Hand­ball-EM star­tet: „Halb­fi­na­le mög­lich“

Deut­sche Mann­schaft ha­dert mit Ver­let­zun­gen, traut sich aber das Halb­fi­na­le zu Die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft muss auf vie­le Spie­ler ver­zich­ten, hat aber trotz­dem Am­bi­tio­nen. Das Tur­nier wird erst­mals in drei Län­dern aus­ge­tra­gen, Top­fa­vo­rit ist der am­tie

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Marc Ste­ver­müer

Die DHBAus­wahl star­tet heu­te ge­gen die Nie­der­lan­de in die Hand­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft. „Wenn al­les passt, kön­nen wir ins Halb­fi­na­le ein­zie­hen“, sagt Trai­ner Chris­ti­an Prokop. Sei­ne Mann­schaft muss aber ei­ne Rei­he von Aus­fäl­len ver­kraf­ten.

Für for­sche An­sa­gen oder gar Ver­spre­chen ist Chris­ti­an Prokop nicht be­kannt. Der deut­sche Hand­ball­Bun­des­trai­ner liebt es eher, von „Etap­pen­zie­len“zu spre­chen, was zwei­fels­oh­ne ei­ne recht ver­nünf­ti­ge Her­an­ge­hens­wei­se an solch ein Tur­nier mit all sei­nen Her­aus­for­de­run­gen und Hoff­nun­gen, Ri­si­ken und Rück­schlä­gen ist.

Und so be­tont der 41-Jäh­ri­ge im­mer wie­der, dass es bei der EM in Nor­we­gen, Schwe­den und Ös­ter­reich nun erst ein­mal nur um das nächs­te Spiel oder die Vor­run­de ge­he. Prokop wie­der­holt sei­ne Wor­te kon­se­quent. Er wähl­te sie schon nach der Aus­lo­sung im Som­mer, zu Be­ginn der EMVor­be­rei­tung vor ei­ner Wo­che – und der Bun­des­trai­ner äu­ßert sich auch in die­sen Ta­gen von Trond­heim nicht an­ders, was dann wahl­wei­se et­was Fle­hen­des oder Be­schwö­ren­des an sich hat.

Nun ist es aber kei­nes­falls so, dass die­se deut­sche Mann­schaft ir­gend­wie oh­ne ein kon­kre­tes Ziel mit Blick auf das gro­ße Gan­ze bei der EM an­tritt. Das kann sie auch gar nicht – und das weiß auch Prokop, der mit der DHB-Aus­wahl im ver­gan­ge­nen Jahr WMVier­ter wur­de und sich nach dem gro­ßen Glück sehnt. „Wenn al­les passt, kön­nen wir wie­der ins Halb­fi­na­le ein­zie­hen. Und dies­mal möch­ten wir uns auch be­loh­nen. Ich spü­re ei­nen Hun­ger in der Mann­schaft,

dass sie dies­mal et­was Greif­ba­res mit­neh­men möch­te“, sagt der Bun­des­trai­ner, na­tür­lich nicht oh­ne – Stichwort Etap­pen­ziel – auf die Vor­run­de zu ver­wei­sen, in der es ge­gen Ti­tel­ver­tei­di­ger Spa­ni­en so­wie die Au­ßen­sei­ter Lett­land und zum Auf­takt ge­gen EM-Neu­ling Nie­der­lan­de geht: „Zu glau­ben, wir ge­win­nen die­se zwei Par­ti­en mit 90 Pro­zent un­se­res Leis­tungs­ver­mö­gens, wä­re ein fa­ta­ler Feh­ler. Des­we­gen soll­ten wir nicht nur auf Spa­ni­en schau­en.“

Nichts­des­to­trotz ist das Du­ell mit den Ibe­rern am Frei­tag, 11. Ja­nu­ar, schon so et­was wie ein ers­tes „End­spiel“ums

Halb­fi­na­le. Die Aus­lo­sung mein­te es gut mit den Deut­schen, die es in ei­ner mög­li­chen Haupt­run­de ne­ben Spa­ni­en „nur“noch mit den eben­falls zum er­wei­ter­ten Fa­vo­ri­ten­kreis zäh­len­den Kroa­ten zu tun be­kom­men. Den üb­ri­gen Ti­tel­an­wär­tern ge­hen sie vor­erst aus dem Weg.

Es ist al­so al­les an­ge­rich­tet für ei­nen wei­ten Weg ist Tur­nier. Wenn da bloß nicht die­ses im­men­se Ver­let­zungs­pech wä­re. Nicht we­ni­ger als sie­ben Rück­raum­spie­ler (Mar­tin Stro­bel, Tim Su­ton, Si­mon Ernst, Franz Sem­per, Fa­bi­an Wie­de, Stef­fen Wein­hold, Se­bas­ti­an Hey­mann) muss der

Trai­ner er­set­zen. Kurz­um: So­wohl auf der Mit­te als auch auf der halb­rech­ten Po­si­ti­on muss jetzt der Er­satz vom Er­satz vom Er­satz vom Er­satz ran.

„An­ge­sichts der Aus­fäl­le sind wir bei der Be­trach­tung al­ler Mann­schaf­ten ei­gent­lich nicht ers­ter An­wär­ter aufs Halb­fi­na­le. Aber auf­grund der Aus­lo­sung rech­nen wir uns Chan­cen aus. Das Grund­ge­rüst steht ja mit der De­ckung, die un­ser Prunkstück ist“, sagt Ab­wehr­chef Hen­drik Pe­keler. Zwei­fels­oh­ne ist auch der in­ter­na­tio­na­le Re­spekt vor dem DHB-Boll­werk rie­sen­groß. Nikolaj Ja­cob­sen, der zwei­fa­che Meis­ter­coach der Rhein-Neckar

Lö­wen und jet­zi­ge Trai­ner der Dä­nen, legt sich mit Blick auf die Deut­schen fest: „Das ist die bes­te Ab­wehr Eu­ro­pas.“

Um zu ver­ste­hen, wie er dar­auf kommt, reicht ein Blick auf die WM 2019. Da ver­zwei­fel­ten die Geg­ner der Rei­he nach an die­ser kaum über­wind­ba­ren De­fen­si­ve, erst den flin­ken Nor­we­gern fiel im Halb­fi­na­le et­was ge­gen die ro­bus­ten deut­schen Schlacht­rös­ser um die bei­den Kie­ler Patrick Wi­encek und Pe­keler im Mit­tel­block ein. Die Deut­schen bau­ten an­sons­ten ei­ne ge­wal­ti­ge Mau­er um ihr Tor – und wer­den das an­ge­sichts der Pro­ble­me im ei­ge­nen Of­fen­siv­spiel auch dies­mal ver­su­chen.

„Wir müs­sen al­ler­dings aus un­se­rer Ab­wehr mehr Ka­pi­tal schla­gen als bei der WM. Da ha­ben wir uns mei­ner Mei­nung nach nicht oft ge­nug be­lohnt. Wir brau­chen mehr kla­re Kon­ter“, for­dert Pe­keler Mut im Um­schalt­spiel ein. Denn nicht im­mer wird sie in den Ge­gen­stoß kom­men – und im Po­si­ti­ons­an­griff gilt es dann, ei­ge­ne Ball­ver­lus­te zu ver­mei­den. „Es geht um Dis­zi­plin“, sagt Prokop, der vor dem heu­ti­gen Tur­nier­auf­takt (18.15 Uhr/ZDF) ge­gen die Nie­der­lan­de trotz al­ler Wid­rig­kei­ten Ru­he aus­strahlt. Ganz ein­fach, weil er sei­ner Mann­schaft ver­traut, an ih­re Qua­li­tä­ten und ih­ren Cha­rak­ter glaubt: „Wir ha­ben coo­le Jungs da­bei, die et­was Gu­tes oder sehr Gu­tes aus die­ser EM ma­chen kön­nen.“

Fo­to: ima­go images/Mar­co Wolf

Ent­schlos­sen: Die deut­sche Mann­schaft um Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer und Trai­ner Chris­ti­an Prokop (links) will ins EM-Halb­fi­na­le.

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