„Mein ge­lieb­ter Sohn!“

Meppener Tagespost - - KREIS EMSLAND -

„Wann reißt der Him­mel auf ? Auch für mich, auch für mich.“So lau­tet die im­mer wie­der­hol­te Fra­ge von Sil­ber­mond im Lied „Him­mel auf “. „Tau­sen­de Kreu­ze trägt er über den Tag, drei­hun­dert­fünf­und­sech­zig Ta­ge im Jahr“– und in die­sem Schalt­jahr noch ei­nen Tag mehr. Die Ver­zweif­lung ist aus dem Text zu hö­ren, die ein Mensch er­lebt, der kei­nen Sinn in sei­nem All­tag er­kennt: „Je­den Mor­gen bleibt die Fra­ge: ,Wo­für?‘.“

Die­se Zei­len des Lie­des ka­men mir in den Sinn, als ich die Bi­bel­stel­le von der Tau­fe Je­su las. Dort heißt es näm­lich, dass der Him­mel sich öff­ne­te und ei­ne Stim­me aus dem Him­mel sprach: „Du bist mein ge­lieb­ter Sohn, an dem ich Ge­fal­len ge­fun­den ha­be.“Mt 3,17.

In bei­den Tex­ten ist wohl im über­tra­ge­nen Sinn vom „ge­öff­ne­ten Him­mel“die Re­de. Der Him­mel, so wis­sen wir, ist die un­end­li­che Wei­te des Uni­ver­sums. Über Jah­re und Jahr­mil­lio­nen ist die­ses Wel­tall ge­wor­den. Vor ei­ni­gen Ta­gen las ich von ei­nem Stern, des­sen Licht in die­sen Ta­gen zu se­hen war, der aber schon vor 2000 Jah­ren sein Licht aus den Tie­fen des Wel­talls zu uns auf den Weg ge­schickt hat. Die­ses Licht stammt in sei­nem Ur­sprung aus der Zeit Je­su – aber sein Weg brauch­te so lan­ge, bis wir es se­hen konn­ten.

In ei­nem sol­chen un­end­li­chen Wel­tall zu le­ben und zu glau­ben, dass mein Le­ben, mein All­tag Sinn und Be­deu­tung hat – dies scheint wirk­lich schwer zu glau­ben. Den­noch ist es wohl die Grund­er­fah­rung Je­su, dass sein Le­ben ei­ne sol­che Be­deu­tung hat – nicht nur für ihn, son­dern auch für den, der die­ses Wel­tall in Gang ge­setzt hat – Gott.

Sei­ne El­tern wer­den es ihm wohl ver­mit­telt ha­ben in ih­rer Lie­be und Zu­wen­dung: Du bist uns wich­tig – un­ser ge­lieb­ter Sohn. Und die­se Er­fah­rung macht Je­sus dann auch mit sei­nem Gott in der Tau­fe am Jor­dan: Du bist mein ge­lieb­ter Sohn! Die­se Grund­er­fah­rung nimmt Je­sus tief in sich auf und gibt sie an die Men­schen wei­ter, die ihm be­geg­nen: ver­zwei­fel­te und iso­lier­te Men­schen, die ein­sam sind, Kran­ke und Ster­ben­de, Rei­che und Ar­me.

Wann reißt der Him­mel auf? – Wann tref­fe ich Men­schen, die mir ih­re Zu­wen­dung und Sym­pa­thie schen­ken, da­mit ich er­fah­ren und glau­ben kann, dass auch mein All­tag ei­nen Sinn hat? Wann reißt da­mit auch der Him­mel auf, dass ich die­sem Gott glau­ben kann, dass er die­ses Wort nicht nur Je­sus sagt, son­dern je­dem von uns: Du bist mein ge­lieb­ter Sohn; du bist mei­ne ge­lieb­te Toch­ter.

Fo­to: Kir­chen­ge­mein­de

Pfar­rer Franz Bern­hard Lan­ver­mey­er, St. An­to­ni­us Pa­pen­burg.

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