Wo­hin steu­ert die SPD?

Vor­schlä­ge der neu­en Par­tei­spit­ze lö­sen in ei­ge­nen Rei­hen teils Kopf­schüt­teln aus

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Wo­hin steu­ert die SPD im neu­en Jahr? Die neu­en Par­tei­chefs sor­gen mit vie­len Vor­stö­ßen für Auf­se­hen. Die SPD will: ein Tem­po­li­mit, ei­ne neue Steu­er auf Bo­den­spe­ku­la­tio­nen, hö­he­re Ren­ten­bei­trä­ge für Spit­zen­ver­die­ner – und neue Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen des Staats so­wie­so. In In­ter­views ha­ben die neu­en SPD-Chefs Sas­kia Es­ken und Norbert Wal­terBor­jans der Öf­fent­lich­keit zum Jah­res­wech­sel vie­le Wün­sche prä­sen­tiert.

Beim Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on sorg­ten sie da­mit für Wi­der­spruch, bei Spit­zen­ge­nos­sen in Re­gie­rungs- und Frak­ti­ons­äm­tern rie­fen sie Kopf­schüt­teln her­vor. Und auch bei der ges­tern be­en­de­ten Klau­sur der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten wur­den Ein­wän­de laut. Die meis­ten Ab­ge­ord­ne­ten wol­len sich eher aufs Ge­set­ze­ma­chen in der Ko­ali­ti­on kon­zen­trie­ren.

Dass sich Es­ken zum Jah­res­be­ginn zu­erst für ein Tem­po­li­mit stark­mach­te, das ist in den Au­gen man­cher Kri­ti­ker in den ei­ge­nen Rei­hen ei­ne un­nö­ti­ge Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­me für den an­ge­schla­ge­nen Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU). Denn ei­ne Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung gilt als

we­nig po­pu­lär. Dann schlug Wal­ter-Bor­jans ei­ne Steu­er für Grund­ei­gen­tü­mer bei star­ken Wert­stei­ge­run­gen vor – das ist zwar längst SPDBe­schluss, doch so rich­tig er­klärt hat das Gan­ze bis­her kaum je­mand. Und auch sein Vor­stoß für hö­he­re Ren­ten­bei­trä­ge für Spit­zen­ver­die­ner blieb zu­nächst oh­ne nä­he­re Er­läu­te­rung im Raum ste­hen.

Steu­er und Ren­te – das be­trifft zwei SPD-Mi­nis­ter. Wie soll das wer­den, wenn der frü­he­re NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Wal­ter-Bor­jans Vor­schlä­ge macht, die der im Wett­streit um den SPD-Vor­sitz un­ter­le­ge­ne Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz um­set­zen müss­te? Und wie fügt sich so ein Ren­ten­vor­schlag in die Agen­da von So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil ein?

Scholz ging vor den Ab­ge­ord­ne­ten nicht auf Wal­terBor­jans’ Vor­stoß ein. Er sprach staats­män­nisch über die kom­men­de deut­sche EURats­prä­si­dent­schaft und ern­te­te reich­lich Ap­plaus, wie Teil­neh­mer be­rich­te­ten. „Er will auf je­den Fall den Ein­druck ver­mei­den, ge­gen­über den bei­den il­loy­al zu sein“, so ein Ab­ge­ord­ne­ter. Im Um­feld von Scholz heißt es, die Mi­nis­ter

kon­zen­trier­ten sich auf die Pro­jek­te, die jetzt in der Re­gie­rung durch­zu­set­zen sei­en.

Auch Heil hält sich zu­rück. Er will erst mal die Grund­ren­te in der Ko­ali­ti­on per Ge­setz durch­bo­xen. Dass das mit der Uni­on ge­lingt, sei noch kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, sag­te Frak­ti­ons­chef Rolf Müt­zenich in der Sit­zung. Und die Vor­schlä­ge der SPD-Chefs?

Das sei­en The­men, „die uns wei­ter­hin be­we­gen“, so Müt­zenich ges­tern in Ber­lin. Auf der Klau­sur der Frak­ti­on sei­en die Vor­schlä­ge kein The­ma ge­we­sen. Doch wer­de sich die Par­tei­füh­rung auf ei­ner Vor­stands­klau­sur An­fang Fe­bru­ar da­mit be­schäf­ti­gen. „Und das wer­den wir na­tür­lich auch in der SPDBun­des­tags­frak­ti­on wei­ter er­ör­tern – und ver­su­chen, auch letzt­lich um­zu­set­zen.“

In Um­fra­gen steht die SPD un­ter­des­sen wei­ter bei mi­se­ra­blen 13 Pro­zent. Schweißt das Par­tei­chefs, SPD-Mi­nis­ter und Frak­ti­on zu­sam­men? Müt­zenich wich ei­ner kla­ren Ant­wort aus: „Die­se Frak­ti­on ist ein ei­gen­stän­di­ger Teil in­ner­halb ei­ner gro­ßen Ge­mein­schaft, der Par­tei auf der ei­nen Sei­te, der Re­gie­rung auf der an­de­ren Sei­te.“

Flug­zeug­ka­ta­stro­phe: Zu­rück­hal­tung im Wei­ßen Haus ... Ka­ri­ka­tur: Klaus Stutt­mann

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