Neue Be­wei­se ge­gen Chef­arzt?

„Un­ter­la­gen wer­den noch aus­ge­wer­tet“/ Wuss­te der Ge­schäfts­füh­rer des Lee­ra­ner Kli­ni­kums doch mehr?

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Mar­ti­na Ri­cken

Im Kor­rup­ti­ons­pro­zess um den ehe­ma­li­gen Chef­arzt der Wir­bel­säu­len­chir­ur­gie am Kli­ni­kum Leer sind neue Un­ter­la­gen auf­ge­taucht. Kri­mi­nal­be­am­te wer­ten die Do­ku­men­te der­zeit noch aus, wäh­rend der Pro­zess vor dem Land­ge­richt Au­rich fort­ge­setzt wird.

Der Kor­rup­ti­ons­pro­zess ge­gen den ehe­ma­li­gen Chef­arzt der Wir­bel­säu­len­chir­ur­gie am Kli­ni­kum Leer hat im neu­en Jahr vor dem Land­ge­richt Au­rich sei­ne Fort­set­zung ge­fun­den – und ei­ne Men­ge Über­ra­schun­gen im Ge­päck.

Zu­nächst be­rich­te­ten zwei Kri­mi­nal­be­am­te von der Zen­tra­len Kri­mi­nal­in­spek­ti­on Osnabrück über den Gang der Er­mitt­lun­gen. Sie über­nah­men An­fang 2016 das Ver­fah­ren von ih­ren Kol­le­gen in Leer, die ei­ne ers­te Durch­su­chung der Kli­nik und des

Wohn­hau­ses des 55-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten im No­vem­ber 2015 durch­ge­führt hat­ten. Bei die­ser ers­ten Durch­su­chung blieb es nicht, denn re­le­van­te Un­ter­la­gen wa­ren in der Kli­nik ver­blie­ben.

Auch die Fir­men in Ba­denWürt­tem­berg und in der Schweiz, die mit dem An­ge­klag­ten un­ter Um­ge­hung der Kli­nik ge­schäft­lich ver­bun­den ge­we­sen sein sol­len, wur­den durch­sucht. Die Fir­men sol­len den da­ma­li­gen Chef­arzt der An­kla­ge zu­fol­ge für die Ver­wen­dung ih­rer Wir­bel­säu­len­im­plan­ta­te an der Kli­nik vor­bei am Um­satz be­tei­ligt ha­ben.

Doch da­mit nicht ge­nug: Das Kli­ni­kum Leer soll sich noch am 11. De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res, al­so wäh­rend des lau­fen­den Pro­zes­ses, bei der Staats­an­walt­schaft ge­mel­det ha­ben, weil wei­te­re Un­ter­la­gen auf­ge­taucht wa­ren. „Die­se Un­ter­la­gen wer­den noch aus­ge­wer­tet“, gab ein Kri­mi­nal­be­am­ter an. Die neu­en Be­weis­mit­tel lie­gen bis jetzt we­der dem Ge­richt noch den Ver­tei­di­gern vor.

Die Po­li­zis­ten stie­ßen bei ih­ren Er­mitt­lun­gen auf Rech­nun­gen des An­ge­klag­ten, die an die ge­nann­ten Fir­men ge­rich­tet wa­ren und auch be­gli­chen wur­den. Der Ver­dacht, dass es sich um Schein­rech­nun­gen han­deln könn­te, kam den Be­am­ten, als sie in der Woh­nung auf ei­ne Um­satz­auf­lis­tung ei­ner Fir­ma und ei­nen an­ge­füg­ten hand­schrift­lich ver­fass­ten Zet­tel stie­ßen. Dar­auf wa­ren Be­rech­nun­gen an­ge­stellt wor­den, die in ei­ner End­sum­me von 17700 Eu­ro mün­de­ten. Die­se Sum­me wur­de dann rech­ne­risch auf sechs ein­zel­ne Rech­nun­gen ver­teilt.

Ver­tei­di­ger Se­bas­ti­an Wendt leg­te Wert dar­auf, dass sein Man­dant nicht als Ur­he­ber der Be­rech­nun­gen fest­stand. Sei­ne Hand­schrift wur­de nicht mit dem Be­weis­stück

ab­ge­gli­chen, wes­halb der An­walt dies­be­züg­lich über ei­nen Be­weis­an­trag nach­denkt.

Spä­ter trat ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter des Kli­ni­kums Leer in den Zeu­gen­stand, der bis 2015 ver­schie­de­ne Ab­tei­lun­gen ge­lei­tet hat­te. Nach Lek­tü­re der Pro­zess­be­richt­er­stat­tung hat­te er sich ver­an­lasst ge­se­hen, sich als Zeu­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len. „Ich bin nicht aus Groll hier, son­dern ich will die Wahr­heit sa­gen“, be­teu­er­te der 57-Jäh­ri­ge mehr­fach.

Laut sei­nen Er­zäh­lun­gen ging am Kli­ni­kum Leer nicht al­les hun­dert­pro­zen­tig kor­rekt zu: Dem An­ge­klag­ten sei vom Ge­schäfts­füh­rer vie­les „er­mög­licht“wor­den, um ihn am Kli­ni­kum zu hal­ten. So soll er über Kon­tak­te er­mög­licht ha­ben, dass der An­ge­klag­te sei­ne Bau­plä­ne für ein Haus, das dem Zeu­gen zu­fol­ge „nie ge­neh­migt wor­den wä­re“, um­set­zen konn­te.

Die­ser Ge­schäfts­füh­rer soll auch bei der Be­spre­chung da­bei ge­we­sen sein, als der An­ge­klag­te die An­schaf­fung des von ihm mit­ent­wi­ckel­ten Ke­ra­mik-Im­plan­tats an­reg­te. Der Ge­schäfts­füh­rer hat­te dies in sei­ner Zeu­gen­aus­sa­ge be­strit­ten. Der Pro­zess wird am 20. Ja­nu­ar fort­ge­setzt.

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