Un­ver­ständ­li­che Un­ter­schei­dung

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Micha Lem­me m.lem­[email protected]

Wer für Aus­bil­dung oder Stu­di­um Geld be­zahlt hat, sieht da­von nach der Steu­er­er­klä­rung kaum et­was wie­der, so die Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­richts. Für vie­le jun­ge Men­schen, vor al­lem für Stu­den­ten, hät­te ein ge­gen­tei­li­ges Ur­teil rück­wir­kend fi­nan­zi­el­le Ent­las­tung be­deu­tet. Und die kä­me zum Ein­stieg in das Be­rufs­le­ben ge­le­gen. Denn auch nach Aus­bil­dungs­en­de ist das Geld häu­fig knapp: Stu­di­en­kre­di­te oder Vor­schüs­se der El­tern wol­len be­zahlt wer­den, spä­ter war­ten Bafög-Rück­zah­lun­gen.

War­um al­so nicht die Aus­bil­dungs­kos­ten ge­ne­rell als Wer­bungs­kos­ten an­er­ken­nen und jun­ge Ar­beits­kräf­te, die doch so drin­gend ge­sucht wer­den, un­ter­stüt­zen und wert­schät­zen? Die Tren­nung im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz zwi­schen Erst- und Zwei­t­aus­bil­dung, die nun be­stä­tigt wur­de, ist un­ver­ständ­lich: Die Erst­aus­bil­dung sei vor al­lem auch per­sön­lich­keits­bil­dend und mün­de nicht zwangs­läu­fig in ei­nen kon­kre­ten Be­ruf, heißt es da; erst die Kos­ten von Zweit­stu­di­um oder Wei­ter­bil­dung

sei­en im Sin­ne der Wer­bungs­kos­ten be­ruf­lich be­dingt. Der Phy­sio­the­ra­peut, der wäh­rend der Aus­bil­dung we­nig Geld ver­dient und ho­he Schul­ge­büh­ren ge­zahlt hat, wird das an­ders se­hen. Die Grenz­zie­hung, die der Ge­setz­ge­ber vor­nimmt, wirkt will­kür­lich.

Das gilt auch für die Ei­n­ord­nung des Mas­ter­stu­di­ums: Ju­ris­ten be­wer­ten es als Zwei­t­aus­bil­dung; ein Ur­teil des Bun­des­fi­nanz­hofs sieht den Mas­ter je­doch als Teil der Erst­aus­bil­dung, so­bald er in­halt­lich an den Ba­che­lor an­schließt. Ei­ne un­kla­re Un­ter­schei­dung.

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