Von Au­to­ren für Au­to­ren

Zeit­schrift „Fe­der­welt“bie­tet Hil­fe für Schrei­ber / Pro­fis prü­fen ein­ge­reich­te Ex­po­sés

Meppener Tagespost - - MEDIEN / FERNSEHEN - Von Ma­rie-Lui­se Braun

Der Start der Fe­der­welt ba­siert auf ei­ner Si­tua­ti­on, vor der das Heft Au­to­ren be­wah­ren will: Nicht­wis­sen. Der Schrift­stel­ler Ti­tus Mül­ler grün­de­te die Zeit­schrift 1998. Da­mals war er 21 Jah­re alt, im Zi­vil­dienst und hat­te noch kein Buch ver­öf­fent­licht. Erst vier Jah­re spä­ter pu­bli­zier­te er sei­nen ers­ten Ro­man, elf wei­te­re sind seit­her ge­folgt.

„Er wuss­te nicht, dass es schon so vie­le Li­te­ra­tur­zeit­schrif­ten gab“, sagt An­ke Gasch, die seit 2014 Chef­re­dak­teu­rin der Fe­der­welt ist. Im Co­py­shop ver­viel­fäl­tig­te Ti­tus Mül­ler da­mals die ers­te Auf­la­ge: 80 Hef­te um­fass­te sie. Heu­te er­scheint die Zeit­schrift, pro­fes­sio­nell ge­druckt, al­le zwei Mo­na­te mit ei­ner Auf­la­ge von 5000 Stück.

Die Bei­trä­ge in den Hef­ten be­fas­sen sich mit der Entwicklun­g über­zeu­gen­der Hand­lun­gen und Cha­rak­te­re, mit der Fra­ge, wie aus ei­ner ers­ten Idee ein Buch wird, und mit der rich­ti­gen Län­ge von Tex­ten. Es gibt Tipps, wie be­stimm­te Gen­res ver­fasst wer­den, wie man mit Schreib­hem­mun­gen und erst recht mit Schreib­blo­cka­den um­geht. Und na­tür­lich ent­hal­ten die Hef­te In­for­ma­tio­nen rund um die Ver­öf­fent­li­chung: Wann kann ich mein Ex­po­sé an den Ver­lag sen­den? Schrei­be ich Ver­la­ge di­rekt an oder nut­ze ich den – manch­mal schnel­le­ren – Um­weg über ei­ne Li­te­ra­tur­agen­tin? Wie ge­he ich mit Ab­sa­gen – oder, was manch­mal noch viel schlim­mer ist – da­mit um, dass sich kein Ver­lag mel­det? Zu sol­chen und ähn­li­chen Fra­gen ge­ben Coa­ches

Tipps. An­ke Gasch be­zeich­net die Fe­der­welt als ein „Fach­ma­ga­zin für al­le, die schrei­ben oder die es tun wol­len“.

Tipps für Self­pu­blis­her

Die Hef­te rich­ten sich so­wohl an Rom­an­schrift­stel­ler als auch an Sach­buch­au­to­ren, da sie sich auch um all­ge­mei­ne The­men wie Steu­er­recht, Selbst­mar­ke­ting oder um die Or­ga­ni­sa­ti­on von Le­sun­gen dre­hen. Und: „ Au­ßer­dem ist un­se­re Rü­cken­fit­ness-Se­rie für je­de und je­den was.“Ein Pro­blem für vie­le Men­schen, die haupt­säch­lich am Schreib­tisch ar­bei­ten.

Die Le­ser­schaft der Hef­te setzt sich so zu­sam­men, wie es auch bei der von Bü­chern ist: Es sind über­wie­gend Frau­en. „Das Ver­hält­nis von Frau­en zu Män­nern ist et­wa 60 zu 40“, sagt An­ke Gasch im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Zur Le­ser­schaft zäh­len al­le er­denk­li­chen Ziel­grup­pen: vom Schreib­an­fän­ger bis zum Pro­fi. Dar­un­ter ist Gi­sa Pau­ly, de­ren jüngs­ter Sylt-Kri­mi „Sturm­flut“es auf An­hieb auf Platz zwei der Spie­gel-Best­sel­ler­lis­te schaff­te; zu­dem ar­bei­tet sie als Au­to­rin der Te­le­no­ve­la „Sturm der Lie­be“.

Und dann nennt Gasch ei­nen selt­sa­men Aus­druck: „Un­ter un­se­ren Le­sern sind auch Hy­bridau­to­ren.“Was ist das? „Das sind Au­to­ren, die so­wohl bei Ver­la­gen ver­öf­fent­li­chen als auch Self­pu­blis­her sind.“Al­so Schrift­stel­ler, die ihr Buch selbst ver­öf­fent­li­chen. Die­ser Be­reich hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren pro­fes­sio­na­li­siert. Vie­le sind von Ver­lags­ver­öf­fent­li­chun­gen op­tisch nicht zu un­ter­schei­den.

Ge­fragt nach wei­te­ren Din­gen, die sich in der jüngs­ten Zeit ver­än­dert ha­ben, holt Gasch tief Luft und fragt dann zu­rück: „Wo soll ich an­fan­gen?“Die Ver­lags­welt hat sich ver­än­dert, Men­schen kau­fen we­ni­ger Bü­cher, ent­spre­chend knap­per sind die fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten der Ver­la­ge. Um­so agi­ler müs­sen Au­to­ren sein.

Auch das sind The­men, die sich in der Fe­der­welt wi­der­spie­geln. Wei­te­re The­men wer­den Gasch nicht nur von ih­ren Mit­ar­bei­tern an­ge­tra­gen. „Ich be­kom­me auch Tipps von Le­se­rin­nen und Le­sern, fin­de The­men durch ak­ti­ve Re­cher­che im Netz oder bei Ver­an­stal­tun­gen und Mes­sen, die ich be­su­che.“Da­bei sei­en die The­men, be­dingt durch die Er­schei­nungs­wei­se al­le zwei Mo­na­te, „nicht heiß und frisch“, wie sich Gasch aus­drückt: „Wir bie­ten aus­ge­reif­te Ge­schich­ten mit Hin­ter­grund.“

Der­zeit bie­ten die Hef­te ei­nen be­son­de­ren Ser­vice. In der Ru­brik „Ein­sen­de­reif“prü­fen Lek­to­ren Ex­po­sés und Text­pro­ben von Le­sern, ob das Ein­rei­chen bei ei­nem Ver­lag er­folg­ver­spre­chend sein könn­te.

Fo­to: Ma­rie-Lui­se Braun

Län­ge, Cha­rak­te­re, Hand­lung, Or­ga­ni­sa­ti­on: Tipps zum Schrei­ben und Ver­öf­fent­li­chen von Bü­chern bie­tet die Zeit­schrift „Fe­der­welt“, die al­le zwei Mo­na­te er­scheint.

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