War­ten auf Fach­arzt­ter­min ver­kür­zen

Te­le­fon­num­mer der zen­tra­len Ter­min­ver­ga­be­stel­le auch in der Re­gi­on

Meppener Tagespost - - NACHBARSCH­AFT - Von Ca­ro­li­ne Thei­ling

Wer ei­nen Ter­min bei ei­nem Fach­arzt braucht, muss nicht sel­ten meh­re­re Mo­na­te dar­auf war­ten. Das soll nun seit 2. Ja­nu­ar 2020 an­ders wer­den. Hat man bei sei­nem Wun­sch­arzt zeit­nah kei­nen Er­folg, soll un­ter der Te­le­fon­num­mer 116117 wei­ter­ge­hol­fen wer­den.

Hin­ter die­ser Num­mer, die bun­des­ein­heit­lich gilt, ver­birgt sich die zen­tra­le Ter­min­ver­ga­be­stel­le. Sie soll Hil­fe­stel­lung bei zwei ver­schie­de­nen An­lie­gen bie­ten: Der An­ru­fer hat aku­te Be­schwer­den, die kei­nen zeit­li­chen Auf­schub zu­las­sen, oder der Pa­ti­ent ist auf Ter­min­su­che bei ei­nem Fach­arzt. Aus­ge­nom­men von die­ser Re­ge­lung sind bis­lang noch die Zahn­ärz­te.

Was heißt das für Pa­ti­en- ten aus dem Alt­kreis Lin­gen? Da­zu hat un­se­re Re­dak­ti­on mit dem Lin­ge­ner All­ge­mein­me­di­zi­ner Dr. Ste­fan Si­newe aus Lin­gen ge­spro­chen. „Grund­sätz­lich kön­nen kran­ke Men­schen wei­ter­hin bei ih­ren ver­trau­ten Ärz­ten Ter­mi­ne ver­ein­ba­ren“, macht Si­newe deut­lich.

Kur­ze Über­gangs­zeit

Nur au­ßer­halb der nor­ma­len Sprech­zei­ten gel­te nun nicht mehr die Te­le­fon­num­mer 5000, un­ter der der Be­reit­schafts­dienst im Bo­ni­fa­ti­us-Ho­s­pi­tal er­reicht wer­den konn­te, son­dern nur noch die 116117. Für ei­ne kur­ze Über­gangs­zeit wer­de so­gar noch die 5000 auf die 116117 um­ge­lei­tet.

Und wer ist am an­de­ren En­de der Lei­tung? Da­zu heißt es von der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Nie­der­sach­sen (KVN): Nach ei­ner Band­an­sa­ge kann der Pa­ti­ent wäh­len: „Sie ha­ben aku­te me­di­zi­ni­sche Be­schwer­den oder brau­chen ärzt­li­che Hil­fe? Dann drü­cken Sie bit­te die Tas­te 1 oder blei­ben Sie in der Lei­tung. Sie möch­ten ei­nen Arzt- oder Psy­cho­the­ra­pie­ter­min ver­ein­ba­ren? Dann drü­cken Sie bit­te die Tas­te 2. „Me­di­zi­nisch ge­schul­te Mit­ar­bei­ter stel­len bei Be­schwer­den

zu­nächst mit­hil­fe ei­nes stan­dar­di­sier­ten Er­stein­schät­zungs­ver­fah­rens fest, wie dring­lich ei­ne Be­hand­lung ist und wo­hin sich der Pa­ti­ent wen­den kann. Dies kann je nach Schwe­re der Be­schwer­den ein nie­der­ge­las­se­ner Arzt, ei­ne Be­reit­schafts­dienst­pra­xis oder die Not­auf­nah­me ei­nes Kran­ken­hau­ses sein. In Not­fäl­len wird die 112 – al­so der Ret­tungs­dienst – ein­ge­schal­tet.

„Wie sehr das ak­zep­tiert wird, weiß ich nicht. Es ist schon schwie­rig, wenn man ei­nen Or­tho­pä­den spre­chen möch­te und be­kommt dann ei­nen Ter­min bei­spiels­wei­se in Rheine. Ob der Pa­ti­ent den dann wahr­nimmt?“, ist Si­newe skep­tisch, was die Um­set­zung an­geht. Die freie Arzt­wahl ist da­mit ein­ge­schränkt. Nicht je­der sei so mo­bil, dass er ei­ne Pra­xis im Um­kreis von 30 Ki­lo­me­tern er­rei­chen kön­ne. Bis zu die­ser Ent­fer­nung sol­len die Ter­mi­ne an­ge­bo­ten wer­den.

Au­ßer­dem sieht er ei­ni­gen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand. Denn die Fach­ärz­te müs­sen pro Tag für ei­ne St­un­de fes­te Ter­mi­ne in ei­ne Art Ka­len­der bei der KVN ein­stel­len. Auf die­sen ha­ben die Mit­ar­bei­ter des Call­cen­ters Zu­griff und kön­nen sie an Pa­ti­en­ten wei­ter­ge­ben. Die­se Zeit ist dann in der Pra­xis ge­blockt.

Ei­nen Vor­teil sieht der Lin­ge­ner in der Tat­sa­che, dass die­se Num­mer bun­des­weit gilt. Wenn man al­so in ei­ner frem­den Stadt un­ter­wegs sei und ärzt­li­che Hil­fe be­nö­ti­ge, so kön­ne man di­rekt die 116117 wäh­len und er­fah­re dort, an wen man sich vor Ort wen­den kann. Da­mit soll­ten auch die Not­auf­nah­men der Kran­ken­häu­ser ent­las­tet wer­den. Ei­ne wei­te­re Neue­rung kann laut Si­newe eben­falls zu ei­ner leich­ten Ent­las­tung füh­ren. Fach­ärz­te ha­ben pro Quar­tal nur ein be­stimm­tes Bud­get zu Ver­fü­gung, das sie mit den Kran­ken­kas­sen ab­rech­nen kön­nen. Ist die­ses auf­ge­braucht, kann der Arzt kei­ne wei­te­ren Kos­ten gel­tend ma­chen. Kommt aber ein neu­er Pa­ti­ent, der min­des­tens zwei Jah­re nicht in der Pra­xis war, gilt die­se Be­schrän­kung seit An­fang des Jah­res nicht mehr und der Arzt kann die Be­hand­lung ab­rech­nen.

Fo­to: Patrick

Ei­ne Num­mer, die sich je­der mer­ken soll­te: die Te­le­fon­num­mer 116117 des ärzt­li­chen Be­reit­schafts­diens­tes. Pleul/zb/dpa

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