So funk­tio­niert Be­tei­li­gung nicht

Stadt­schü­ler­rat weit­ge­hend un­be­kannt / Neu­bil­dung oh­ne Wah­len

Meppener Tagespost - - MEPPEN - Von Ja­na Probst

Ei­ne Ar­beits­ge­mein­schaft soll in Mep­pen bald er­ar­bei­ten, wie die Ju­gend­li­chen vor Ort in die Stadt­po­li­tik ein­be­zo­gen wer­den kön­nen (wir be­rich­te­ten). Ein Ju­gend­par­la­ment war da­bei im Ge­spräch. Dass es in Mep­pen be­reits ein Gre­mi­um gibt, über das Ju­gend­li­che sich be­tei­li­gen kön­nen, wis­sen vie­le al­ler­dings nicht. Nicht ein­mal die Schü­ler selbst.

Für zwei Jah­re stel­len die Schü­ler­rä­te der wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Mep­pen je­weils ein Mit­glied und ei­nen Stell­ver­tre­ter, die den Stadt­schü­ler­rat bil­den. Ihm ste­hen ein ge­wähl­ter Vor­sit­zen­der, sein Stell­ver­tre­ter so­wie zwei Bei­sit­zer vor. Ei­ner der vier Amts­trä­ger ver­tritt den Rat au­ßer­dem im Mep­pe­ner Schul­aus­schuss und ist dort stimm­be­rech­tigt.

Bei der ers­ten Sit­zung wer­den Vor­sit­zen­der und Aus­schuss­ver­tre­ter ge­wählt. Zu­min­dest soll­te es so sein. Ca­ro­lin Hü­ser hat bei der Neu­bil­dung des Stadt­schü­ler­ra­tes An­fang De­zem­ber den Vor­sitz über­nom­men. Sie ist 15 Jah­re alt und be­sucht die zehn­te Klas­se der An­neFrank-Schu­le. Ca­ro­lin Schüt­te ist Bei­sit­ze­rin und ver­tritt den Rat im Schul­aus­schuss. Sie be­sucht die 10. Klas­se der Kar­di­nal-von-Ga­len-Schu­le und ist 17 Jah­re alt. Bei­de sind schon seit Jah­ren Klas­sen­spre­che­rin­nen und seit die­sem Jahr auch im Schü­ler­rat bzw. im Schul­vor­stand ih­rer Schu­le ver­tre­ten.

Von elf kom­men vier

Kei­ne von bei­den hat ihr Amt durch ei­ne Wahl er­hal­ten. Denn zur ers­ten Zu­sam­men­kunft des neu­en Ra­tes sind von elf Schü­lern nur vier er­schie­nen: Hü­ser, Schüt­te und zwei wei­te­re Schü­le­rin­nen, die die Po­si­tio­nen der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den und ei­ner wei­te­ren Bei­sit­ze­rin über­nom­men ha­ben. Wer wel­ches Amt be­kommt, ha­ben sie ein­fach un­ter sich aus­ge­macht. Dass nur so we­ni­ge

ge­kom­men sind, kön­ne aber auch an dem Ter­min ge­le­gen ha­ben, sagt Hü­ser. Sie selbst ha­be di­rekt vor der Sit­zung ei­ne Klau­sur ge­schrie­ben. Wie ih­re Ar­beit im Stadt­schü­ler­rat aus­se­hen wird, wis­sen die bei­den Schü­le­rin­nen noch nicht.

Ein The­ma, das ih­nen be

son­ders am Her­zen liegt, wol­len sie in dem Gre­mi­um be­spre­chen: die Ko­ope­ra­ti­on der Mep­pe­ner Schu­len. So könn­ten zum Bei­spiel ge­mein­sa­me Aus­flü­ge or­ga­ni­siert und so­zia­le Pro­jek­te ge­plant wer­den, fin­den die Schü­le­rin­nen. Un­ter den Schü­lern der Mep­pe­ner

Schu­len herrsch­ten teil­wei­se Ri­va­li­tät und Miss­gunst, be­rich­tet Hü­ser. Dass sie sich kon­struk­tiv ein­brin­gen kön­nen, da­von sind die bei­den über­zeugt. „Wenn ich mich rich­tig rein­hän­ge, kann ich auch et­was ver­än­dern“, fin­det Hü­ser. Wie oft sich die Mit­glie­der zu­sam­men­set­zen soll­ten, wol­len sie von den The­men ab­hän­gig ma­chen, die be­han­delt wer­den sol­len. Wo der Stadt­schü­ler­rat ta­gen soll, steht eben­falls noch nicht fest.

Was auf dem Pa­pier wie ein sinn­vol­les In­stru­ment zur Be­tei­li­gung Ju­gend­li­cher aus­sieht, blei­be lei­der oft hin­ter sei­nen Mög­lich­kei­ten zu­rück, schil­dert Chris­ti­an Gol­kow­ski vom Fach­be­reich für Bil­dung, Fa­mi­lie, Ju­gend und Sport. Die Stadt la­de die Schü­ler zur kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung ein. Da­nach müs­se sich der Rat al­ler­dings selbst or­ga­ni­sie­ren. In der Ver­gan­gen­heit sei es oft bei der ers­ten Sit­zung ge­blie­ben.

Das Schul­ge­setz legt fest, dass der Stadt­schü­ler­rat über be­stimm­te The­men in­for­miert wer­den muss und das Recht hat, ei­ne Stel­lung­nah­me ab­zu­ge­ben. Im Zu­sam­men­hang mit dem Neu­bau der Grund­schu­le in Mep­pen­Es­ter­feld sei das ge­sche­hen, be­stä­tigt Gol­kow­ski. Ei­ne Stel­lung­nah­me ha­be es je­doch nicht ge­ge­ben. Die Stadt neh­me die An­lie­gen der Schü­ler sehr ernst, des­halb wol­le man den kürz­lich neu ge­bil­de­ten Stadt­schü­ler­rat in Zu­kunft en­ger be­glei­ten.

„Letzt­end­lich sind wir über je­de An­re­gung der Schü­ler dank­bar“, sagt Gol­kow­ski. Auf Wunsch könn­ten die Mit­glie­der schon jetzt Un­ter­stüt­zung bei or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben oder der Su­che nach ei­nem Sit­zungs­raum be­kom­men. Auch fi­nan­zi­el­le Hil­fen sei­en mög­lich.

Fo­to: Ja­na Probst

Sie wol­len mit­re­den: Ca­ro­lin Hü­ser und Ca­ro­lin Schüt­te (v.l.) sind im Vor­stand des Stadt­schü­ler­ra­tes. Den Ar­ti­kel „Ju­gend­li­che aus Mep­pen wol­len mit­re­den – 13-Jäh­ri­ge gibt nicht auf“fin­den Sie auf noz.de/ar­ti­kel/1953872.

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