„Ich bin ein Star“: Kri­tik an RTL wächst

Ab heu­te ist Ex-Ver­kehrs­mi­nis­ter Krau­se als ers­ter Po­li­ti­ker beim RTL-Spek­ta­kel da­bei

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Max-Ste­fan Kos­lik

Die Kri­tik am RTLD­schun­gel­camp in Aus­tra­li­en reißt nicht ab. Nun for­dert auch die Me­dien­ex­per­tin der Uni­on den Sen­der auf, die Show an­ge­sichts der Busch­brän­de aus­zu­set­zen. „Men­schen und Tie­re ster­ben, vie­le ver­lie­ren ih­re Häu­ser. Dies ist nicht die ge­eig­ne­te Sze­ne­rie für ei­ne leich­te Un­ter­hal­tungs­sen­dung, teil­te die me­di­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Uni­ons­frak­ti­on, Eli­sa­beth Mot­sch­mann, ges­tern mit.

Mo­de­ra­to­rin Son­ja Ziet­low ver­tei­dig­te ih­re Show. „Un­se­re aus­tra­li­schen Kol­le­gen sind mehr als dank­bar, ih­ren Job nicht (auch noch) zu ver­lie­ren!“, schrieb sie auf Face­book. Das Dschun­gel­camp star­tet heu­te. Mit da­bei ist auch Ex-Bun­des­mi­nis­ter Gün­ther Krau­se.

Wer Gün­ther Krau­se ver­ste­hen will, kommt an Pe­ter-Micha­el Die­s­tel nicht vor­bei. Und das nicht nur, weil Krau­se als ers­ter deut­scher Po­li­ti­ker längst für sei­nen Auf­tritt im heu­te be­gin­nen­den Dschun­gel­camp nach Aus­tra­li­en ge­flo­gen ist. Auch nicht nur, weil An­walt Die­s­tel den glück­lo­sen Po­li­ti­ker und noch glück­lo­se­ren Un­ter­neh­mer zig­mal aus di­ver­sen Ma­lai­sen her­aus­ge­hau­en hat. Son­dern auch, weil Die­s­tel Krau­se als „Mein Freund Gün­ther“be­zeich­net.

Je­ner Gün­ther Krau­se, der nach der Wen­de schnell Pro­fes­sor sei­ner Hei­mat­hoch­schu­le in Wis­mar wur­de. Je­ner Gün­ther Krau­se, der als Staats­se­kre­tär der letz­ten DDR-Re­gie­rung den Ei­ni­gungs­ver­trag ver­han­del­te. Mit 36 Jah­ren! In der Zeit, als Pe­ter-Micha­el Die­s­tel letz­ter In­nen­mi­nis­ter der DDR war. Je­ner Krau­se, der nach zig Skan­da­len sein Amt als Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter ver­lor und sei­nen CDU-Vor­sitz in Meck­len­burg-Vor­pom­mern gleich mit. 1993. Üb­ri­gens an An­ge­la Mer­kel. Sie war drei Jah­re zu­vor auf Krau­ses Emp­feh­lung hin von der Küs­tenCDU für den Bun­des­tag no­mi­niert wor­den – und hält seit­her ihr Man­dat auf Rü­gen.

Für Krau­se kam es an­ders. Um­strit­te­ne Li­zenz­ver­ga­be für Au­to­bahn­rast­stät­ten. Ei­ne Putz­frau be­zu­schusst vom Ar­beits­amt. Ein Um­zug auf Staats­kos­ten. Dann war es vor­bei mit dem Po­li­ti­ker Krau­se. Der lei­den­schaft­li­che Or­gel­spie­ler hat­te sei­ne Re­pu­ta­ti­on ver­spielt. Auch wenn er am An­fang sei­ner Kar­rie­re als Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter gar nicht so er­folg­los war. Krau­se brach­te die „Ver­kehrs­pro­jek­te Deut­sche Ein­heit“auf den Weg, die un­ter an­de­rem die Küs­ten­au­to­bahn A 20 brach­ten. Aber wel­ches Sinn­bild: In­zwi­schen ist auch die­se ein­ge­bro­chen.

Die po­li­ti­sche Kar­rie­re war so steil wie kurz. 1993 wur­de der Un­ter­neh­mer Krau­se ge­bo­ren. Sei­ne ge­schie­de­ne Frau Heike er­klär­te den Wan­del ein­mal so: „Er woll­te viel Geld ver­die­nen. Un­ter­neh­mer wer­den und Geld ver­die­nen.“Da hat­te er ihr Geld be­reits in den Sand ge­setzt. Und das vie­ler an­de­rer auch. Der Un­ter­neh­mer Krau­se bau­te nichts Ge­rin­ge­res als Volks­häu­ser, spe­ku­lier­te mit wert­lo­sen Schwei­zer

Wert­pa­pie­ren, ver­sprach aus Haus­müll Öl zu ma­chen und be­zog zu­letzt ein spek­ta­ku­lä­res An­we­sen im tiefs­ten Meck­len­burg für 500 000 Eu­ro. Oh­ne es je zu be­zah­len. Aber im­mer mit gro­ßem Au­to. Gün­ther Krau­se ei­nen Ha­sar­deur zu nen­nen ist kei­ne Be­lei­di­gung. Im Hin­ter­kopf kann man da­bei für sich Syn­ony­me ab­spu­len: Glücks­rit­ter, Spe­ku­lant, auch Hoch­stap­ler fin­det man im Wör­ter­buch. Ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe hat­te er je­den­falls.

Pe­ter-Micha­el Die­s­tel kennt Krau­se wie kein an­de­rer. Und was hat das mit dem Dschun­gel­camp auf sich? „Ich ha­be ver­sucht, ihm das aus­zu­re­den“, sag­te uns Die­s­tel rat­los am Te­le­fon. Und das ist er sel­ten. Auch er kann nur spe­ku­lie­ren. „Es tut mir weh. Der gan­ze Freun­des­kreis hat ihm ab­ge­ra­ten. Ich hof­fe, dass ich mich ir­re und dass er mit gro­ßem Er­folg und op­tisch ge­stärkt aus der Ge­schich­te her­vor­geht.“Wer Die­s­tel kennt, kann sich vor­stel­len, was er meint.

Krau­se und Die­s­tel – zwei Po­li­ti­ker, die lei­se ka­men und laut wie­der gin­gen. Zwei Nach­wen­de­kar­rie­ren, de­ren Aus­gang nicht un­ter­schied­li­cher hät­ten sein kön­nen. Die aber noch im­mer mit­ein­an­der ver­bun­den sind. „Ein Ver­hält­nis der Dis­tanz“, sagt Die­s­tel heu­te. Als Gün­ther Krau­se als Haus­be­set­zer im Früh­jahr 2018 ge­räumt wer­den soll­te, spricht Die­s­tel vom „Tief­punkt im Le­ben“sei­nes Man­dan­ten. „Ich glau­be, das Glück hat ihn ver­las­sen“, sag­te er vor lau­fen­der Ka­me­ra. „Der lie­be Gott hält sei­ne Hand nicht über ihn.“Im Le­ben ge­be es nun mal ein Auf und Ab. „Und das ganz, ganz tie­fe Ab von Herrn Pro­fes­sor Krau­se tut mir leid.“Da wuss­te Die­s­tel noch nichts vom Dschun­gel­camp. Letz­te Aus­fahrt für Ver­kehrs­mi­nis­ter Krau­se.

Ich bin ein Star – Holt mich hier raus: RTL, ab heu­te, 21.15 Uhr

Fo­to: TV Now/Arya Shi­ra­zi

Stellt sich den Dschun­gel­prü­fun­gen: Po­li­ti­ker Gün­ther Krau­se.

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