IHK for­dert mehr Re­for­men, Mi­nis­ter ei­ne an­de­re Men­ta­li­tät

Neu­jahrs­emp­fang der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer in der Lin­ge­ner Ems­land­a­re­na

Meppener Tagespost - - KREIS EMSLAND - Von Tho­mas Pertz

Mehr Re­for­men for­dert der IHK-Prä­si­dent, ei­ne an­de­re Men­ta­li­tät in der Ge­sell­schaft der nie­der­säch­si­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter. Das Ziel: kom­men­de Her­aus­for­de­run­gen be­ste­hen. Uwe Goe­bel und Bernd Al­t­hus­mann ha­ben beim Neu­jahrs­emp­fang am Mitt­woch­abend in der Ems­land­a­re­na in Lin­gen den Rah­men für das we­ni­ge Ta­ge al­te Jahr 2020 ab­ge­steckt.

Vor dem Hin­ter­grund ei­ner trotz ei­ge­ner Er­fol­ge durch­wach­se­nen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in der Re­gi­on und dar­über hin­aus schnür­te Goe­bel vor über 500 Gäs­ten für die Bun­des- und Lan­des­re­gie­rung ein um­fang­rei­ches Auf­ga­ben­pa­ket. Der Steu­er­be­ra­ter aus Os­na­brück, der im De­zem­ber 2018 die Nach­fol­ge von Mar­tin Schlich­ter als Prä­si­dent der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer an­ge­tre­ten hat­te, mach­te ins­be­son­de­re die Schwä­che des Ex­ports als Ur­sa­che der Kon­junk­tur­flau­te aus. Ne­ben Groß­bri­tan­ni­en wür­den Russ­land, Chi­na und die Tür­kei er­heb­li­che Sor­gen be­rei­ten. Die IHK set­ze sich für Frei­han­del ein „und meint das auch ernst“, un­ter­strich der Prä­si­dent. Er un­ter­mau­er­te die­se Aus­sa­ge mit sei­ner For­de­rung, die Wir­kung von Sank­tio­nen ge­gen Russ­land zu über­prü­fen und wenn mög­lich ab­zu­schaf­fen. Die Sank­tio­nen be­ein­träch­ti­gen un­ter an­de­rem die Land­ma­schi­nen­in­dus­trie im IHK-Be­zirk in er­heb­li­chem Ma­ße.

Goe­bel mahn­te au­ßer­dem Re­for­men als Re­ak­ti­on auf die schwä­cheln­de Kon­junk­tur an. Kon­kret schlug er Lo­cke­run­gen der Zu­gangs­re­ge­lun­gen zum Kurz­ar­bei­ter­geld vor, ein In­stru­ment, das be­reits wäh­rend der Fi­nanz­kri­se 2008/2009 bun­des­weit 850000 Ar­beits­plät­ze ge­si­chert ha­be. „Die ers­ten Be­trie­be sind bei uns be­reits im Früh­som­mer 2019 in die Kurz­ar­beit ein­ge­stie­gen“, be­grün­de­te der IHK-Prä­si­dent den Hand­lungs­be­darf. Au­ßer­dem kön­ne Kurz­ar­beit sys­te­ma­tisch mit Wei­ter­bil­dung ver­knüpft wer­den. „Dann gin­gen die Be­trie­be wie die Be­schäf­tig­ten so­gar ge­stärkt aus ei­nem Ab­schwung her­vor.“

An die Adres­se der Lan­des­re­gie­rung rich­te­te der Steu­er­be­ra­ter den Ap­pell, an­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels als „Ge­schäfts­ri­si­ko Num­mer 1“die At­trak­ti­vi­tät der be­ruf­li­chen Bil­dung zu stei­gern. Da­für wer­de in den Be­rufs­schu­len ei­ne an­ge­mes­se­ne Un­ter­richts­ver­sor­gung be­nö­tigt. „Wer­te um die 90 Pro­zent sind nach wie vor nicht ak­zep­ta­bel“, be­ton­te Goe­bel, der den Aus­bil­dungs­part­nern in den Be­trie­ben und den Kol­le­gi­en in den Schu­len für ih­re Ar­beit dank­te.

Der IHK-Prä­si­dent hob aus­drück­lich die An­stren­gun­gen von Mi­nis­ter Al­t­hus­mann beim Bü­ro­kra­tie­ab­bau her­vor und ver­wies auf des­sen Ein­satz zur Ver­ein­fa­chung und Be­schleu­ni­gung von Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren. Am Bei­spiel des Aus­baus des Dort­mund-Ems-Ka­nals, des­sen Fer­tig­stel­lungs­ter­min im­mer wei­ter in die Zu­kunft ver­scho­ben wur­de und ak­tu­ell beim Jahr 2031 liegt, mach­te Goe­bel aber den wei­te­ren Hand­lungs­be­darf deut­lich.

Den sah der IHK-Prä­si­dent auch bei den han­deln­den Ak­teu­ren in der Re­gi­on, um Men­schen und Be­trie­ben op­ti­ma­le Stand­ort- und Le­bens­be­din­gun­gen zu bie­ten. Über­fäl­lig ist nach sei­nen Wor­ten ein ab­ge­stimm­tes Re­gio­nal­mar­ke­ting zwi­schen Stadt und Land­kreis Os­na­brück. Ein mög­li­ches Vor­bild kön­ne die Ems­land-Kam­pa­gne „Zu­hau­se bei den Ma­chern“sein. Als Os­na­brü­cker Er­folgs­bei­spiel nann­te Goe­bel das Start-up-Zen­trum „Seed­hou­se“. Ein sol­ches kön­ne er sich auch am Hoch­schul­stand­ort

Lin­gen vor­stel­len.

Wirt­schafts­mi­nis­ter Al­t­hus­mann ver­wies auf die ge­wal­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen, vor de­nen Nie­der­sach­sen und Deutsch­land ins­ge­samt ins­be­son­de­re im Be­reich der Di­gi­ta­li­sie­rung stün­den. Gan­ze Ar­beits- und Le­bens­be­rei­che sei­en ei­nem Wan­del un­ter­zo­gen. Die­sen Wan­del mu­tig mit­zu­ge­stal­ten und we­ni­ger zu zau­dern: so lau­te­te das Cre­do des stell­ver­tre­ten­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten.

Leis­tungs­be­reit­schaft

Um die Her­aus­for­de­run­gen be­ste­hen zu kön­nen, ist nach sei­nen Wor­ten aber ei­ne Be­wusst­seins­ver­än­de­rung not­wen­dig. „Nach Jah­ren des stän­di­gen wirt­schaft­li­chen Wachs­tums ist es an der Zeit, an man­che Grund­tu­gen­den der so­zia­len Markt­wirt­schaft zu er­in­nern: dass es nicht nur ums Ver­tei­len geht, son­dern al­les vor­her erst ein­mal er­wirt­schaf­tet wer­den muss.“Leis­tungs­be­reit­schaft und Un­ter­neh­mer­tum wür­den da­für die Vor­aus­set­zung schaf­fen, kei­ne Schau­kel­stuhl­po­li­tik.

Not­wen­dig sei au­ßer­dem, so der CDU-Po­li­ti­ker wei­ter, „das ho­he Er­re­gungs- und

Em­pö­rungs­ni­veau der letz­ten Jah­re auf ein ver­tret­ba­res Maß zu sen­ken“. Es ge­he um Re­spekt vor den Leis­tun­gen der Äl­te­ren und um das Ernst­neh­men von Sor­gen der Jün­ge­ren.

Nur so kann es den Aus­füh­run­gen von Al­t­hus­mann zu­fol­ge auch ge­lin­gen, dass in Deutsch­land die rich­ti­gen The­men ge­setzt wür­den. Das Land steht nach sei­nen Wor­ten glo­bal im Wett­be­werb der Sys­te­me „und strei­tet über die Bon­pflicht“. Nie­der­sach­sen sah Al­t­hus­mann gleich­wohl auf ei­nem gu­ten Weg. Die Groko funk­tio­nie­re in Han­no­ver, sag­te er über das Zu­sam­men­spiel von SPD und CDU in der Lan­des­haupt­stadt.

Das Zu­sam­men­spiel von Haupt- und Eh­ren­amt­li­chen in der IHK funk­tio­niert eben­falls. Das The­ma Eh­ren­amt ste­he 2020 im Mit­tel­punkt der IHK-Ar­beit, so Prä­si­dent Gö­bel. Ge­mein­sam hiel­ten er und die Eh­ren­gäs­te mit He­li­um gefüllte Luft­bal­lons, die die Auf­schrift „Ge­mein­sam Eh­ren­amt stär­ken“, in den Hän­den. Dann lie­ßen sie sie los. Die Bal­lons schweb­ten Rich­tung Hal­len­de­cke – mit dem Eh­ren­amt ging es Mitt­woch­abend in Lin­gen auch op­tisch auf­wärts.

Fo­to: Tho­mas Pertz

In die Lin­ge­ner Ems­land­a­re­na lud die IHK am Mitt­woch­abend zum Neu­jahrs­emp­fang ein (von links): IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­co Graf, Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hav­liza, IHK-Prä­si­dent Uwe Goe­bel, Fi­nanz­mi­nis­ter Rein­hold Hil­bers, der stell­ver­tre­ten­de Mi­nis­ter­prä­si­dent Bernd Al­t­hus­mann und Lin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Kro­ne.

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