Die Queen ist „ver­letzt und ver­är­gert“

Nach Rück­zug von roya­len Pflich­ten ist Her­zo­gin Meg­han zu ih­rem Ba­by nach Ka­na­da ge­reist

Meppener Tagespost - - WELTSPIEGE­L - Von Ka­trin Pribyl

Über dem Bucking­ham-Pa­last ist der­zeit die Uni­on-Jack-Flag­ge ge­hisst, was be­deu­tet, dass sich die Queen au­ßer Haus be­fin­det. Trotz­dem kom­men im Mo­ment mehr Men­schen als üb­lich zur kö­nig­li­chen Re­si­denz in Lon­don. Vor den To­ren ha­ben sich so­gar ei­ni­ge „Su­per­fans“ver­sam­melt, wie sie sich nen­nen, um Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. ih­re Un­ter­stüt­zung zu si­gna­li­sie­ren.

Denn hin­ter den di­cken Mau­ern herrscht Kri­se, seit Prinz Har­ry und Her­zo­gin Meg­han am Mitt­woch­abend ih­ren Rück­zug als hoch­ran­gi­ge Royals an­ge­kün­digt ha­ben, oh­ne die kö­nig­li­che Fa­mi­lie vor­ab von dem Schritt zu in­for­mie­ren. Seit­dem lau­fen von der Mon­ar­chin an­ge­setz­te Kri­sen­ge­sprä­che.

So soll es so­gar meh­re­re Te­le­fo­na­te zwi­schen der Queen, Thron­fol­ger Prinz Charles, Prinz Wil­li­am und Prinz Har­ry selbst ge­ge­ben ha­ben, um schnellst­mög­lich ei­ne „prak­ti­ka­ble Lö­sung“zu fin­den, wie es das Staats­ober­haupt in­tern an­geb­lich nann­te. „Ei­nes der Din­ge, die die Fa­mi­lie über die Jah­re ge­lernt hat, ist, dass wenn man nicht schnell han­delt, die Pro­ble­me schlim­mer wer­den“, wird ein In­si­der in bri­ti­schen Me­di­en zi­tiert.

Es ist auch ei­ne Lek­ti­on aus der La­dy-Dia­na-Kri­se, in der sich die Queen all­zu zö­ger­lich ver­hielt und et­li­che Feh­ler be­ging, die am En­de so­gar die Mon­ar­chie ins Wan­ken brach­ten. Soll Ih­re Ma­jes­tät dem Her­zog und der Her­zo­gin von Sussex wie be­reits Har­rys Mut­ter et­wa die Ti­tel ent­zie­hen, wie et­li­che Kri­ti­ker dies nun ver­lan­gen? Die bei­den for­dern ei­ne Son­der­rol­le, wie ihr State­ment auf Ins­ta­gram zeigt, ei­nen Sta­tus „halb drin­nen, halb drau­ßen“und da­mit ei­nen Teil­rück­zug aus der roya­len Fa­mi­lie.

Das sorgt auf der In­sel für Är­ger. Denn ei­ner­seits wün­schen Har­ry und Meg­han ih­re Frei­heit, in­dem sie teils in Groß­bri­tan­ni­en, teils in Nord­ame­ri­ka le­ben und sich von ih­ren Pflich­ten zu­rück­zie­hen. An­de­rer­seits möch­ten sie aber nicht die Pri­vi­le­gi­en des Kö­nigs­hau­ses ver­lie­ren. Wie al­so könn­ten die künf­ti­gen Rol­len der Suss­e­xes aus­se­hen?

Die Fa­mi­lie und vor­ne­weg die Kö­ni­gin sei­en „ver­letzt und ver­är­gert“ge­we­sen über die Art und Wei­se, wie der 35Jäh­ri­ge und sei­ne 38 Jah­re al­te Frau ih­ren Vor­stoß kom­mu­ni­ziert ha­ben. So be­rich­ten es an­ony­me Mit­ar­bei­ter aus dem Pa­last. Den­noch gibt es an­geb­lich Ver­ständ­nis für ihr Be­dürf­nis nach ei­nem mo­der­nen Le­bens­stil, wenn es auch schwie­rig wür­de, die­sen in Ein­klang zu brin­gen mit der von Tra­di­tio­nen be­stimm­ten In­sti­tu­ti­on.

Die Suss­e­xes wol­len auf Zu­wen­dun­gen aus dem roya­len Geld­topf ver­zich­ten, um ihr ei­ge­nes Geld ver­die­nen zu kön­nen. Das war ih­nen bis­her auf­grund ih­res ge­nau fest­ge­leg­ten An­teils aus dem so­ge­nann­ten Kron­be­sitz un­ter­sagt. Un­klar ist auch, ob Va­ter Charles wei­ter­hin die ver­blei­ben­den 95 Pro­zent, die aus ei­ner zwei­ten Im­mo­bi­li­en­hol­ding mit dem Na­men Du­chy of Lan­cas­ter stam­men, für die Bü­ro­aus­ga­ben des Paars be­zahlt. Das dürf­te auch da­von ab­hän­gen, ob der Her­zog und die Her­zo­gin wei­ter­hin of­fi­zi­el­le Ter­mi­ne für die Fir­ma, wie die Royals ge­nannt wer­den, wahr­neh­men wer­den.

Laut Me­di­en un­ter­stütz­te der 71-Jäh­ri­ge die of­fi­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen sei­ner bei­den Kin­der mit et­wa fünf Mil­lio­nen Pfund pro Jahr, 2,3 Mil­lio­nen gin­gen an sei­nen jüngs­ten Sohn. Ei­ner Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts YouGov zu­fol­ge spra­chen sich zwei Drit­tel der be­frag­ten Bri­ten da­für aus, dem Paar die­se fi­nan­zi­el­len Mit­tel zu strei­chen.

Doch auch oh­ne die­se Ein­nah­men dürf­ten die Suss­e­xes so schnell kei­ne Geld­sor­gen be­kom­men. Das Pri­vat­ver­mö­gen des Prin­zen wird auf 30 Mil­lio­nen Pfund ge­schätzt, das Geld stammt un­ter an­de­rem aus dem Er­be von Prin­zes­sin Dia­na. Und auch Meg­han brach­te ein Ver­mö­gen aus ih­rer Schau­spiel­kar­rie­re in die Ehe. Zu­dem könn­te das Paar durch Vor­trä­ge, die Ar­beit in Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen, das Schrei­ben von Bü­chern oder den Ver­kauf von Sou­ve­ni­rar­ti­keln oder Klei­dung un­ter der kö­nig­li­chen Mar­ke Sussex Ein­nah­men ge­ne­rie­ren.

Har­ry und Meg­han ha­ben sich den Na­men ih­rer ge­mein­nüt­zi­gen Stif­tung, Sussex Roy­al, be­reits vor ei­ni­ger Zeit als Mar­ke ein­tra­gen las­sen. Am Mitt­woch­abend noch ging ei­ne Web­sei­te on­li­ne, die vor zehn Mo­na­ten im Hin­ter­grund ein­ge­rich­tet und seit­her vor­be­rei­tet wur­de.

Wäh­rend im Kö­nig­reich wei­ter­hin Auf­re­gung we­gen des bei­spiel­lo­sen Rück­zugs der Suss­e­xes herrscht, weilt Her­zo­gin Meg­han be­reits wie­der in Ka­na­da. Dort hat­te die Fa­mi­lie ei­ne sechs­wö­chi­ge Aus­zeit ge­nom­men und nach dem Ur­laub Sohn Ar­chie bei ei­ner Freun­din ge­las­sen. Man­che spra­chen ges­tern auch von ei­ner Flucht der Her­zo­gin.

Fo­to: dpa/Yui Mok

Sie ste­hen zu ih­ren Royals: Fans der bri­ti­schen Mon­ar­chie vor dem Bucking­ham-Pa­last.

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