen sei. „Das kann pas­sie­ren.“Dann rief er im Kran­ken­haus an und frag­te, ob er kom­men kön­ne. „Es war un­mit­tel­bar vor Weih­nach­ten.“Den Ein­satz ei­nes Kran­ken­wa­gens lehn­te er ab, fuhr selbst. Nach dem EKG war die Dia­gno­se klar. Der ehe­ma­li­ge SVM-An­grei­fer wur­de ope­riert. „Es wur­den zwei Stents ein­ge­setzt, dann war ich über Weih­nach­ten und Neu­jahr im Kran­ken­haus. Da­nach bin ich zur Re­ha nach Ro­then­fel­de ge­kom­men.“

Die Wer­te in der Re­ha auch beim Be­las­tungs-EKG wa­ren gut. „Ich soll­te wie­der Sport trei­ben“, er­in­nert sich Öz­kan. „Ich ha­be ganz lang­sam wie­der an­ge­fan­gen.“Und ir­gend­wann trat er wie­der ge­gen den Ball. „Ich bin mit dem Fuß­ball groß ge­wor­den. Das bringt mir viel, und das will ich auch nicht mis­sen, so­lan­ge ich kei­ne Schwie­rig­keit da­mit be­kom­me.“Im Som­mer über­nahm er den Job als Spie­ler­trai­ner beim Kreis­li­gis­ten SG Gro­nau als Nach­fol­ger des ehe­ma­li­gen

„Bin mit dem Fuß­ball groß ge­wor­den. Das will ich nicht mis­sen.“

Mep­pens Ex-Stür­mer Cü­neyt Öz­kan

Lin­ge­ners Cars­ten Min­nich. Zu­vor hat­te er auch den SV Es­ter­we­gen ge­coacht. „Das ist na­tür­lich manch­mal auf­re­gend“, fühlt er sich der Be­las­tung ge­wach­sen, steht auch noch selbst auf dem Platz – ge­nau wie bei der Ü 32 von Ein­tracht Nordhorn und auch in der Tra­di­ti­ons­mann­schaft beim Bu­den­zau­ber.

„Die­ses Jahr stand nichts im Weg, da­bei zu sein. Hier und da ein paar Kurz­ein­sät­ze, das ist schon ganz gut. Ich ha­be al­les ge­ge­ben“, meint der lan­ge An­grei­fer. „Es hat Spaß ge­macht.“Beim Neun­me­ter­schie­ßen um Platz drei ge­gen

Wer­der Bre­men ver­senk­te Öz­kan das Leder ge­wohnt si­cher, konn­te aber die 2:3-Nie­der­la­ge nicht ver­hin­dern.

Ge­nau­so wich­tig wie der Ein­satz auf dem Kun­st­ra­sen in der aus­ver­kauf­ten Ems­land­a­re­na war für Öz­kan das Tref­fen mit ehe­ma­li­gen Mit­spie­lern. „Wir ha­ben viel mit­ein­an­der er­lebt. Wir ha­ben für den SV Meppen nicht nur ge­spielt, son­dern ei­ne Ära ge­prägt.“Krö­nung war der Auf­stieg in die da­mals drei­ge­teil­te Re­gio­nal­li­ga wäh­rend sei­nes zwei­ten En­ga­ge­ments bei den Blau-Wei­ßen im Jahr 2011. „Wenn man sieht, wo der SV Meppen jetzt steht, macht uns das stolz, weil wir auch ei­nen Teil da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben.“

Öz­kan, der un­ter den Fans vie­le Freun­de hat­te, wird be­son­ders mit der Qua­li­fi­ka­ti­on für die ein­glei­si­ge Ober­li­ga am En­de der Sai­son 2003/04 in Ver­bin­dung ge­bracht. Am 28. Mai 2004 tru­gen ihn die SVM-An­hän­ger auf ih­ren Schul­tern. Er hat­te drei To­re bei­ge­steu­ert zum 5:0-Er­folg beim FC Ober­neu­land. Zu­dem tra­fen Andre­as Hel­mer und Ro­man Stast­ka.

Rund 1000 Ems­län­der be­glei­te­ten die Spie­ler und fei­er­ten aus­ge­las­sen mit dem Team von Trai­ner Ge­org Bel­ke. Der ach­te Ta­bel­len­platz reich­te ge­ra­de zum Er­rei­chen des sport­li­chen Ziels. Öz­kan war mit zehn Tref­fern bes­ter SVM-Tor­schüt­ze, ge­nau wie in den Se­ri­en 2002/03 (14) und 2009/10 (16). Der Stür­mer, der schon in der Mep­pe­ner Ju­gend spiel­te und auch die schwe­re Zeit der In­sol­venz 2001 er­leb­te, spiel­te ins­ge­samt sie­ben Jah­re für die Blau-Wei­ßen. In 174 Par­ti­en schoss er 66 To­re.

Fo­to: Scholz

En­ga­giert wie im­mer: Mep­pens Cü­neyt Öz­kan (r.) mel­de­te sich am ver­gan­ge­nen Sams­tag beim Bu­den­zau­ber zu­rück – ein Jahr nach sei­nem Herz­in­farkt.

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