Flug­zeug im Iran ver­se­hent­lich ab­ge­schos­sen?

Ka­na­da geht von Ra­ke­ten­tref­fer aus / USA: Sind nach Es­ka­la­ti­on be­reit für Ver­hand­lun­gen mit Te­he­ran

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E -

Nach dem Ab­sturz ei­ner ukrai­ni­schen Pas­sa­gier­ma­schi­ne bei Te­he­ran geht die ka­na­di­sche Re­gie­rung von ei­nem Ab­schuss der Ma­schi­ne aus. Man ha­be In­for­ma­tio­nen, dass die Bo­eing von ei­ner ira­ni­schen Ra­ke­te ge­trof­fen wor­den sei, sag­te Ka­na­das Mi­nis­ter­prä­si­dent Jus­tin Tru­deau ges­tern Abend. Bei dem

Ab­sturz wa­ren am Mitt­woch mehr als 170 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men – dar­un­ter 63 Ka­na­di­er. US-Re­gie­rungs­ver­tre­ter ver­mu­ten, dass das Flug­zeug ver­se­hent­lich vom Iran ab­ge­schos­sen wor­den sein könn­te. Dies be­rich­te­ten ges­tern meh­re­re Me­di­en. USPrä­si­dent Do­nald Trump sag­te, wo­mög­lich ha­be je­mand „auf der an­de­ren Sei­te“ei­nen

„Feh­ler“be­gan­gen. Da­ge­gen wies die ira­ni­sche Re­gie­rung Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ab­schuss als halt­los zu­rück.

Nach den Mi­li­tär­schlä­gen zwi­schen den USA und dem Iran ste­hen die Zei­chen in der Re­gi­on an­sons­ten vor­erst auf Ent­span­nung. „Wir sind be­reit für ernst­haf­te Ver­hand­lun­gen mit dem Iran oh­ne Vor­be­din­gun­gen“, schrieb die ame­ri­ka­ni­sche UN-Bot­schaf­te­rin Kel­ly Craft an den UN­Si­cher­heits­rat. Te­he­ran be­ton­te, man wol­le die USA mit po­li­ti­schen Mit­teln aus der Re­gi­on ver­trei­ben. Der Iran hat­te in der Nacht zu Mitt­woch mit ei­nem An­griff auf zwei von den USA ge­nutz­te Mi­li­tär­ba­sen auf die Tö­tung des ira­ni­schen Ge­ne­rals Kas­sem So­lei­ma­ni ge­ant­wor­tet.

Ges­tern for­der­te Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, die ira­ki­sche Re­gie­rung müs­se nun drin­gend über die Zu­kunft des in­ter­na­tio­na­len Mi­li­tär­ein­sat­zes in ih­rem Land ent­schei­den. Deutsch­land sei be­reit, den Ein­satz fort­zu­set­zen, sag­te sie nach ei­ner Son­der­sit­zung des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses.

Die bei Te­he­ran ab­ge­stürz­te ukrai­ni­sche Pas­sa­gier­ma­schi­ne könn­te Me­di­en zu­fol­ge von ei­ner ira­ni­schen Flug­ab­wehr­ra­ke­te ge­trof­fen wor­den sein. US-Re­gie­rungs­be­am­te hiel­ten dies für hoch wahr­schein­lich, be­rich­te­te der TV-Sen­der CBS ges­tern und be­zog sich auf nicht ge­nann­te Qu­el­len. Das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „News­week“mel­de­te un­ter Be­ru­fung auf zwei Pen­ta­gonMit­ar­bei­ter, dies sei wohl ver­se­hent­lich ge­sche­hen.

Die An­nah­me sei, dass das ira­ni­sche Luft­ab­wehr­sys­tem ak­tiv ge­we­sen sein könn­te, nach­dem in der Nacht zum Mitt­woch vom Iran aus Ra­ke­ten auf von US-Sol­da­ten ge­nutz­te Mi­li­tär­stütz­punk­te im Irak ab­ge­feu­ert wor­den wa­ren, teil­te „News­week“mit. Der Iran hat­te Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ab­schuss zu­vor be­reits zu­rück­ge­wie­sen. Bei dem Ab­sturz wa­ren 176 Men­schen ge­stor­ben. Die Bo­eing 737 der Ukrai­ne In­ter­na­tio­nal Air­lines war auf dem Weg von Te­he­ran nach Kiew.

CBS be­rich­te­te, US-Ge­heim­diens­te hät­ten Si­gna­le von ei­nem Ra­dar emp­fan­gen, das ein­ge­schal­tet wor­den sei. US-Sa­tel­li­ten hät­ten au­ßer­dem den Start von zwei Bo­den-Luft-Ra­ke­ten kurz vor der Ex­plo­si­on des Flug­zeugs ent­deckt. Der Sen­der CNN mel­de­te un­ter Be­ru­fung auf meh­re­re Be­hör­den­ver­tre­ter, man ge­he zu­neh­mend von ei­nem ver­se­hent­li­chen Ab­schuss durch den Iran aus. Die­ser „Ar­beits­theo­rie“lä­ge die Ana­ly­se von Sa­tel­li­ten-, Ra­dar- und an­de­ren elek­tro­ni­schen Da­ten zu­grun­de, die rou­ti­ne­mä­ßig vom Mi­li­tär ge­sam­melt wür­den.

Der­weil heiz­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump Mut­ma­ßun­gen über die Ab­sturz­ur­sa­che der Ma­schi­ne an. „Ich ha­be mei­nen Ver­dacht“, sag­te Trump im Wei­ßen Haus. „Ich will das nicht sa­gen, weil an­de­re Men­schen auch die­sen Ver­dacht ha­ben. Es ist ei­ne tra­gi­sche An­ge­le­gen­heit.“Der Prä­si­dent er­klär­te wei­ter: „Je­mand könn­te ei­nen Feh­ler ge­macht ha­ben.“Ei­ni­ge Men­schen ver­mu­te­ten, dass es ei­nen me­cha­ni­schen Feh­ler ge­ge­ben ha­ben könn­te. Er per­sön­lich glau­be aber, das ste­he nicht zur De­bat­te. Auf die Fra­ge, ob die Ma­schi­ne aus Ver­se­hen ab­ge­schos­sen wor­den sein könn­te, ant­wor­te­te Trump al­ler­dings: „Das weiß ich wirk­lich nicht.“

Die ira­ni­schen Be­hör­den be­kräf­tig­ten ges­tern, dass ei­ne tech­ni­sche Ur­sa­che zu der Ka­ta­stro­phe ge­führt ha­be. „We­gen ei­nes tech­ni­schen De­fekts

hat die Ma­schi­ne Feu­er ge­fan­gen, und dies führ­te zum Ab­sturz“, sag­te Ver­kehrsund Trans­port­mi­nis­ter Mo­ham­med Es­la­mi. Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ab­schuss der Bo­eing 737 oder ei­ne Ter­ror­o­pe­ra­ti­on sei­en falsch. Die Ukrai­ne schließt hin­ge­gen ei­nen Ra­ke­ten­an­griff oder ei­nen Ter­ror­an­schlag als Ur­sa­che nicht aus.

Der Lei­ter der ira­ni­schen Luft­fahrt­be­hör­de be­zeich­ne­te ei­nen Ab­schuss der Pas­sa­gier­ma­schi­ne als „wis­sen­schaft­lich un­mög­lich“und wies ent­spre­chen­de Spe­ku­la­tio­nen als „un­lo­gisch“zu­rück. Prä­si­dent Has­san Ru­ha­ni bot in ei­nem Te­le­fo­nat mit sei­nem ukrai­ni­schen Kol­le­gen Wo­lo­dy­myr Se­lens­kyj an, Ex­per­ten­teams bei­der Län­der soll­ten die Ab­sturz­ur­sa­che gründ­lich un­ter­su­chen.

Die Er­mitt­ler wol­len nun den kur­zen Flug re­kon­stru­ie­ren. In ei­nem ges­tern ver­öf­fent­lich­ten vor­läu­fi­gen Be­richt der ira­ni­schen Luft­fahrt­be­hör­de heißt es, die Ma­schi­ne ha­be ver­sucht, zu­rück zum Flug­ha­fen zu flie­gen. Au­gen­zeu­gen hät­ten be­rich­tet, die Ma­schi­ne ha­be ge­brannt. Als sie am Bo­den auf­schlug, sei sie ex­plo­diert – wohl weil das Flug­zeug gro­ße Men­gen Ke­ro­sin ge­tankt hat­te.

Die Ex­per­ten er­hof­fen sich mehr In­for­ma­tio­nen durch die Aus­wer­tung der bei­den Black­bo­xen mit den Flug­da­ten. Die Bo­xen ent­hal­ten die Flug­da­ten­schrei­ber und ei­nen Stim­men­re­kor­der mit Auf­nah­men der Ge­sprä­che im Cock­pit. Die­se soll­ten nach gründ­li­chen Un­ter­su­chun­gen an die Ukrai­ne über­ge­ben wer­den, kün­dig­te die Luft­fahrt­be­hör­de an. Die Ge­rä­te sei­en aber be­schä­digt. Kurz vor dem Ab­sturz ha­be auch kein Funk­kon­takt mehr zu den Pi­lo­ten be­stan­den.

Fo­to: AFP/IR­NA/Ak­bar Ta­va­ko­li

Doch kein Un­glück? Der Ab­sturz des ukrai­ni­schen Flug­zeugs bei Te­he­ran gibt wei­ter Rät­sel auf.

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